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Havertz’ Wechsel zu Chelsea : „Ein Abschluss wie Ballack, schlau wie Busquets“

  • Aktualisiert am

Bald in blau statt rot: Kai Havertz wechselt zum FC Chelsea. Bild: Reuters

Er ist nun der teuerste deutsche Spieler und der Bundesliga. 100 Millionen Euro lässt sich der FC Chelsea offenbar Kai Havertz kosten. In Leverkusen wollen sie das Geld in mehrere Spieler stecken.

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          „Kia“ Havertz? Nach dem peinlichen Schreibfehler bei der Präsentation von 100-Millionen-Euro-Mann Kai Havertz brachen Hohn und Spott über den FC Chelsea herein. „Ich kann es kaum erwarten, bis Kia Havertz neben Honda Ziyech, Chevrolet Pulisic und Tesla Werner spielt“, schrieb jemand bei Twitter. Doch das Wortspiel mit den Automarken zeigte auch: Trotz seiner astronomisch hohen Ablöse muss sich Havertz unter all den Topstars in der Premier League erst einen Namen machen.

          Die großen Schlagzeilen der Zeitungen auf den Sport vorbehaltenen „backpages“ gehörten am Samstag anderen, Havertz fand sich nur im Meldungsbereich. Wenn überhaupt. Die BBC fragte: „Wer ist Kai Havertz?“ Die Antwort klang immerhin verheißungsvoll: „Der neue Michael Ballack und künftige Superstar“, kurz: ein „German wunderkind“. Die „Times“ kam nach ihrer Spurensuche bei Weggefährten und Entdeckern zu einer ähnlichen Erkenntnis: „Ein Abschluss wie Ballack, schlau wie Busquets.“

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          Havertz wird's egal sein. Für den bescheidenen Jungen aus Aachen ist der Sprung über den Kanal nach London eine große Sache. Noch am späten Freitagabend nach der Bestätigung des Wechsels veröffentlichte der Verein von Trainer Frank Lampard ein Interview mit Havertz. „Chelsea hat sehr große Spieler und ich bin sehr glücklich und stolz, hier zu sein. Für mich wird ein Traum wahr, in einem großen Verein zu spielen. Sie wollen Titel gewinnen. Und ich will mein Bestes geben, damit wir die Ziele erreichen können“, sagte er brav. Havertz betonte, dass Spielerlegende Lampard ein wichtiger Faktor für die Entscheidung für die Blues war, bei denen einst in Michael Ballack, mit dem Havertz oft verglichen wird, einer seiner prominenten Bayer-Vorgänger seine große Karriere fortgesetzt hatte. Er habe Lampard „als Spieler geliebt und sehr oft beobachtet“, sagte Havertz. Nun sei dieser sein Trainer: „Ich denke, er ist ein sehr bescheidener Mensch und ein großartiger Kerl. Ich kann es kaum abwarten, von ihm zu lernen und mit ihm zusammenzuarbeiten.“

          Schmackhaft machten die Blues ihm den Wechsel sicher auch mit seinem künftigen Verdienst. Laut „Sun“ soll er mit 310.000 Pfund/Woche (rund 350.000 Euro) künftig Chelseas Topverdiener werden – mit Abstand. Zum Vergleich: Timo Werner soll dort 170.000 Pfund einstreichen, Weltmeister Oliver Giroud fast schon läppische 110.000. Havertz, glauben sie in London, ist jeden Penny wert. „Kai ist einer der besten Spieler seines Alters im Weltfußball“, sagte Klubdirektorin Marina Granovskaia, „er ist ein aufregendes, dynamisches Talent.“ Teammanager Frank Lampard plant das größte Versprechen des deutschen Fußballs als Nummer zehn im 4-2-3-1 oder Achter im 4-3-3 ein. So oder so, Havertz werde „Dreh- und Angelpunkt“ der neuen Chelsea-Offensive sein, prophezeite die BBC.

          Havertz, unterstrich Oliver Bierhoff, „gehört die Zukunft – im Verein wie in der Nationalmannschaft“. Der DFB-Direktor bezeichnete den Wechsel als „Auszeichnung und Anerkennung“ für den deutschen Fußball. Von der Erfahrung, die Havertz, Werner und Co. im Ausland sammelten, könne „auch die Nationalmannschaft profitieren“.

          Leverkusens Geschäftsführer Rudi Völler verabschiedete Havertz mit den besten Wünschen auf die Insel. Der verlorene Sohn sei „schon jetzt Weltklasse, mit Sicherheit einer der Besten, die jemals für Bayer 04 gespielt haben“, sagte er. Havertz werde „auch in der extrem fordernden englischen Liga beweisen, welch großartiger Fußballer er ist“, prophezeite der ehemalige Nationalspieler- und trainer. Nicht anders sieht es Sportdirektor Simon Rolfes, der nun immerhin mit einigen Millionen im Gepäck einkaufen gehen kann.  Chelsea hat nach Bayer-Angaben die Transferbedingungen akzeptiert. Dem Vernehmen nach liegt das Gesamtvolumen des Mega-Deals bei 100 Millionen Euro. Havertz ist nun der teuerste deutsche Spieler der Bundesliga-Historie.

          Während der Ausnahmekicker sich auf den Saisonstart am 14. September in Brighton vorbereitet, fahnden die Bayer-Verantwortlichen also fieberhaft nach Ersatz. Trainer Peter Bosz will den Verlust „mit mehreren Spielern auffangen“. Die Verpflichtung des ehemaligen Leipzigers Patrik Schick (AS Rom) steht unmittelbar bevor. Havertz' emotionale Abschiedsbotschaft nahmen sie in Leverkusen mit Wehmut, aber auch ein bisschen Stolz auf. „Es tut mir leid, dass ich mich nach so vielen Jahren auf diese Weise verabschieden muss“, sagte er, „ich werde Bayer 04 für immer verbunden bleiben. Wir sehen uns wieder.“ Aber jetzt sei es an der Zeit gewesen, „etwas Neues zu beginnen“.

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