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Neuordnung der Nationalelf : Wie sich die Kräfte im DFB-Team verschieben

Havertz, der jugendliche Chefstratege, erklärte frank und frei, warum er sich auf der Position des „Zehners“ am wohlsten fühle, „auch im Verein“ übrigens: weil er dort besonders gut ins Spiel eingebunden sei und „andere glänzen lassen“ könne. Er tat das zur Genüge, auch weil er bestens mit Gnabry harmonierte, dem Mann, der eigentlich lieber auf den Flügeln unterwegs ist, für Joachim Löw aber derzeit in zentraler Rolle „am besten“ zur Geltung kommt. Gnabry, so sein Münchner Klubkollege Kimmich, sei einer, der im Spielaufbau entgegenkomme, mit den Bällen etwas anzufangen wisse, dabei eine „brutale Dynamik“ und ein „sehr gutes Gefühl für den Raum“ habe. Zu sehen etwa beim 1:0, das Sané leichtfiel nach Vorarbeit von Kehrer und Gnabry, es war zugleich, nach einigem Anlauf, Sanés erstes Tor für das Nationalteam (8. Minute). Nach dem 2:0 durch Niklas Süle (25.), dem nach einem Eckstoß der Ball vor die Füße fiel, zeigte Gnabry dann nach Vorlage von Havertz noch, dass er neben den von Kimmich erwähnten Tugenden auch einen brutalen Abschluss besitzt (40.).


Über diesen Gnabry hatte Löw am Vortag gesagt, dass er schon 2014 einer der WM-Kandidaten gewesen, danach aber von Verletzungen aufgehalten worden sei. Das traf zu, es fügte sich aber andererseits auch ein in eine Erzählung, die der Bundestrainer – und nicht nur er – schon seit einiger Zeit unter die Leute zu bringen versucht: in der selbstverständlich er Herr des Prozesses ist, was gerade in und mit dem Nationalteam geschieht. Und schon immer war. Auch Reinhard Grindel sah den Bundestrainer in Leipzig auf dem Weg zu einer vorbildlichen Planerfüllung. „Wir wussten, es gibt nach der WM einen Umbruch, dieses Gesicht der neuen Mannschaft, die die Qualifikation bestehen muss, entwickelt sich jetzt“, sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes. „Genau so haben wir uns das vorgestellt.“ Inwieweit auch das 0:3 in de Niederlanden zu diesem ausgeklügelten Plan gehört haben könnte, ließ Grindel indes unerwähnt. Dabei waren es doch nach einer anderen Lesart erst jene 90 Minuten von Amsterdam, die das schafften, was vier bleierne Halbzeiten bei der WM und eine zweimonatige Analyse nicht vermocht hatten: auch dem Bundestrainer zu zeigen, dass es so wie vor und in Russland nicht weitergeht.

Fragt sich also, wie nun die Fortsetzung dieser märchenhaften Geschichte aussehen wird. Eigentlich könnte Löw einfach da anknüpfen, wo er in Paris beim 1:2 gegen Frankreich angefangen und jetzt in Leipzig weitergemacht hat. Um seinen Job muss er sich aktuell keine Sorgen (mehr) machen. Zudem hatte er deutlich gemacht, dass ihn nicht nur ein Abstieg in der Nations League mehr oder weniger kaltlasse, sondern auch die Frage, ob sein Team als Gruppenkopf in die EM-Qualifikation geht oder nicht. Spricht alles für die Fortsetzung eines mutigen Kurses, eigentlich. Es sei denn, man wollte unbedingt zeigen, wer hier Herr des Prozesses ist.

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