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Wettskandal : Die Chronologie im Fall Hoyzer

  • Aktualisiert am

Entscheidungen für die Wettmafia Bild: REUTERS

Mit dem Urteil des Bundesgerichtshofs in Leipzig findet der Wett- und Manipulationsskandal um den ehemaligen Fußballschiedsrichter Robert Hoyzer sein Ende. Eine Chronologie.

          3 Min.

          Die Chronologie des Wett- und Manipulationsskandals von Januar 2005 bis Dezember 2006:

          19. Januar 2005: Vier Schiedsrichter informieren den DFB über Ungereimtheiten im Zusammenhang mit von Schiedsrichter Robert Hoyzer geleiteten Spielen.

          24. Januar: Die Staatsanwaltschaft nimmt die Ermittlungen gegen Hoyzer auf, das DFB-Präsidium tritt zu einer Krisensitzung zusammen.

          27. Januar: Hoyzer gibt in einer schriftlichen Erklärung die gegen ihn erhobenen Manipulations-Vorwürfe zu.

          28. Januar: Vier Personen werden als mutmaßliche Drahtzieher des Wettbetrugs im Berliner Café King festgenommen, gegen drei wird Haftbefehl erlassen. Hoyzer erklärt, daß weitere Schiedsrichter und auch Spieler in den Skandal verwickelt seien.

          8. Februar: Unter starken Sicherheitsvorkehrungen tritt Hoyzer in der ZDF-Talkshow „Johannes B. Kerner“ auf und gibt zu, aus „Geldgier“ gehandelt zu haben. Er bestätigt, vier Spiele verpfiffen und dafür 67.000 Euro sowie einen Plasma-Bildschirm von den kroatischen Hintermännern erhalten zu haben.

          10. Februar: Das DFB-Sportgericht sperrt Hoyzer.

          12. Februar: Hoyzer muß in Berlin nach einem bereits zwei Tage zuvor erlassenen Haftbefehl wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft.

          15. Februar: Referee Dominik Marks (Stendal) wird vom DFB wegen des Vorwurfs der Verabredung zur Manipulation gesperrt.

          25. Februar: Hoyzer wird in Berlin nach 13 Tagen Untersuchungshaft wieder auf freien Fuß gesetzt.

          10. März: Die Staatsanwaltschaft Berlin bestätigt die am Vortag erfolgte Festnahme von Marks wegen „gewerbsmäßigen und bandenmäßigen Betruges in drei Fällen“.

          11. März: Steffen Karl vom Regionalligisten Chemnitzer FC wird als erster Fußball-Profi festgenommen.

          6. April: Marks erhält Haftverschonung.

          29. April: Hoyzer wird vom DFB-Sportgericht auf Lebenszeit aus dem DFB ausgeschlossen. Auf die anfänglich geforderte Geldstrafe von 50.000 Euro gegen ihn wird verzichtet. Schiedsrichter Torsten Koop wird wegen eines nicht gemeldeten Anwerbeversuchs durch Hoyzer für drei Monate rückwirkend gesperrt.

          18. Mai: Der Kroate Ante Sapina räumt die Vorwürfe gegen ihn ein.

          20. Mai: Der DFB-Kontrollausschuß erhebt Anklage gegen Marks. Er soll wie Hoyzer auf Lebenszeit gesperrt werden.

          7. Juni: Milan Sapina wird erhält gegen Kaution Haftverschonung. Zuvor hatte der Kroate ein Teilgeständnis abgelegt.

          25. Juni: Die Berliner Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Hoyzer und Marks, die Brüder Ante, Filip und Milan Sapina sowie Ex-Profi Karl. In der 289seitigen Anklageschrift werden mehr als 20 Spiele aufgelistet, die manipuliert worden seien.

          29. Juli: Die Staatsanwaltschaft Berlin und das DFB-Sportgericht stellen die Ermittlungen gegen Schiedsrichter Jürgen Jansen ein. Der Dresdner Schiedsrichter-Betreuer Wieland Ziller hatte erklärt, die von Ante Sapina für Jansen vorgesehenen 25.000 Euro Bestechungsgeld nicht weitergeleitet zu haben.

          21. August: Jansen erhält vom DFB eine Entschädigung von 30.000 Euro für ihm wegen der Suspendierung entgangene Spiele.

          27. August: Das DFB-Sportgericht sperrt Ziller für fünf Monate.

          18. Oktober: Das Berliner Landgericht eröffnet das Hauptverfahren gegen die Gebrüder Sapina, Hoyzer, Marks und Karl.

          10. November: Das Gericht trennt das Verfahren gegen die Sapinas, Hoyzer und Marks ab. Gegen Karl wird gesondert weiter verhandelt.

          15. November: Die Staatsanwaltschaft fordert zwei Jahre und elf Monate Haft für den Hauptbeschuldigten Ante Sapina, zwei Jahre auf Bewährung für den geständigen Hoyzer, aber zwei Jahre Haft ohne Bewährung für Marks. Milan und Filip Sapina sollen zu 14 Monaten beziehungsweise einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt werden.

          17. November 2005: Das Berliner Landgericht verurteilte Hoyzer zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft ohne Bewährung. Sein früherer Kollege Dominik Marks erhielt ein Jahr und sechs Monate Haft auf Bewährung. Der mutmaßliche Drahtzieher Ante Sapina wurde zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt. Sein Brüder Milan und Filip erhielten Bewährungsstrafen: Milan ein Jahr und vier Monate, Filip ein Jahr.

          28. November 2006: Im Revisionsprozeß forderte Bundesanwalt Hartmut Schneider vor dem Bundesgerichtshof überraschend einen Freispruch. Der Jurist beantragte vor dem 5. Strafsenat in Leipzig, das Urteil des Landgerichts Berlin vom November 2005 aufzuheben. Es sei von „bemerkenswerter Oberflächlichkeit“, kritisierte Schneider, dessen Antrag in der Fußball-Welt für Empörung sorgte.

          15. Dezember 2006: Hoyzer muß ins Gefängnis. Der Bundesgerichtshof bestätigte in Leipzig das Urteil des Berliner Landgerichts: Der 27jährige muß wegen Beihilfe zum Betrug für zwei Jahre und fünf Monate in Haft; Drahtzieher Ante Sapina muß wegen Betruges in zehn Fällen zwei Jahre und elf Monate hinter Gitter. Die Revisionen Hoyzers und der kroatischen Brüder Sapina blieben damit erfolglos.

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