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Bayerns Weihnachtsbotschaft : Wir können es besser!

Spanischer Jubel in rot-weiß: Thiago und Alonso treffen für die Bayern gegen Leipzig Bild: Imago

Beim Sieg über Leipzig schlagen die Münchner den Emporkömmling mit dessen eigenen Mitteln. Denn neben „Mia san mia“ haben sich die Bayern inzwischen eine zweite Stärke zu Eigen gemacht.

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          Andere senden Weihnachtskarten. Die Bayern senden Weihnachtsbotschaften. Die Botschaft an alle Emporkömmlinge der Liga beim 3:0-Sieg gegen den jüngsten Verfolger hieß wie eine Filmkomödie aus der Zeit, als RB Leipzig noch gar nicht existierte: Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft. Die zweite Botschaft, die an den aus Münchner Sicht einzigen ernsthaften Konkurrenten, fiel ganz kurz aus: zwölf Punkte.

          So groß ist der Vorsprung vor Borussia Dortmund, größer als er letzte Saison je war. Und die dritte Botschaft ging an die Konkurrenz aus anderen Ligen, vor allem „Richtung England“, wie Karl-Heinz Rummenigge sagte: „Dass Spieler, die für uns wichtig sind, nicht abwandern“. Sie wurde durch die vielen Vertragsverlängerungen der letzten Monate versendet – also dadurch, dass die Bayern „genug Euros auf den Tisch“ legten, so der Vorstands-Chef. Eine ihrer Kernkompetenzen.

          Fette letzte sieben Jahre

          Seit einem halben Jahrhundert gehören sie fast immer zur Spitze der Bundesliga. Aber noch nie geschah das mit solcher Konstanz und Penetranz wie in den letzten sechs, sieben Jahren. Nimmt man den Durchhänger in der Endphase von Louis van Gaal aus, der im Frühjahr 2011 fast die Teilnahme an der Champions League kostete, haben die Bayern in diesem Jahrzehnt in jeder Saison bis zum Ende um alle Titel mitgespielt. Die Bilanz der letzten fetten sieben Jahre: fünf Meisterschaften, vier Pokalsiege, ein Champions-League-Triumph, zwei weitere Finals, drei weitere Halbfinals.

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          Die eine Stärke der Bayern hinter dieser Erfolgskonstanz ist eine uralte: die, nur auf sich selber zu schauen – das „Mia san mia“, das Starksein, wenn es zählt. Die Leipziger, die das noch nicht kannten, kennen es seit Mittwoch. Die andere, erst in den vergangenen Jahren erlernt, aber ebenso wichtig: die Fähigkeit, auf die anderen zu schauen. Und die Stärken derer, die die Bayern ärgern, zu adaptieren.

          Früher holte Uli Hoeneß gern Spieler zu den Bayern, die gegen die Bayern imponiert hatten. Diese Art von Eignungstest funktioniert immer noch, sie lotsten aus Dortmund Robert Lewandowski weg, sie werben in Hoffenheim um Niklas Süle. Doch ist man in München heute auch bereit, taktische Stärken anderer zu seinen eigenen zu machen, zu lernen, das eigene Repertoire zu erweitern. Die Leipziger überraschte man vor dem Tor zum 2:0 mit deren eigenen Mitteln, mit Pressing.

          So agiert der FC Bayern wie ein moderner Großkonzern, der sich auf gewachsene Marktmacht und Markenstärke stützen, aber nicht verlassen kann. Er muss auch die Ideen der Konkurrenz studieren. Und sie, wenn es ihm nützt, kopieren. Die Botschaft der Bayern an alle Herausforderer lautet: Auch das können wir besser.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

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