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Wettskandal : Berufsberatung für Sapina

Ante Sapina: Ein Angeklagter, wie ihn sich Richter wünschen Bild: dpa

Ante Sapina wird im Prozess zum Fußball-Wettskandal zum Muster-Angeklagten. Der Wettbetrüger packt in großem Stil aus. Bei seinem Richter macht er dadurch scheinbar Eindruck.

          Wenn Richter von Angeklagten beeindruckt sind, ist das gewöhnlich kein besonders gutes Zeichen. Manche Vorstrafenliste lässt im Gegenteil Böses befürchten, manches Mal bleibt dann selbst für gut gemeinte Ratschläge kein Raum mehr, in der sie umzusetzen sind – mangels Freizeit. Doch auch in diesem Punkt unterscheidet sich das Bochumer Verfahren gegen die mutmaßlichen Wettbetrüger um Ante Sapina und Marijo Cvrtak deutlich.

          Da erläutert der 35-jährige Sapina, dessen Vorstrafenliste einen Punkt umfasst (Stichwort: Hoyzer), dem Gericht am sechsten Verhandlungstag in einer zwanzigminütigen Erklärung, unter welchen Bedingungen Wetten für ihn „Value“ haben – sie es also Wert sind, gespielt zu werden. Führt aus, bis zu welcher Quote (1,7) es sich seiner Ansicht nach lohnt, selbst bei verschobenen Spielen selbst zu wetten, denn: „Selbst wenn man sich sicher ist, dass ein Spiel manipuliert ist – jedes dritte, vierte Mal geht es schief. Wetten hat sehr viel mit Mathematik zu tun und wirklich sichere Spiele gibt es nicht. 30.000 Euro Gewinn bei 100.000 Einsatz ist zu wenig.“ Er erklärt, wie „Value“ für ihn entsteht: „Die Quote ist fragil – man muss Informationen exklusiv haben und man muss schnell sein. Deshalb war es nie mein Bestreben, Teil eines Netzwerks zu sein, denn vertrauen kann man in diesem Geschäft ohnehin niemand.“

          Er beschreibt, wie er, eben weil er bekannt aus dem Hoyzer-Verfahren war, von Wettanbietern angesprochen wurde, sich mit deren Chefetage in einem Berliner Luxushotel getroffen und mit dem Londoner Wettvermittler Samvo eine Verabredung geschlossen habe: „Ich liefere ihnen Informationen zu den manipulierten Spielen, von denen ich weiß, sie lassen mich mit hohen Einsätzen und zu guten Quoten in Asien spielen.“

          Und was gibt es für so viel Fachwissen vom Vorsitzenden Richter Wolfgang Mittrup? Eine kostenlose Berufsberatung. „Vielleicht gibt es“, sagte Mittrup im Gerichtssaal, „wenn Sie rauskommen, ja einen Lehrstuhl für Wetten.“

          Lob vom Staatsanwalt

          Auch Staatsanwalt Bachmann lobte am Ende des Verhandlungstages: Wenn schon Straftäter, dann einer wie Sapina. Er hatte einen „Angeklagten, wie man sich ihn wünscht“ gesehen. Sapina äußert sich als erster der nun Angeklagten detailliert zu den Vorwürfen im Wettskandal, gibt zahlreiche Taten zu – am Donnerstag waren es zwölf Spiele, während er sich bei fünf Spielen nicht erinnern konnte, selbst manipuliert zu haben. Zudem belastet er Cvrtak, der sich bereits als Zeuge im ersten Bochumer Prozess selbst bezichtigt hatte, und – in weit geringerem Maße – den mitangeklagten früheren Basketballprofi Ivan P.

          Zu 26 weiteren Fällen wird er am kommenden Montag aussagen. Überraschend ist das nicht, denn nicht nur Sapinas Anwalt Stefan Conen weiß: „Verschlossenheit hätte ihm nicht weitergeholfen. Deshalb hat er sich früh entschlossen, auszupacken.“ So viel Offenheit stünde auch anderen gut zu Gesicht, findet Sapina: „Schon bei Hoyzer musste der DFB zum Jagen getragen werden. Ich glaube, der Verband könnte in seinen Reihen besser aufklären.“

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