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Skandal im Fußball-Weltverband : Putin stellt sich hinter Blatter

  • Aktualisiert am

Zwei, die zusammenstehen: Joseph Blatter (links) und Wladimir Putin Bild: dpa

Im Fifa-Korruptionsskandal bekommt Präsident Blatter Unterstützung von Putin. Der Kremlchef greift die Vereinigten Staaten an und erhebt Vorwürfe. Auch Cameron und Steinmeier äußern sich.

          Kremlchef Wladimir Putin stellt sich im Fifa-Korruptionsskandal hinter Verbandschef Joseph Blatter und wirft den Vereinigten Staaten ungerechtfertigte Einmischung vor. Die Ermittlungen seien ein Vorwand, Blatters Wiederwahl zu verhindern, sagte Putin am Donnerstag in Moskau. Er forderte den Weltfußballverband der Agentur Interfax zufolge auf, wie geplant an diesem Freitag den Urnengang abzuhalten. „Wir wissen von dem Druck, der auf Blatter ausgeübt wurde, mit dem Ziel, Russland die WM 2018 wegzunehmen“, sagte Putin.

          Putin kritisierte, Washington versuche, mit den Festnahmen mehrerer internationaler Fußball-Funktionäre in der Schweiz amerikanisches Recht außerhalb der eigenen Grenzen anzuwenden. Die Verdächtigen seien wegen eines Auslieferungsantrags aus Washington festgenommen worden. „Diese Funktionäre sind keine US-Bürger. Die USA haben mit dem Fall nichts zu tun“, meinte der Präsident. Die parallelen Korruptionsermittlungen Schweizer Behörden, bei denen es um die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Qatar geht, haben in Moskau Sorgen ausgelöst, die Austragungsrechte zu verlieren. Der Europäische Fußballverband Uefa hatte am Mittwoch eine Verschiebung der Fifa-Präsidentenwahl gefordert.

          Deswegen lud Blatter am Donnerstagmittag Vertreter aller sechs Konföderationen zu einer Sondersitzung ein. Wie der Weltverband der Deutschen Presse-Agentur bestätigte, findet das Treffen zur Stunde in Zürich statt. Einziger Tagesordnungspunkt ist die Situation vor dem Fifa-Kongress, der am Nachmittag in einem Theater in Zürich eröffnet werden soll. Eine Verschiebung des Kongresses und der für Freitag anberaumten Präsidentschaftswahlen, wie von der Uefa gefordert, wurde von der Fifa bislang strikt abgelehnt.

          Für die Uefa nimmt nach dpa-Informationen Präsident Michel Platini an dem Treffen teil. Platini wurde erst nach dem Ende des Meetings mit Blatter bei der internen Sitzung der Uefa-Mitglieder erwartet, die um 12.30 Uhr in einem Hotel in Zürich begann. Dort traf bereits Prinz Ali bin al-Hussein ein, der von der Uefa unterstützte Herausforderer von Blatter. Die Uefa kündigte für den Nachmittag eine Pressekonferenz an. Sie soll frühestens um 14.00 Uhr beginnen. Die afrikanischen Verbände äußerten schon, dass sie gegen eine Verschiebung des Kongresses seien. Zudem wollen sie kollektiv für Blatter stimmen.

          Am Donnerstag soll in Zürich der 65 Fifa-Kongress beginnen Bilderstrecke

          Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier verlangte von der Fifa volle Aufklärung über den jüngsten Korruptionsskandal. „Korruption vergiftet die Politik und vergiftet den Sport“, sagte Steinmeier der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag bei einem Besuch in Lissabon. „Fair Play ist die wichtigste Regel des Sports und ein Wert, der weit über die Welt des Sports hinausstrahlt. Wenn der Fußball Vorbild sein soll, tut Aufklärung Not.“ Falls die „Selbstreinigungskräfte“ des Sports nicht ausreichten, müssten dies auch staatliche Stellen übernehmen.

          Die britische Regierung von Premierminister David Cameron fordert den Rücktritt von Blatter. Der Premier schließe sich der Kritik seines Sportministers John Whittingdale an, sagte sein Sprecher am Donnerstag in London. Die Regierung unterstütze - wie auch der englische Fußballverband FA - die Gegenkandidatur von Prinz Ali bin al-Hussein. Rufe der britischen Boulevardpresse, die nächste Weltmeisterschaft solle in England stattfinden, schloss sich der Sprecher nicht an. Der Fokus müsse nun auf den Ermittlungen und Reformen des Verbands liegen. England hatte sich um die WM 2018 beworben. Sportminister Whittingdale hatte im Parlament gesagt, Regierung und FA müssten über die Möglichkeit sprechen, sich aus der Fifa zurückzuziehen.

          Der südafrikanische Fußballverband wies unterdessen Bestechungsvorwürfe im Zusammenhang mit der Vergabe der Weltmeisterschaft 2010 entschieden zurück. Dem amerikanischen Justizministerium zufolge soll Südafrika den Weltverband Fifa mit zehn Millionen US-Dollar bestochen haben, um den Zuschlag für die Austragung des Turniers zu bekommen. Der Fußballverband SAFA betonte am Donnerstag, alles sei strikt nach den Regeln abgelaufen. „Wir weisen die Vorwürfe zurück“, sagte Sprecher Dominic Chimhavi der Deutschen Presse-Agentur.

          „Die Bewerbung wurde von Menschen höchster Integrität gemacht, darunter der verstorbene Nelson Mandela und (der frühere Präsident) Thabo Mbeki“, sagte Chimhavi. Es sei eine ehrenhafte Bewerbung gewesen. Amerikanischen Justizbehörden zufolge wurde das Bestechungsgeld aus Südafrika dem damaligen Fifa-Vizepräsidenten Jack Warner übergeben. Der aus Trinidad und Tobago stammende Funktionär ist von den amerikanischen im Rahmen des Fifa-Bestechungsskandals als einer von insgesamt 14 Verdächtigen benannt worden. Warner beteuert seine Unschuld.

          Wegen des Korruptionsskandals will eine niederländische Zeitung derweil Anzeigen von Fifa-Sponsoren boykottieren. Die Firmen müssten ihre Macht einsetzen, um die Korruption in der Fifa zu beenden, erklärte der Chefredakteur des „Nederlands Dagblad“, Sjirk Kuijper, am Donnerstag im niederländischen Radio. Die Zeitung rief auch die Leser zum Boykott von Firmen wie Coca Cola, McDonald’s, Adidas, Visa, Hyundai, Kia, Budweiser und Sony auf. „Die einzige Sprache, die diese Organisationen verstehen, ist Geld, und das Geld kommt von uns“, sagte der Chefredakteur. Das streng-protestantische Blatt hat eine Auflage von rund 20.000 Exemplaren.

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