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WM 2014 : Maracana, Sinnbild des neuen Brasilien

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Ein Fußballtraum: Das Maracana in Rio Bild: dpa

Die Fifa erliegt dem Charme Rios: Vor allem der Umbau der einst größten Fußballarena der Welt versprüht Vorfreude auf die brasilianische WM im Jahr 2014. Am Samstagabend werden die Qualifikationsgruppen ausgelost.

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          Pelé, Garrincha, Didi, Tostao, Gerson, Zico, Ronaldo, Romario: Alle Helden des brasilianischen Fußballs sind noch da in der großen Fußballoper des größten, von zweihundert Millionen Menschen bevölkerten Landes in Südamerika. Die Männer, die den ewigen Traum vom „jogo bonito“, dem schönen Spiel, auch dank fünf Weltmeistertiteln mit prallem Leben füllten, haben im Maracana-Stadion mit ihren Fußabdrücken Spuren hinterlassen, die diesem „Walk of Fame“ im dritten Stock einer der berühmtesten Sportarenen der Welt seine ganz besondere Kontur geben.

          Von außen sieht eines der Wahrzeichen der Sechsmillionen-Metropole am Atlantik noch so aus wie immer mit seinen ausladenden weißen Betonstreben, die auf die Masse Mensch verweisen, die in diesem kolossalen Bauwerk einmal untergebracht werden konnte. Das für die Weltmeisterschaft 1950 in Brasilien gebaute Monument bot in seiner Gründerzeit fast 200 000 Fußballfans Platz und erlebte am 16. Juli 1950 statt des vermuteten Gipfelsturms der Seleao sogleich einen historischen Tiefpunkt, als Brasilien das entscheidende Spiel um den Titel gegen Uruguay 1:2 verlor. 173.850 Zuschauer waren entsetzt über eine Niederlage, die niemand in Brasilien für möglich gehalten hätte.

          An dieses gewaltige Stadion wird zu Beginn der WM 2014, der ersten in Brasilien seit 1950, von innen nichts mehr erinnern. Das Maracana wird zum Preis von rund 420 Millionen Euro komplett umgebaut. „Wir wollen“, sagt Alcino Rocha, Staatssekretär im brasilianischen Sportministerium, „auch auf diese Weise das neue Brasilien zeigen“. An das gute alte Brasilien erinnert rund um diesen mythischen Ort des Fußballs dann nur noch die denkmalgeschützte Fassade des Stadions, die zum kulturellen Erbgut des riesigen Landes gehört.

          Der Fifa-Präsident Blatter mit dem Schlüssel zur WM
          Der Fifa-Präsident Blatter mit dem Schlüssel zur WM : Bild: dpa

          Ende 2012 wollen sie fertig sein mit dem Umbau des Maracana zu einer hochmodernen Multifunktionsarena für maximal 76 525 Fußballfans, die von ihren bequemen Sitzen aus miterleben können, ob die derzeit schwächelnde Fußball-Weltmacht den zweiten Titelanlauf im eigenen Land mit der Eroberung des Weltmeisterpokals krönen kann. Das Stadion ist längst dazu auserkoren, dem Finale des vom 12. Juni bis 13. Juli 2014 ausgetragenen Turniers Glanz und Gloria zu geben.

          20,6 Milliarden Dollar für Infrastruktur

          Danach aber sieht es im Augenblick, da die Touristen trotzdem an den verklärten Ort im Norden Rios strömen, nicht aus. Das Maracana ist eine einzige Großbaustelle, in der in diesen Tagen Kräne und Bagger inmitten von brauner Erde, Schutt und Asche die Hauptrolle übernommen haben. Kurz vor der Auslosung der kontinentalen Qualifikationsgruppen zur WM 2014 wohnt den Bildern vom Wachstumsprozess einer 61 Jahre alten Weltattraktion viel Symbolik inne.

          Das Land Brasilien und vor allem jene zwölf Städte, in denen in drei Jahren das Weltfest des Fußballs über die große Bühne geht, sehen sich in diesem Sommer erstmals gefordert, der Welt des Sports zu demonstrieren, warum hier die siebtgrößte Wirtschaftsnation des Planeten daheim ist. 20,6 Milliarden amerikanische Dollar (14,4 Milliarden Euro) fließen in eine Vielzahl von Infrastrukturprojekten, beginnend beim Stadionneubau, wie etwa in So Paulo, oder Stadionumbau über den dringend notwendigen Ausbau von 13 Flughäfen, bis zur Verbesserung des Transportsystems, der Telekommunikation.

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