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Werder-Gegner Panathinaikos : Und schuld ist Otto Rehhagel

  • -Aktualisiert am

Nationalstürmer Salpingidis spielte in dieser Saison bislang immer - im Gegensatz zu seinen Teamkollegen Bild: REUTERS

Die Nationalspieler von Panathinaikos Athen sind vor dem Spiel gegen Bremen nicht in Form und enttäuschen in der Liga. Der Schuldige ist längst ausgemacht: Trainer Henk ten Cate. Doch der ist von den von Otto Rehhagel trainierten griechischen Nationalspielern enttäuscht.

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          Auf Otto Rehhagel ist Henk ten Cate dieser Tage überhaupt nicht gut zu sprechen. „Was ist los? Wieso könnt ihr nicht richtig rennen?“, fuhr der 54 Jahre alte Holländer, seit Juni Trainer des 16-maligen griechischen Fußballmeisters Panathinaikos Athen, sichtlich aufgebracht seine sieben Nationalspieler beim Mannschaftstraining am vergangenen Donnerstag an.

          Dem ohnehin im persönlichen Umgang mit seinen Schützlingen nicht als zimperlich geltenden und für seine Vorliebe für strapaziöse Trainingseinheiten bekannten ten Cate war der Kragen geplatzt, als er auf dem weitläufigen Trainingsgelände im nordöstlichen Athener Vorort Päania zusehen musste, wie den 18-jährigen Sotirios Ninis bei einem Sprint die Kräfte verließen. „Fast alle von uns waren die letzten zehn Tage ohne jegliche Spielpraxis, und das Training bei der Nationalmannschaft war auch nicht sehr hart“, verteidigte sich Ninis mit einem Seitenhieb auf die Fitness-Arbeit von Nationaltrainer Rehhagel.

          Seit 2004 gab es keinen Titel mehr

          Ten Cates Gemütslage wollte sich auch am Sonntag nicht verbessern. Panathinaikos kam bei der Generalprobe für die an diesem Mittwoch anstehende Partie am dritten Spieltag der Champions-League-Gruppenphase gegen Werder Bremen (siehe auch: Torsten Frings: Der Kampf des Graswurzelspielers) nicht über ein 0:0 im Ligaspiel bei Paok Saloniki hinaus. Der Rückstand auf den Erzrivalen Olympiakos Piräus, der ein Spiel mehr als die „Grünen“ von Panathinaikos absolviert hat, ist nach sechs Spieltagen bereits auf sechs Punkte angewachsen.

          Trainer Henk ten Cate: für die Medien der Schuldige an den schwachen Leistungen der Mannschaft
          Trainer Henk ten Cate: für die Medien der Schuldige an den schwachen Leistungen der Mannschaft : Bild: AFP

          Seit 2004 warten die Panathinaikos-Fans auf einen Titelgewinn, während Piräus auf die 12. Meisterschaft in den vergangenen 13 Jahren zustrebt. Den Schuldigen, zumindest an dem Unentschieden bei Paok, machten die Medien sofort aus. „Henk ten Cate ist schuld. Er hat nichts riskiert und sich mit dem 0:0 zufriedengegeben“, schrieb Sportjournalist Georgios Chelakis.

          Charisteas zeigt Bremens Schwächen auf

          Vor dem Spiel gegen Werder zeigt sich ten Cate, der einstige Assistent von Frank Rijkaard (beim FC Barcelona) und Avram Grant (Chelsea), der mit Uerdingen Ende der 90er Jahre in die Regionalliga abstieg, hingegen betont kämpferisch. „Gegen Bremen gibt es für uns nur ein Ergebnis: den Sieg“, sagte er. Nach zwei Niederlagen gegen Inter Mailand (0:2 in Athen) sowie bei Anorthosis (1:3) steht Panathinaikos unter Zugzwang. Dabei hatte der seit genau hundert Jahren bestehende Klub im Sommer mit der Beteiligung neuer finanzkräftiger Eigentümer die Weichen für eine bessere sportliche Zukunft gestellt.

          Für die nahe liegende Aufgabe ist Panathinaikos vorbereitet. „Wenn man wie Werder offensiv spielt, klaffen in der Abwehr Lücken. Das hat das 3:3 am Samstag in der Bundesliga zwischen Werder und Dortmund wieder gezeigt. Das müssen wir ausnutzen“, sagte Ten Cates Ko-Trainer Jannis Anastasiou. Der Nürnberger Nationalspieler Angelos Charisteas, von 2002 bis Ende 2004 bei Werder unter Vertrag, wies in der Athener Tageszeitung „Ethnos“ auf Schwächen des deutschen Gegners hin: „Bremen hat in der Defensive nach den jüngsten Abgängen gewaltige Probleme. Naldo und Prödl harmonieren wegen ihrer unterschiedlichen Spielweisen nicht so gut. Zudem sind beide Außenverteidiger langsam und weisen in der Defensive Defizite auf. Da kann Panathinaikos zuschlagen.“

          24 von 27 Profis hat ten Cate schon eingesetzt

          Ten Cate kann - im Gegensatz zu Werder Bremen - beinahe aus dem Vollen schöpfen; lediglich Rodrigo Souza fällt im Sturm verletzt aus. Doch Ten Cates Personalpolitik gibt bisher Rätsel auf. Obwohl er bei seinem Amtsantritt öffentlich ein Ende der von seinem Vorgänger Jose Peseiro praktizierten Rotation versprochen hatte, ließ er in bisher elf Pflichtspielen seit Saisonbeginn elf verschiedene Formationen spielen. Von den 27 Profis im Panathinaikos-Kader setzte er 24 ein.

          Immer dabei war Griechenlands schneller Nationalangreifer Dimitris Salpingidis. Zurückkehren dürften der zuletzt verletzte Mittelfeldmotor Georgios Karagounis sowie Mittelfeldstar Gilberto Silva, der gegen Paok noch geschont wurde. Der 32-jährige Brasilianer, der im Sommer vom FC Arsenal nach Athen wechselte und bei den Griechen mit einem Nettojahresgehalt in Höhe von drei Millionen Euro neben ten Cate (2,1 Millionen) mit Abstand zu den Großverdienern zählt, hat die in ihn gesetzten Erwartungen jedoch noch nicht erfüllt.

          Der letzte Champions-League-Heimsieg gelang 2005 - gegen Werder

          Zwar ist die Kritik an den bisher in dieser Saison durchwachsenen Leistungen des Klubs aus der Hauptstadt noch vergleichsweise verhalten. Doch sie liefert sowohl ten Cate als auch seiner Mannschaft Motivation genug, mit einer Galavorstellung vor 65.000 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion gegen die Mannschaft von Thomas Schaaf Kritiker vorerst ganz verstummen zu lassen. Die Erinnerung an die Vergangenheit soll helfen: Panathinaikos' letzter Sieg in der Gruppenphase der Champions League datiert vom Herbst 2005. Damals feierten die Athener einen 2:1-Heimsieg - gegen Werder Bremen.

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