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Werder-Manager Allofs im Gespräch : „Wer einen ruhigen Job will, muss was Vernünftiges lernen“

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Werder-Manager Allofs: „Dauerhaft 14. werden, nein danke“ Bild: dapd

Viele Jahre galt Werder Bremen als Bayern-Jäger Nummer eins - dank der klugen Einkaufspolitik des Sportchefs Klaus Allofs. Nun geht der Trend nach einigen Fehleinkäufen Richtung Mittelfeld. Im F.A.Z.-Interview gibt sich Allofs damit nicht zufrieden.

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          Werder stand früher für Spieler, die im besten Alter hier noch mal einen Schritt nach vorn machten. Zuletzt machten vor allem die 18jährigen Trybull, Hartherz und Füllkrug Schlagzeilen. Gibt es einen neuen Bremer Weg?

          Wenn man mir sagen würde, wir bei Werder speisen unser Team komplett aus dem eigenen Nachwuchs, das ist ab sofort unsere Leitlinie - dann kann man das machen. Aber dann muss jedem klar sein, dass wir hier extreme Leistungsschwankungen erleben werden. Das bedeutet: Abstiegskampf. Oder sogar: Abstieg. Das wäre ein richtiger wirtschaftlicher Hammer für uns. Deswegen muss man sich im Klaren sein, was man erreichen will. Die Erwartungshaltung in Bremen, die der Fans, der Öffentlichkeit - die ist aber nicht Abstiegskampf. Und die Grundhaltung des Vereins auch nicht. Wir haben hier das 3-Säulen-Modell: erstens Topspieler, die unmittelbar die Qualität verbessern wie Claudio Pizarro. Zweitens Spieler, die sich woanders nicht so verbessert haben, denen wir hier aber etwas zutrauen. Das ist der Stamm. Drittens, der Nachwuchs. Den fördert man am besten mit einer intakten Mannschaft. Tom Trybull beispielsweise würde im Mittelfeld des FC Barcelona nicht negativ auffallen. Er lässt den Ball genau so prallen, er hat kurze Wege. Niemand würde sagen: der darf hier nicht spielen.

          Werder muss sparen, könnten Sie und Thomas Schaaf sich denn mit weniger Profis der Kategorie eins anfreunden? Wie sehen Ihre Ambitionen aus?

          Dauerhaft 14. werden, nein danke, dazu habe ich keine Lust. In der zweiten Liga zu arbeiten, würde mir keine Freude machen. Im Ausnahmefall kann es sein, dass man mal etwas reparieren muss. Aber nicht als Regel. Ich hatte als Spieler das Glück, dauerhaft in der Spitze zu sein. Viel weniger würde mir auch jetzt keinen Spaß machen. Bei den Bayern sind Titel Verpflichtung. Wir hier wollen unter die ersten drei bis vier der Bundesliga kommen. Das haben wir in den letzten Jahren immer geschafft. Jetzt wurden wir verdrängt, und wollen dort wieder hin. Ob wir das mit unsere Methode - sportlich wie wirtschaftlich - schaffen, werden wir sehen.

          Könnte das vieldiskutierte Bremer Thema Investor helfen? Neben den Bayern ist Ihnen ja auch Dortmund enteilt.

          Dann kommt immer die nächste Frage: gibt es einen? Wir sind dadurch vorbereitet, dass wir in unseren Statuten die Strukturen geschaffen haben, die einen Investor zulassen. Im Moment haben wir nicht die Notwendigkeit. Aber wenn wir zwei, drei Jahre weitergehen und man nur im Mittelfeld steht und sagt, nein, uns ist das nicht genug - dann muss man sich in eine neue Richtung orientieren. Dann aber geht es nicht darum, die Millionen des Investors rauszuschmeißen, sondern die Mannschaft auf eine breitere Basis zu stellen im Sinne von mehr Sicherheit. Dann sehe der Mix nicht mehr so aus, dass man vier Achtzehnjährige in der Startelf hat. Dann hat man vielleicht nur zwei.

          Allofs mir Trainer Schaaf: „Wir sollen in erster Linie gut Fußball spielen, gewinnen. Nicht Geld verdienen, wir sind keine Bank.“

          Sie waren die Spürnase, holten Micoud, Diego, Özil nach Bremen. Erzeugt das für sie persönlich Druck, immer wieder solche Kaliber zu holen?

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