https://www.faz.net/-gtl-a9mx7
Bildbeschreibung einblenden

Corona und die DFB-Elf : Das Löw’sche Nominierungspuzzle

Muss bei seinen Nominierungen die Corona-Lage in den Ländern immer im Hinterkopf haben: Joachim Löw. Bild: dpa

Es wird unübersichtlich. Wen Joachim Löw für die anstehenden Länderspiele nominiert, entscheidet nicht mehr nur der Bundestrainer. Andere Nationalteams müssen gleich auf alle Bundesligaprofis verzichten.

  • Aktualisiert am
          2 Min.

          Joachim Löw schaut dieser Tage gespannt auf die Experten vom Auswärtigen Amt, Gesundheits- und Innenministerium. Wenn der scheidende Bundestrainer am Freitag zum vorletzten Mal einen Nationalmannschaftskader nominieren wird, sprechen die Fachleute indirekt ein gewichtiges Wörtchen mit. Denn sie bestimmen darüber, welche Länder als sogenannte Virusvarianten-Gebiete eingestuft werden – und damit, ob Löw seine fünf England-Legionäre um Ilkay Gündogan für den Start der WM-Qualifikation berufen kann.

          Aktuell stünden der Profi von Manchester City, das Chelsea-Trio Timo Werner, Kai Havertz und Antonio Rüdiger sowie Arsenal-Torwart Bernd Leno höchstens für das Auswärtsspiel in Rumänien am 28. März zur Verfügung. Die Voraussetzung dafür, um dort in die DFB-Blase einzutreten, wären zwei bis drei weitere, negative Tests. Für die Heimspiele in Duisburg gegen Island (25.) und Nordmazedonien (31.) fiele das Quintett wegen der aktuell gültigen Quarantäne-Anordnung aus – weil das Vereinigte Königreich als Mutanten-Gebiet gilt.

          Heimspiele verlegen?

          Um die Quarantäne-Regelung zu umgehen, hätte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) seine Heimspiele auch verlegen und an einem neutralen Ort austragen können. Andere Verbände tun dies, auch im Europacup ist dieses Modell gängig wie in der Champions League mit dem Spielort Budapest. Der DFB lehnte es für die März-Spiele jedoch ab, weil er der Diskussion um eine mögliche Sonderrolle des Fußballs nicht weiteren Vorschub leisten möchte.

          Die ist längst voll entbrannt – und erhält mit der WM-Quali neue Nahrung. Namhafte Trainer wie Jürgen Klopp vom englischen Meister FC Liverpool oder Gündogans Teammanager Pep Guardiola haben bereits angekündigt, die Abstellung ihrer Spieler zu verweigern, sollten sie nach ihrer Rückkehr in Quarantäne müssen. Bei fünf oder mehr Tagen lässt der Weltverband Fifa dies ausdrücklich zu.

          F.A.Z. Newsletter Coronavirus

          Täglich um 12.30 Uhr

          ANMELDEN

          „Es wird in der ganzen Bundesliga darüber nachgedacht, Spieler eventuell nicht abzustellen“, sagte Frankfurts Trainer Adi Hütter und betonte: „Grundsätzlich finde ich es nicht gerade intelligent, dass man diese Spiele austrägt.“ Bereits bei den Länderspielen im vergangenen Jahr hatte es in der Bundesliga zahlreiche Corona-Fälle gegeben. Die Infektionen der Hoffenheimer Andrej Kramaric und Kasim Adams, der Leipziger Amadou Haidara und Hee-chan Hwang, von Leverkusens Edmond Tapsoba sowie von Wolfsburgs Marin Pongracic wurden direkt mit Länderspiel-Reisen im Oktober und November in Verbindung gebracht.

          Die Verbände suchen dennoch nach Schlupflöchern, wollen ihre Partien unbedingt austragen – wie es die Vereine im Europacup vorgemacht haben. So spielt Europameister Portugal „zu Hause“ in Turin gegen Aserbaidschan. Schottland dagegen bestand für das Spiel gegen Österreich auf seinem Heimrecht, weswegen das Team von Trainer Franco Foda nun ohne seine Bundesligaprofis wie etwa David Alaba (Bayern München) und Marcel Sabitzer (RB Leipzig) auskommen muss.

          Auch Tschechien und die Slowakei, die ebenfalls auf der Virusvarianten-Liste stehen, bauen auf Entgegenkommen, müssen aber wohl zumindest bei ihren Heimspielen auf Spieler wie Vladimir Darida (Hertha BSC) oder Ondrej Duda (1. FC Köln) verzichten. Norwegen kämpft um Erling Haaland, der im „britischen Überseegebiet“ Gibraltar spielen sollen. Der südamerikanische Verband hörte dagegen auf die Warnungen von Klopp & Co. Er sagte bereits kurz entschlossen alle Spiele ab.

          Weitere Themen

          „Hat sich nicht viel getan“

          Asarenka zum Fall Peng Shuai : „Hat sich nicht viel getan“

          Die Belarussin Victoria Asarenka fordert weiter Aufklärung im Fall der chinesischen Tennisspielerin Peng Shuai. Sie hoffe, dass ein persönlicher Kontakt zu ihr bald möglich sei. „Das ist das Hauptziel im Moment.“

          Topmeldungen

          Auf dass die Kurse steigen mögen: der Bulle als Symbol für den Aufwärtstrend an der Börse.

          Hohes Risiko : Die Lieblingsaktien der Deutschen

          Biontech, Tesla, Curevac – die Privatanleger hierzulande stecken ihr Geld am liebsten in gewagte Investments. Nicht immer ist ihnen das Glück dabei hold.
          Sie sieht das Ansteckungsrisiko auch für Dreifachgeimpfte: Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek

          Virologin Ciesek warnt : „Ansteckungsrisiko so hoch wie nie“

          Die Infektionszahlen sind so hoch wie nie. Die Gefahr einer Ansteckung rückt damit näher, warnt die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek. Doch die neuen Quarantäneregeln für Geboosterte passen nicht dazu.