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Wettskandal : Geselligkeit, Glaube, Gier

Ante Sapina (r., mit Verteidiger): Immer noch so gar nicht finster Bild: dapd

Ante Sapina entdeckte schon als Teenager sein Talent für Sportwetten. Damals ging es um 30 Mark. Später um Hunderttausende. Jetzt steht er wieder vor Gericht.

          Er sei, hat der Angeklagte einmal über sich geschrieben, ein sehr geselliger Mensch. Damals, 2005, saß Ante Sapina in Untersuchungshaft in Berlin-Moabit, er bat um geänderte Haftbedingungen. Heute sitzt Sapina wieder in U-Haft, seit vergangenem Montag läuft in Bochum der Prozess gegen ihn und fünf weitere mutmaßliche Wettbetrüger. In 43 Fällen im größten bekannten europäischen Wettskandal soll Sapina seine Hände im Spiel gehabt haben. In Ligen vom Balkan bis nach Belgien und in nahezu allen, die dazwischen liegen; dazu geografische Ausreißer und internationale Spiele bis hoch in die WM-Qualifikation. Er ist der große Name, die Staatsanwaltschaft hält ihn für den Kopf der Betrügerbande in diesem Verfahren, gegen dessen Dimension der Hoyzer-Skandal von 2005, der eigentlich ja ein Sapina-Skandal war, beinahe provinziell wirkt. Aus der damaligen Zeit stammt Sapinas Selbstbeschreibung als sozialer Mensch.

          Wer ihn nun vor Gericht erlebt, wird glauben, dass sie auch heute noch gilt. Es mag andere Gestalten unter den Angeklagten in Bochum geben - Sapina jedenfalls wirkt noch immer so gar nicht finster. Vom Richter angesprochen auf die Hoyzer-Zeit und gefragt, was er sich denn gegönnt habe von seinen Wettgewinnen, sagt Sapina am vergangenen Donnerstag: „Einen Porsche - aber der gehört jetzt der Staatsanwaltschaft.“ Das Publikum lacht, Sapina freut sich.

          Zur Geselligkeit kommt der Glaube. Die Sapinas bevorzugten eine Zeitlang die Buchstabenkombination B - OG an ihren Autos, und Bog, das heißt auf Kroatisch Gott. Der Katholik Sapina legt Wert auf die Messe, auch unter den abermals erschwerten Lebensumständen. Beim dritten G schließlich, dafür sprechen Sapinas bisherige Aussagen, beim dritten G kommt man um die Gier wohl nicht herum. Die Gier hat Sapina schon vor Hoyzer zum reichen Mann gemacht, sie hat ihn dann ins Gefängnis gebracht, soll ihm anschließend wieder Millionen beschert haben und hat ihm nun, im Alter von gerade einmal 35 Jahren, den Weg über die U-Haft zurück auf die Anklagebank gepflastert.

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          Der junge Ante glaubt an sein Glück

          Geselligkeit, Glaube, Gier. Vielleicht sind es diese Eigenschaften, die, ganz nüchtern betrachtet, dafür sorgen, dass Ante Sapina sehr gut bei dem ist, was er seit seiner Teenagerzeit getan hat. Geboren in Duisburg als jüngster von drei Söhnen kroatischer Einwanderer, der Vater starb 1988, die Sapinas zogen nach Berlin. In der Schule fällt Antes mathematische Begabung auf, und Ante entdeckt irgendwann die Sportwetten. „Mit 14, 15 habe ich Briefwetten nach Irland geschickt“, sagt Sapina. 30 Mark waren in den Umschlägen. Angesichts der Summen, um die es später geht, ist das lächerlich wenig Geld, aber für einen Schüler sind 30 Mark nicht zu verachten, vor allem, wenn er auf nicht viel mehr als sein Glück vertrauen kann.

          Doch der junge Ante glaubt an sein Glück, und als er sich näher mit den Wetten beschäftigt, kommt ihm das mathematische Talent zugute. Er studiert die Quoten, das Internet macht es möglich, erarbeitet sich ein ums andere Mal Wissensvorsprung gegenüber den deutschen Wettanbietern. Die Los Angeles Lakers spielen - aber ohne Kobe Bryant? Sapina wusste es, die Wettanbieter nicht, jedenfalls passten sie ihre Quote nicht an. Die Sache ist erstaunlich einfach und läuft erstaunlich gut. In einem Wettautomaten in der Knesebeckstraße gewinnt er 1999 76.000 Euro, 50.000 setzt er umgehend auf den deutschen Fußballmeister des Jahres 2000. Am 20. Mai 2000, dem letzten Spieltag der Saison, schlägt die Spielvereinigung Unterhaching Bayer Leverkusen 2:0. Nicht Leverkusen, sondern Bayern München ist dadurch deutscher Meister und Ante Sapina um 100.000 Euro reicher. Er nennt das später „seinen Durchbruch“. Zu dieser Zeit ist er noch als VWL-Student an der Uni eingeschrieben, seinen Beruf aber hat er spätestens jetzt gefunden.

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