https://www.faz.net/-gtl-9ljai

Werder-Trainer Kohfeldt : Das Verbindungsstück zum Erfolg

  • -Aktualisiert am

Der Kopf hinter dem neuen Erfolg bei Werder Bremen: Trainer Florian Kohfeldt Bild: EPA

Schon wieder einer mit „Stallgeruch“? Trotz anfänglicher Zweifel ist unter Florian Kohfeldt der Erfolg zurück nach Bremen gekehrt. Nun will Werder wieder oben mitmischen.

          2 Min.

          Es war ziemlich mühsam, Florian Kohfeldt von diesem schlauen Querpass zu begeistern. Milot Rashica hatte im Strafraum seitlich auf Max Kruse abgelegt und Kruse dadurch eine ziemlich hohe Wahrscheinlichkeit für einen Treffer beschert. Das Besondere daran war, dass der schnelle Rashica genug Platz und Zeit hatte, selbst aufs Tor zu schießen. Tat er aber nicht. Was Kohfeldt im Gespräch über das dritte Bremer Tor beim 3:1 über Mainz 05 gerade noch zuließ, war, Rashicas Entwicklung zu würdigen – als ballverliebter Stürmer war der Sieben-Millionen-Euro-Einkauf Anfang 2018 zu Werder gekommen. Inzwischen speist Rashica seine Ideen ins Bremer System ein.

          Dass es nun aber eine große Leistung war, abzuspielen, statt selbst zu schießen, ließ Kohfeldt nicht gelten: „Er wusste, dass Max da war. Wir trainieren das jeden Tag: Positionen halten.“ Also musste Rashica bei diesem Tempo-Angriff gar nicht schauen, ob jemand mitgelaufen war? Kohfeldt entgeistert: „Natürlich nicht, dafür trainieren wir doch.“ Der 36-Jährige hat nichts gegen Heldentaten Einzelner. Oft genug entscheiden sie enge Duelle. Doch Kohfeldt möchte Zufälle in seinem Fußball, so gut es geht, ausradieren. Rashica weiß also, wo Kruse ist. Das soll auch an diesem Mittwoch im Pokal-Viertelfinale auf Schalke (am Mittwoch um 20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal und bei Sky) zum Erfolg führen.

          Die etwa 15 Minuten des freien Gesprächs nach den Pressekonferenzen haben bei Werder ihren besonderen Reiz. Kohfeldt lässt sich auf eine Auseinandersetzung mit dem Spiel ein, die es anderswo nicht mehr gibt oder in Floskeln erstarrt. Angenehme Umgangsformen reichen natürlich nicht, um zum DFB-Trainer des Jahres 2018 gewählt zu werden. „Florian Kohfeldt ist unser Missing Link“, sagt Klaus Filbry, der Vorsitzende der Geschäftsführung. Das fehlende Stück auf dem Weg zu neuem Ruhm hat Frank Baumann entdeckt. Wie gewohnt wählt der Geschäftsführer Sport nicht viele Worte, wenn er von Kohfeldts Inthronisierung im November 2017 erzählt. „Ich war total von ihm überzeugt“, sagt Baumann.

          Mit Kohfeldt zurück in den Europacup?

          Andere Verantwortliche mussten erst breitgeschlagen werden, dass es nach Viktor Skripnik und Alexander Nouri wieder einer aus dem eigenen Stall sein musste. Kohfeldt hatte bei Werder im Nachwuchs und die U23 trainiert. Schon als Skripniks Assistent hieß es, für alle taktischen Einfälle sei Kohfeldt zuständig. Akribisch in der Analyse und klar im Erkennen von Stärken und Schwächen, war Kohfeldt der Gewinner der am Ende tristen Zeit mit Skripnik. Baumann hatte seinen künftigen Cheftrainer gefunden, und als nach Nouri der Platz frei wurde, setzte er den Nobody durch.

          Kohfeldt stammt aus Delmenhorst, ist in Bremen sozialisiert, hat in Werders dritter Mannschaft im Tor gespielt, ist den Bremer Weg schon ein gutes Stück mitgegangen. Nun hat er die Möglichkeit, die Richtung zu bestimmen – Kohfeldt verdeutlicht immer wieder, wie viel ihm das bedeutet. Die Kabine hat er schnell für sich gewonnen. Im Spätherbst 2017 saßen da noch Kruse und Thomas Delaney, denen der Coach anmerkte, dass sie sich einen erfahrenen Bestimmer gewünscht hatten. Gegen anfängliche Zweifel in der Mannschaft setzte er sich durch, indem er die schon unter Nouri ordentliche Defensive beließ, aber den Stürmern viel mehr Ballkontakte verschaffte. Er brachte das Team ins Gleichgewicht. Werder wurde nach schlimmer Vorrunde Elfter.

          Im letzten Sommer heckten Kohfeldt und Baumann dann die neue Strategie aus: Werder soll zurück in den Europacup. Kohfeldt verlangt Mut von seinem Team, „Haltung“ nennt er das. Auch in München, Leipzig oder Dortmund sieht man nun eine grünweiße Mannschaft, die unverzagt spielt. Interessant ist dabei die hinzugewonnene taktische Variabilität. Im Ballbesitz-Stil hakt es noch häufig. Werder überließ Mainz am Samstag phasenweise das Spiel, um kontern zu können, was über Kruse und Rashica sehr aussichtsreich ist. Siege gegen Kleinere wie Mainz 05 sind für Kohfeldt Gradmesser des Erwachsenwerdens, denn er möchte mehr als eine „Highlight-Mannschaft“, die alle paar Wochen Ausrufezeichen setzt. Dabei kann er sich auf eines verlassen: Werder hat in jedem Spiel dieser Saison mindestens ein Tor geschossen.

          Weitere Themen

          Wellenreiten für zwischendurch Video-Seite öffnen

          Lagerhalle in Berlin : Wellenreiten für zwischendurch

          Wellenhöhe wie auch Wasser-Fließgeschwindigkeit lassen sich individuell an die Bedürfnisse des Wellenreiters anpassen. Für Anfänger steht zusätzlich eine Haltestange bereit, bis zu sechs Neulinge können gleichzeitig üben.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.