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Bis in die Oberliga : Der Domino-Effekt im deutschen Fußball

Von Augsburg nach Schalke: Markus Weinzierl gibt nun in Gelsenkirchen die Richtung vor Bild: dpa

Ein Wechsel und seine Folgen: Weil Trainer Markus Weinzierl von Augsburg zu Schalke 04 geht, gerät ein Klub aus der Oberliga zwischenzeitlich in große Not. Es ist die Folge einer neuen Entwicklung.

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          Christian Heidel könnte schon bald Post von der Elbe bekommen. Auf elektronischem Weg, versteht sich. Denn sollte der FC Schalke 04 nach seinem Sieg in der ersten DFB-Pokalrunde auch erfolgreich in die neue Bundesligasaison starten, wird sich Frank Ockens im schleswig-holsteinischen Wedel an den heimischen Computer setzen und eine E-Mail an den neuen Manager der Gelsenkirchener schreiben. „Ich würde Herrn Heidel gerne zum gelungenen Saisonstart mit Schalke gratulieren – und ihm gleichzeitig mitteilen, in was für Nöte uns sein Erfolg gebracht hat. Zumindest kurzfristig“, sagt der Unternehmer und Sportliche Leiter des in der fünften Liga spielenden Wedeler TSV. „Vielleicht bekomme ich ja eine Antwort und unser Verein fünfzig Kisten Bier oder ein Testspiel. Quasi als kleine Entschädigung.“

          Ein Bundesligaklub macht einem Verein aus der Oberliga das Leben schwer? Nun ja, zumindest indirekt. Denn mit der Verpflichtung des zuvor in Augsburg tätigen Markus Weinzierl als neuem Schalke-Trainer hat Heidel eine im deutschen Fußball noch nicht dagewesene Kettenreaktion ausgelöst, die erst fünf Spielklassen tiefer zum Stillstand gekommen ist. Eben beim Wedeler TSV:

          Trainer für nicht einmal zwei Wochen

          Weil nämlich Dirk Schuster den vakanten Posten von Weinzierl in Augsburg übernahm, kam Norbert Meier aus Bielefeld und setzte sich in Darmstadt auf den freigewordenen Trainerstuhl. Bei der Arminia bedienten sie sich daraufhin bei der SG Sonnenhof Großaspach und holten Rüdiger Rehm aus der dritten in die zweite Liga. Der Klub wurde wiederum beim Regionalligaverein SV Eichede fündig und verpflichtete Oliver Zapel, dessen Nachfolger Jörn Großkopf wurde. Und ebenjener Jörn Großkopf war zuvor – ganz genau – Trainer beim Wedeler TSV. Allerdings nicht einmal zwei Wochen.

          „Wir hatten Großkopf erst kurz zuvor vom KFC Uerdingen losgeeist. Mussten ihm aber zusichern, dass wir ihm keine Steine in den Weg legen, wenn ein höherklassiger Klub anfragt“, sagt Ockens. Dass das Angebot so schnell kommen würde, hätte der Sportliche Leiter jedoch nicht gedacht. Nach nicht einmal fünf Trainingseinheiten musste sich der Oberligaklub abermals nach einem neuen Mann an der Seitenlinie umschauen.

          Von Darmstadt nach Augsburg: Dirk Schuster Bilderstrecke

          Ein Schock, wie Ockens berichtet: „Auf diesem Niveau gibt es nicht allzu viele gute Trainer. Und die wirklich guten sind zu dem Zeitpunkt der Saisonvorbereitung alle schon gebunden.“ Nach verschiedenen gescheiterten Gesprächen mit potentiellen Kandidaten fiel die Wedeler Wahl schließlich auf den eigenen Kotrainer. Notgedrungen. „So läuft halt das Geschäft, und wir sind eben ein Teil davon. Den Letzten beißen die Hunde“, sagt Ockens.

          Das große Rücken der Trainerstühle beweist: In Sachen Geld und Glamour trennen im Fußball die oberen Amateurklassen und der Profibereich zwar weiterhin Welten, durch neue Fernsehverträge und Vermarktungsmöglichkeiten in Übersee geht die finanzielle Schere zudem immer weiter auseinander. Doch die Spielregeln der besten Klubs der Welt gelten immer mehr auch für Vereine wie den Wedeler TSV. Für Frank Ockens fängt das bei mehrtägigen Trainingslagern und bis zu fünf Trainingseinheiten in der Woche an, geht über bis ins Detail ausgearbeitete Langzeitverträge mit Freizeitfußballspielern und endet damit, dass ebenjene Vereinbarungen am Ende nicht mehr viel wert sind, sofern denn die Ablöse stimmt. Was mittlerweile sogar für Trainer gilt.

          „In unserem Bereich wird häufig schon unter mehr als semi-professionellen Bedingungen gearbeitet“, sagt Ockens. Gerade die erste Runde im DFB-Pokal – als zwei Bundesligaklubs ausschieden und weitere acht nur mit einem Tor Vorsprung oder im Elfmeterschießen gewannen – habe gezeigt, wie sehr die Amateure zum spielerischen Niveau der Profis aufgeschlossen hätten. „Das sollte vom DFB auch etwas mehr gewürdigt werden“, sagt Ockens und wünscht sich, dass nicht nur Teilnehmer am DFB-Pokal stärker an den Einnahmen beteiligt würden: „Einem FC Bayern oder dem BVB tut es nicht weh, eine Million weniger an TV-Geld zu bekommen. Aber was wir mit nur 5000 Euro mehr veranstalten könnten, wäre phantastisch.“ Auch wenn Ockens selbst daran zweifelt, dass er seinen Zwei-Wochen-Trainer mit etwas mehr Geld in der Kasse hätte zum Bleiben überreden können: „Am Ende zählt die sportliche Perspektive jedes Einzelnen, das müssen wir als Amateurverein akzeptieren.“

          Damit ist der Oberliga-Manager ganz auf der Linie seines ein paar Ligen höher agierenden Amtskollegen in Gelsenkirchen. Im Interview mit der Fachzeitschrift „11 Freunde“ hat sich Christian Heidel vor einigen Wochen für sein Vorgehen gerechtfertigt und erklärt, nur ein sehr guter Trainer könne halt aus einer durchschnittlichen Mannschaft eine gute machen: „Deshalb ist man heute eben bereit, für einen guten Trainer eine Entschädigung zu bezahlen“, sagte Heidel und entschuldigte sich bereits damals für die Lawine, die seine Weinzierl-Verpflichtung losgetreten habe – allerdings zunächst nur beim SV Eichede. Den Wedeler Schlussstein im Trainerdomino hatten sie beim FC Schalke da noch nicht fallen hören.

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