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Davor Śuker : Stillgestanden beim Faschistenführer

Am Grab des Nazi-Vasallen: Davor Suker im Jahr 1996 Bild: Index.hr

Kroatiens Fußballpräsident Davor Śuker werden nicht nur Kontakte zur Wettmafia vorgeworfen. Schon vor fast zwanzig Jahren huldigte der WM-Torschützenkönig von 1998 dem Nazi-Vasallen Pavelić an dessen Grab. Wie konnte so jemand hoher Uefa-Funktionär werden?

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          Im Fall des ehemaligen Weltklassespielers und heutigen Spitzenfunktionärs Davor Śuker aus Kroatien gerät der Europäische Fußball-Verband (Uefa) von einer Erklärungsnot in die nächste. Nach den schwerwiegenden Vorwürfen gegen den WM-Torschützenkönig von 1998, er sei in Wettbetrügereien verwickelt, müssen sich die Uefa und ihr Präsident Michel Platini nun fragen lassen, weshalb Śuker als Präsident des kroatischen Fußballverbandes Hrvatski nogometni savez (HNS) in diesem Frühjahr in den Vorstand der europäischen Organisation aufgenommen wurde, obwohl er rechtskräftig verurteilt wurde und auf Fotos am Grab des Nazi-Vasallen Ante Pavelić fotografiert wurde. Seit Jahren initiiert die Uefa teure Kampagnen, um Rassismus in Stadien zu begegnen.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Christoph Becker

          Śuker hatte als Spieler von Real Madrid 1996 das Grab des kroatischen Kriegsverbrechers und Hitler-Freundes Pavelić in Spanien besucht und dort mit einem Lächeln im Gesicht vor einer Kamera posiert. Die Bilder kamen im Jahr 2010 an die Öffentlichkeit, sie zeigen ihn in Begleitung zweier damals bekannter Schurken aus dem kroatischen Halbweltmilieu, in Madrid, am Grab des Faschistenführers Pavelic.

          „Ich habe immer für Kroatien gekämpft“

          Vierzehn Jahre später sagte Śuker der kroatischen Presse zu den Motiven: „Es ist allgemein bekannt, für was Davor Śuker steht. Ich habe immer für Kroatien gekämpft. Ich bin dort hingefahren wie andere Menschen nach Berlin oder Auschwitz fahren.“ Pavelić war als Kollaborateur und Vasall der Nazis Führer des faschistischen „Unabhängigen Staates Kroatien“ im Zweiten Weltkrieg. Die von Pavelić geführten Ustascha-Einheiten ermordeten Hunderttausende Menschen auf dem Balkan, auch in Vernichtungslagern.

          Im Jahr 2013, Śuker war bereits Präsident des HNS, hatte der frühere Berliner Profi Josip Śimunić nach der erfolgreichen WM-Qualifikation gegen Island im Maksimir-Stadion von Zagreb den Ustascha-Ruf „Za dom - spremni“ („Für das Heimatland - bereit“) angestimmt. Die Uefa sperrte Simunić daraufhin für zehn Spiele und für das WM-Turnier in Brasilien. Śuker erklärte, die Strafe entspreche den Richtlinien der Verbände hinsichtlich rassistischen Verhaltens - das Team werde nun in Brasilien für Simunić spielen.

          Die Uefa ging nicht auf die Rassismus-Vorwürfe gegen Śuker ein, sondern antwortete auf Anfrage dieser Zeitung allgemein: Alle Mitglieder des Uefa-Exekutivkomitees sowie alle Uefa-Offiziellen müssten die Ethikregeln einhalten. Es würde nicht gezögert, bei bewiesenem Fehlverhalten „harte Sanktionen“ auszusprechen. Dem europäischen Verband muss die fragwürdige Gesinnung seines Vorstandsmitglieds schon vor der Aufnahmen in sein höchstes Gremium bekannt gewesen sein.

          Der Fall stellt die Behauptung der Uefa, ernsthaft Compliance-Regeln und ethische Führungsgrundsätze zu befolgen, in Frage. Im Gegensatz zum oft kritisierten Internationalen Fußball-Verband (Fifa) verfügt die Uefa weder über eine Ethikkommission mit externem Personal, noch lässt sie die Integrität ihrer Topfunktionäre prüfen. Das wird schon länger von der Fifa eingefordert, aber von der Uefa unter Präsident Michel Platini, einem der schärfsten Kritiker von Fifa-Boss Joseph Blatter, bislang nicht umgesetzt.

          Davor Suker ist sich keiner Schuld bewusst

          Im Oktober 2011 war Śuker vom Münchener Landgericht zu einer Geldstrafe von 8000 Euro wegen Unterschlagung verurteilt worden. Er hatte nach eigenen Angaben auf einem Linienflug von Mailand nach London vier antike griechische Goldmünzen im Wert von 25 000 Euro gefunden, den Fund allerdings nicht gemeldet. „Mir war es zu blöd, jemanden zu fragen“, hatte er damals zu Protokoll gegeben, er habe sich nicht bereichern wollen. Der Wert der vier antiken griechischen Münzen sei ihm nicht bewusst gewesen. Die Unterschlagung flog auf, als die vom früheren Stürmerstar Beschenkte zu einem Münchner Antiquar ging, dem der Wert des antiken Hartgelds offenbar so gleich bewusst wurde.

          Schlechtes Licht auf die Uefa-Führung

          Die Ermittlungen der Uefa beschränken sich bisher offenbar nur auf seine angeblichen Kontakte zum verurteilten Betrüger Ante Śapina. Der „Deutschlandfunk“ hatte unter Bezug auf Ermittlungsakten der Bochumer Staatsanwaltschaft von einem regen Austausch zwischen dem Wettbetrüger Śapina und dem kroatischen Verbandspräsidenten Śuker berichtet, der durch abgehörte Telefonate und SMS dokumentiert sei. Die Uefa ist seit langem im Besitz der Bochumer Akten - Śapina wurde 2011 erstmals in diesem Zusammenhang verurteilt - und rühmte sich bislang stets der engen Zusammenarbeit mit den Ermittlern.

          Auch in diesem Zusammenhang wirft die Causa Śuker ein schlechtes Licht auf die Führung der Uefa: „Während Rassismus eine Sorge für die gesamte Öffentlichkeit ist, gefährdet der Wettbetrug den Fußball direkt“, hatte Platini 2013 gesagt - als die von Śuker bestrittenen Verbindungen bekannt gewesen sein müssten. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Wolfgang Niersbach, ließ gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit Blick auf Śukers Probleme mitteilen: „Ich würde ihm raten, sich einen Anwalt zu nehmen und die Dinge vollständig zu klären.“

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