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WM-2006-Affäre : Druck auf Niersbach wächst

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach gerät weiter unter Druck in der WM-Affäre. Bild: Reuters

Die DFB-Führungskrise spitzt sich zu, Wolfgang Niersbach gerät in der WM-Affäre weiter unter Druck. Hinter den Kulissen wird mit Nachdruck nach einem geeigneten Nachfolger für Niersbach gesucht.

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          Die Führungskrise im Deutschen Fußball-Bund (DFB) spitzt sich zu. In der Korruptionsaffäre rund um eine mögliche schwarze Kasse bei der erfolgreichen Bewerbung um die WM 2006 und eine verschleierte Millionenüberweisung an den Internationalen Fußball-Verband Fifa im Jahr 2005 ist DFB-Präsident Wolfgang Niersbach weiter unter Druck geraten.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Christoph Becker

          Hinter den Kulissen wird schon nach einem geeigneten Nachfolger für Niersbach gesucht, der gemeinsam mit seinem Amtsvorgänger und Intimfeind Theo Zwanziger, dem Chef des WM-Organisationskomitees, Franz Beckenbauer, und Beckenbauers damaligem Stellvertreter Horst R. Schmidt im Zentrum der Affäre steht. Offenbar herrscht unter den Landesverbänden und unter den Mitgliedern des Präsidiums des Deutschen Fußball-Bundes aber noch keine Einigkeit hinsichtlich einer neuen Führungsfigur.

          Am Freitag hatte sich das Gremium in Dortmund getroffen, Niersbach auffallend vorsichtig den Rücken gestärkt und die „lückenlose Aufklärung“ der Hintergründe der vermuteteten Schmiergeldzahlungen verlangt – „auch für den Fall, dass es unangenehm wird für den ein oder anderen Beteiligten“, wie DFB-Vizepräsident Rauball sagte. Anschließend hatte der „Spiegel“ einen Artikel veröffentlicht, in dem Zwanziger die Existenz einer schwarzen Kasse bei der Bewerbung um die WM versicherte und Niersbach der Lüge bezichtigte.

          Tatsächlich bleibt dem größten Einzelsportverband der Welt kaum Zeit, überfällige Veränderungen vorzunehmen und den Sachverhalt aufzuklären. Einstige Galionsfiguren wie Niersbach und Beckenbauer sind als Werbebotschafter unglaubwürdig geworden. Sie werden beim Werben um politische Unterstützung für die Bewerbung um die Europameisterschaft 2024 keine Rolle mehr spielen können.

          Zugleich erscheint der DFB derzeit unfähig, sein Gewicht für dringend nötige, aber nach wie vor nicht durchgesetzte Reformen bei der Fifa und in der Europäischen Fußball-Union Uefa einzusetzen. Zudem wird durch die teils kläglichen, teils amtsmissbräuchlichen Aufklärungsversuche der vergangenen zwei Wochen deutlich, dass die Strukturen des DFB unzeitgemäß und ungeeignet sind, um Korruption zu verhindern und zu untersuchen.

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