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Fußball-WM alle zwei Jahre? : „Dieser Plan würde den Fußball töten“

  • -Aktualisiert am

Die Ideen Infantinos zur Reform der WM werden Kontrovers diskutiert. Bild: AFP

FIFA-Chef Infantino möchte die WM alle zwei Jahre austragen lassen. Unzufrieden mit dieser Idee ist unter anderem UEFA-Präsident Ceferin, der das Vorhaben mit drastischer Wortwahl kritisiert.

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          Die große Gemeinde der Fußballfreunde in Europa scheint sich an immer gewagtere Reformvorschläge inklusive anschließender Empörungswellen gewöhnen zu müssen. Im Frühjahr sorgten die Super-League-Pläne einiger Großklubs für Fassungslosigkeit, und jetzt wird über die Idee diskutiert, von 2028 an Weltmeisterschaften im Zweijahrestakt auszutragen.

          Der Internationale Fußballverband FIFA mit seinem Präsidenten Gianni Infantino hat einen entsprechenden Reformvorschlag für den Fußballkalender vorgelegt, sicher nicht zuletzt getrieben von der Idee, noch mehr Geld verdienen zu können. Aleksander Ceferin, der Präsident der Europäischen Fußball-Union UEFA, reagierte prompt, er hoffe, „die FIFA kommt wieder zu Sinnen“, sagte er. Dieser Plan würde „den Fußball töten“, sagte er und drohte damit, diese in kurzen Abständen ausgetragenen Weltturniere gemeinsam mit den Südamerikanern zu boykottieren.

          „Absolute Alarmstellung“

          Womöglich kam ihm das Geschrei um dieses Riesenthema aber gar nicht so ungelegen, denn in dieser Woche tagten nacheinander zunächst die europäische Klubvereinigung ECA, die European Leagues, wo die Ligen ihre Interessen bündeln, und die UEFA, das sensible Hauptthema hier: Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, unter denen in Zukunft um Stars, Talente und Titel gekämpft werden soll. In diesem Zusammenhang formulierte Ceferin als Gastredner bei der ECA einen Satz, der öffentlich bislang kaum beachtet wurde, aber für einige Aufregung in der Bundesliga sorgte: „Lassen Sie mich etwas sehr Wichtiges hervorheben: Beim Financial Fairplay geht es nicht um Wettbewerbsfähigkeit.“

          Für viele Klubs ist diese Botschaft bedrohlicher als Weltmeisterschaften alle zwei Jahre. „Wir sind alle in der Liga, auch die, die bei der ECA engagiert sind, in absoluter Alarmstellung“, sagte Axel Hellmann, der Vorstandssprecher von Eintracht Frankfurt, am Mittwoch auf dem Sportbusiness-Kongress Spobis. Bisher sorgte das Financial Fairplay (FFP) für eine gewisse Wettbewerbsgleichheit zwischen den Klubs mit Privatinvestor, Oligarch oder Golfstaat im Rücken und den Vereinen, die ihr Geld auf den klassischen Wegen erwirtschaften.

          Es war den Investoren – zumindest in der Theorie – nicht erlaubt, unbegrenzt Geld zuzuschießen, auch wenn das Regelwerk juristisch anfechtbar war und unterlaufen werden konnte. Nun sei es „an der Zeit, die Formel des Financial Fairplay zu einem soliden Finanzsystem zu entwickeln, das Investitionen und Wachstum fördert“, sagte Ceferin. Die Regeln sollen dem UEFA-Chef zufolge also nur noch wirtschaftliche Stabilität und ein gutes Klima für Investoren sicherstellen, die Frage nach der Ausgewogenheit des Wettbewerbs verlöre an Bedeutung.

          Unzufrieden mit den Plänen der FIFA: UEFA-Präsident Ceferin
          Unzufrieden mit den Plänen der FIFA: UEFA-Präsident Ceferin : Bild: AP

          Das wäre ein Paradigmenwechsel mit massiven Auswirkungen auf die Entwicklung der Bundesliga, wo Investoren keine Stimmmehrheiten übernehmen dürfen und daher nur in Einzelfällen aktiv werden. Das neue UEFA-Modell sieht vor, das FFP durch eine an die Einnahmen gekoppelte Gehaltsobergrenze zu ersetzen, in der es, anders als der Name suggeriert, nicht nur um Gehälter geht. Die Vereine dürften – den bislang bekannt gewordenen Details zufolge – 70 Prozent ihrer Einnahmen für Transfers, Gehälter und Beraterhonorare ausgeben.

          Bei Verstößen würde eine Luxussteuer fällig, die an die regelkonform wirtschaftenden Klubs ausgezahlt werden soll. „Diese Steuer müsste schon sehr, sehr hoch sein“, sagte Ceferin dem Spiegel. „Wenn die Regel lautet, dass ein Verein nur 300 Millionen Euro ausgeben darf, es aber 500 Millionen werden, dann müsste er womöglich weitere 200 Millionen zahlen, die an die anderen gehen. Das muss ein robustes Regelwerk sein.“

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