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Europas Fußball und Corona : Spielen lassen oder nicht spielen lassen?

  • Aktualisiert am

Letztlich nur Spielfiguren der Politik: Fußballspieler. Bild: dpa

In Frankreich und den Niederlanden ist die Fußball-Saison abgebrochen. In anderen Ligen sollen Geisterspiele möglich sein. Und die Schweden machen es ganz anders.

          3 Min.

          Die Lage im europäischen Fußball bleibt unübersichtlich. In einigen Ländern werden Maßnahmen gelockert, in anderen Nationen wurden bereits Fakten geschaffen: In den Niederlanden und Frankreich ist die Saison vorzeitig beendet. Andere Ligen in Europa suchen weiter nach Lösungen für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs. Eine Übersicht zum Stand der Dinge Anfang Mai.

          England: Die englische Premier League beschloss am Freitag mit großer Mehrheit, bei politischer Zustimmung die Saison zu Ende spielen zu wollen. Dabei sollen nach Medienberichten die verbleibenden 92 Spiele ohne Zuschauer in bis zu zehn neutralen Stadien ausgespielt werden, die sich abseits der großen Ballungszentren befinden. Ein Neustart soll am 8. Juni geplant sein, Mannschaftstraining soll ab dem 18. Mai wieder möglich sein. Bis Ende Juli soll gespielt werden, um nicht mit den Plänen der Europäischen Fußball-Union (Uefa) bezüglich der Champions League und Europa League zu kollidieren. Der FC Liverpool mit Teammanager Jürgen Klopp ist souveräner Tabellenführer.

          Spanien: Der spanische Fußball wagt ab Montag einen kleinen Schritt zurück in die Normalität. Ministerpräsident Pedro Sanchez teilte zusammen mit weiteren Lockerungsmaßnahmen im Zuge der Corona-Pandemie mit, dass individuelle Trainingseinheiten für die Profiklubs wieder gestattet seien. Mannschaftstraining ist davon ausgeschlossen. Der Spielbetrieb in der Primera Division ruht seit dem 12. März. Liga-Chef Javier Tebas will die Meisterschaft unbedingt zu Ende spielen, um die überlebenswichtigen TV-Einnahmen zu retten.

          Italien: Die Serie A pausiert seit dem 9. März, zwölf Spieltage fehlen noch bis zum Ende der Meisterschaft. Ab kommenden Montag ist bei den Vereinen, die sich einstimmig für eine Fortsetzung ausgesprochen haben, individuelles Training wieder zugelassen. Das Gruppentraining dürfen die Klubs erst ab dem 18. Mai wieder aufnehmen. Die Frist für das Saisonende wurde vorsorglich bereits verlängert. Statt bis zum 30. Juni muss die Spielzeit nun erst am 2. August beendet sein. Voraussetzung für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs ist ein Protokoll für die Sicherheit der Spieler. „Ansonsten wird die Regierung gezwungen sein, die Meisterschaft zu beenden“, sagte Sportminister Vincenzo Spadafora.

          Frankreich: Die Ligue 1 hat als erste der europäische Topliga die Reißleine gezogen und die Saison vorzeitig abgebrochen. Der Ligaverband LFP hatte am Donnerstag nach einer stundenlangen Sitzung mitgeteilt, dass die Spielzeit mit sofortiger Wirkung beendet sei und die Abschlusstabelle anhand des Punktedurchschnitts der einzelnen Teams ermittelt werde. Tabellenführer Paris St. Germain mit dem deutschen Trainer Thomas Tuchel wurde entsprechend zum Meister erklärt, mit dem SC Amiens und dem FC Toulouse müssen die beiden letztplatzierten Teams absteigen. Amiens will rechtliche Schritte gegen den Abstieg prüfen.

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          Niederlande: Auch der niederländische Verband KNVB hat Klarheit geschaffen und die Saison abgebrochen. Ein Meister wurde nicht gekürt. Rekordmeister und Tabellenführer Ajax Amsterdam muss auf seinen 35. Titel warten. Absteiger aus der Eredivisie wird es genauso wie Aufsteiger aus der 2. Liga nicht geben. Dem Verband steht nun allerdings eine Klagewelle bevor. Widerstand regt sich vor allem beim Tabellenzweiten AZ Alkmaar, bei Pokalfinalist FC Utrecht sowie die beiden Topklubs der Eerste Divisie, denen der mögliche Aufstieg verwehrt wurde.

          Belgien: Die finale Entscheidung über ein vorzeitiges Saisonende wurde zuletzt mehrmals vertagt. Die Abstimmung soll nun am 15. Mai erfolgen. Eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs scheint unmöglich, da die belgische Regierung alle Massenveranstaltungen bis zum 31. August verboten hat und laut Verbandsaussagen für ein Spiel selbst hinter verschlossenen Türen mindestens 400 Personen benötigt würden.

          Schweden: Die Eliteliga Allsvenskan will auch im Fußball einen Sonderweg gehen und ab 14. Juni die Meisterschaft starten - mit Zuschauern.

          Österreich: Die Klubs trainieren wieder, Geisterspiele sind nicht ausgeschlossen. Bis zum 31. Juli können Spiele der aktuell unterbrochenen Saison noch ausgetragen werden. In der österreichischen Bundesliga stehen noch jeweils zehn Spieltage in der Meister- und Qualifikationsgruppe, das drei Spieltage umfassende Europa-League-Play-off sowie das Pokalfinale zwischen Meister Red Bull Salzburg und dem Zweitligisten Austria Lustenau aus.

          Schweiz: Die Schweizer Regierung kündigte zuletzt eine Lockerung der Lockdown-Maßnahmen an. Ab 8. Juni sind Geisterspiele im Profifußball wieder möglich, das Training kann ab 11. Mai wieder aufgenommen werden. In der Super League stehen noch 13 Spieltage aus. Der Spielbetrieb im Amateurfußball unterhalb der 2. Liga wurde hingegen bereits abgebrochen.

          Weißrussland: Dort startete die Liga am 20. März. Die Spiele finden auf Anweisung des Staatspräsidenten Alexander Lukaschenko vor Publikum statt. Die Weltgesundheitsorganisation warnte ausdrücklich davor.

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