https://www.faz.net/-gtl-8bdm0

Indiskretionen im WM-Skandal : Frontal gegen Franz Beckenbauer

  • Aktualisiert am

Franz Beckenbauer vor dem Logo der WM 2006 Bild: dpa

Durch Indiskretionen dringen in der WM-2006-Affäre Details aus den Vernehmungsprotokollen an die Öffentlichkeit. Die Aussagen der Befragten zielen vor allem auf eine Person.

          2 Min.

          Im WM-Skandal beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) läuft alles auf eine Konfrontation zwischen den ehemaligen Mitstreitern im WM-Organisationskomitee hinaus – mit einer weiteren Distanzierung vom früheren OK-Präsidenten Franz Beckenbauer. Dieses Bild bestätigen auch Aussagen in den Vernehmungsprotokollen aus der internen DFB-Untersuchung durch die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer.

          Die „Bild“-Zeitung hatte am Dienstag daraus zitiert. Demnach habe sich der zurückgetretene DFB-Präsident Wolfgang Niersbach daran erinnert, dass Beckenbauer ihm 2002 nach der Wiederwahl Joseph Blatters als Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) gesagt habe: „Der ist auch mit meinem Geld gewählt worden.“

          Ähnlich habe sich der ehemalige stellvertretende DFB-Generalsekretär Stefan Hans geäußert. Beckenbauer habe auf die Frage, wem Blatter seine Wahl zu verdanken habe, auf sich selbst gezeigt. Der damalige DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt soll bei seiner Vernehmung von einem Vier-Augen-Gespräch Beckenbauers mit Blatter im Dezember 2001 berichtet haben, bei dem er später ausdrücklich nicht nach den Details der Unterredung gefragt hätte. Manchmal sei es besser in diesem Umfeld, so Schmidt angeblich in der Freshfield-Vernehmung, nichts von den Dingen zu wissen.

          In der Untersuchung geht es um die 6,7 Millionen Euro, die damals vom DFB an die Fifa flossen. Deren Zweck und Verbleib ist nach wie vor ungeklärt. Beckenbauer, der damalige Präsident des WM-Organisationskomitees, behauptet, dass man der Fifa-Finanzkommission diese Summe bezahlen musste, um den WM-Zuschuss für Deutschland von 170 Millionen Euro zu bekommen. Der Verdacht erhärtet sich jetzt nach den Vernehmungen, dass die Summe verwendet wurde, um Blatter für seine Wiederwahl als Fifa-Präsident 2002 finanziell zu unterstützen. Das streitet dieser ab. Die Fifa hatte schon gesagt, dass die 6,7 Millionen Euro damals nicht auf ihren Konten gelandet seien. Oder versuchen Niersbach und Co. mit ihren Aussagen nur, abzulenken vom Verdacht, dass Schmiergelder geflossen sind für die WM-Vergabe an Deutschland im Jahr 2000?

          Öffnen
          Was bisher geschah : Die Chronologie der WM-2006-Affäre

          Die neuesten Indiskretionen rund um die Freshfield-Untersuchung bedauerte der DFB-Präsidentschaftskandidat Reinhard Grindel. „Der DFB hat mit großem Befremden zur Kenntnis genommen, dass vertrauliche Vernehmungsprotokolle in den Medien auftauchen“, hieß es beim DFB. Der Bericht der beauftragten Frankfurter Wirtschaftskanzlei soll frühestens im Februar fertig sein. Von welcher Seite nun die Informationen kamen, ist nicht bekannt. „Zur Klarstellung: Weder der Präsidialausschuss noch das gesamte DFB-Präsidium hatten zu irgendeinem Zeitpunkt Zugang zu den Protokollen der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer“, erklärte der Verband.

          Fest steht, dass Niersbach, Schmidt und Hans sich mit ihren Aussagen frontal gegen Beckenbauer stellen. Wohl auch, um sich jetzt selbst zu schützen. Gegen Schmidt, Niersbach, aber auch den früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger, ermittelt die Staatsanwaltschaft in dem Fall wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Niersbach hatte im Oktober 2007 die entsprechende Steuererklärung unterschrieben, in der die ominösen 6,7 Millionen Euro als Provision und absetzbarer Posten deklariert wurden. Den früheren Mitgliedern aus dem WM-OK könnten hohe Schadenersatzzahlungen drohen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Laschet oder Söder? : Die Würfel sind gefallen

          Zum ersten Mal hat Markus Söder erklärt, er sei bereit für die Kanzlerkandidatur. Zum ersten Mal hat er aber auch angedeutet, unter welchen Umständen er verzichtet. Das sollte für Armin Laschet kein Hindernis mehr sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.