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WM-2022-Kommentar : Nur Qatar ist ein Gewinner

  • -Aktualisiert am

Der damalige Emir von Qatar fühlte sich im Dezember 2010 schon wie ein Weltmeister Bild: dpa

Die Fifa-Würdenträger waren bei der Vergabe der Fußball-WM 2022 an Qatar von der Gier nach Macht und Geld verblendet. Wie verantwortungslos das war, zeigt die riesige Kettenreaktion, die eine Verlegung in den Winter nach sich zieht.

          Der 2. Dezember 2010 war ein verheerender Tag für den Fußball. Damals vergaben die von der Gier nach Macht und Geld verblendeten Würdenträger des Internationalen Fußballverbandes (Fifa) die Weltmeisterschaft 2022 in den Wüstenstaat Qatar und ließen damit einen Dschinn aus der Flasche, der seitdem sein Unwesen treibt.

          Er hielt den Entscheidern des Weltverbands den Spiegel vor und zeigte allen, wie tief vom Eigennutz zerfressen diese Leute sind, die mit der emotionalen und finanziellen Kraft des Fußballs so viel Gutes bewirken könnten. Als Vorbild an seriösem Gebaren galt die Fifa noch nie – jetzt sieht eine breite Öffentlichkeit sie nur noch als korrupte Schurkenvereinigung an, was dem ganzen internationalen Sport Schaden zufügt.

          Mit ihrer absurden Entscheidung haben die Fifa-Oberen es außerdem geschafft, die Fußball-WM, eines der Sportheiligtümer der Welt, zeitweise zu einem Riesenärgernis schrumpfen zu lassen. Wie verantwortungslos es war, bei der Vergabe das Klima am Persischen Golf zu ignorieren, zeigt sich jetzt mit Blick auf die riesige Kettenreaktion, die eine Verlegung in den Winter nach sich zieht.

          An dem Termin im November und Dezember, wie ihn am Dienstag die Fifa-Arbeitsgruppe vorschlug, kann die Exekutive im März schon deshalb nichts mehr ändern, weil er bei allem Schaden noch das geringste Übel ist.

          Der Beginn aller Diskussionen: Fifa-Präsident Blatter zieht Qatar aus dem Umschlag Bilderstrecke

          Einziger Gewinner des ganzen Prozesses ist und bleibt das Land Qatar, das mit viel Geld und Beharrlichkeit an seinem Aufstieg zum Welt-Sportzentrum arbeitet. Alle anderen sind Verlierer: die Fans, die zum WM-Finale die vier Kerzen am Adventskranz werden anzünden können; die europäischen Fußball-Ligen und die Champions League, die dann ihre Spielpläne umwerfen müssen; die Spieler, die ohnehin oft am Rande der Belastungsgrenze stehen; die Fernsehsender, die Kollisionen mit ihren Saisonsportarten abfedern müssen; der Wintersport, dem die Schau gestohlen wird; und die Fifa, noch über die Schande hinaus.

          Für ihre Ausfälle werden die Klubs beträchtliche Ausgleichssummen verlangen. Dass Joseph Blatter, der Schöpfer des Systems, in dem dieser Willkürakt der Zerstörung möglich war, trotz allem glaubt, er müsse auch für eine fünfte Amtszeit Präsident bleiben, klingt zwar absurd. Dass er es schaffen wird, ist beim Zustand dieser Fifa aber nur logisch.

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