https://www.faz.net/-gtl-89lpw

WM-2006-Affäre : Netzer wird Klage gegen Zwanziger einreichen

Günter Netzer könnte Theo Zwanziger nun verklagen. Bild: dpa

Der Streit um Aussagen in der WM-Affäre zwischen Günter Netzer und Theo Zwanziger endet wohl vor Gericht. Der frühere DFB-Präsident lässt eine Frist verstreichen. Als Schlüsselfigur in der Auseinandersetzung gilt Netzers Frau Elvira.

          Der Streit zwischen dem früheren Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, und Günter Netzer im Zuge der Korruptionsaffäre rund um die Weltmeisterschaft 2006 läuft auf eine gerichtliche Auseinandersetzung zu. Zwanziger hat, wie angekündigt, am Freitag die Frist verstreichen lassen, die ihm Netzers Anwalt zum Unterschreiben einer Unterlassungserklärung gesetzt hatte.

          Netzer hatte von Zwanziger verlangt, er möge künftig die Behauptung unterlassen, Netzer habe gesagt, mit den 6,7 Millionen Euro, die der frühere Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus den deutschen WM-Bewerbern zur Verfügung gestellt hatte, seien asiatische Mitglieder des Exekutivkomitees des Internationalen Fußball-Verbandes Fifa gekauft worden.

          Der frühere DFB-Präsident hatte gegenüber dem „Spiegel“ behauptet, dass ihm Netzer bei einem Treffen 2012 in Zürich von der Bestechung der vier asiatischen Funktionären vor der Vergabe der WM am 6. Juli 2000 erzählt habe. Netzer bestreitet das. Sein Anwalt hatte angekündigt, Elvira Netzer, die Ehefrau des früheren Mittelfeldspielers und heutigen Sportrechtehändlers, könne bezeugen, dass sein Mandant eine derartige Äußerung nie getätigt habe, Frau Netzer sei bei dem Gespräch anwesend gewesen.

          „Ich sage die Wahrheit“: Theo Zwanziger.

          Zwanziger bestätigte die Anwesenheit von Elvira Netzer, wies aber darauf hin, dass er rund zwei Stunden mit Netzer zusammen gesessen habe, Elvira Netzer aber allenfalls eine halbe Stunde in der Runde verbracht habe. Er habe deshalb keine Veranlassung, die von Netzer verlangte Unterlassungserklärung abzugeben, hatte Zwanziger bereits Mitte der Woche angekündigt.

          „Wenn ich die Wahrheit sage, unterzeichne ich doch keine Unterlassungserklärung, in der ich davon abrücke.“ Er lasse es nun „gern auf einen Prozess ankommen“, ergänzte Zwanziger am Freitag gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Netzers Anwalt Ralf Höcker sagte, er werde „zügig“ Klage einreichen und sprach von einem für Zwanziger „aussichtslosen Prozess“.

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Der Korruptionskomplex beim Deutschen Fußball-Bund rund um das Louis-Dreyfus-Darlehen und dessen Rückzahlung ist maßgeblich durch Zwanzigers Darstellungen im „Spiegel“ ans Licht gekommen, die von den weiteren Mitgliedern des damaligen WM-Organisationskomitees bestritten werden. Zwanziger hatte deshalb Wolfgang Niersbach, seinen Nachfolger als DFB-Präsident, der Lüge bezichtigt.

          Gleichwohl ist Netzer bislang der einzige, der vor einer Klage gegen Zwanzigers Aussagen steht. Eine Erklärung, wer die 6,7 Millionen Euro erhalten hat, haben auch zwei Wochen nach Bekanntwerden des Skandals weder DFB-Präsident Niersbach noch der damalige Chef des WM-Organisationskomitees, Franz Beckenbauer, öffentlich gemacht.

          Weitere Themen

          Keine Mammut-WM in Qatar Video-Seite öffnen

          Nur 32 statt 48 Teams : Keine Mammut-WM in Qatar

          Wie die Fifa bekannt gab werden bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Qatar genau so viele Teams wie in den letzten Jahren antreten. Zuvor hieß es, die Anzahl an teilnehmenden Nation sollte auf 48 Mannschaften aufgestockt werden.

          Die Erfolge des Niki Lauda Video-Seite öffnen

          Tod einer Formel-1-Legende : Die Erfolge des Niki Lauda

          Der Österreicher Niki Lauda feierte in der Formel 1 große Erfolge und ließ sich auch von Unfällen und Verletzungen nicht unter kriegen. Die rote Kappe wurde zu seinem Markenzeichen. Mit 70 Jahren ist er nun im Kreis der Familie verstorben.

          Topmeldungen

          FAZ Plus Artikel: Chinas Präsident Xi Jinping : In der Sackgasse

          Xi Jinping hat in der chinesischen Bevölkerung den Fehlglauben genährt, das Land könne es schon jetzt mit Amerika aufnehmen. Damit hat er Erwartungen geweckt, die er nicht erfüllen kann – und sich so verwundbar gemacht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.