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2:0 bei Schalke 04 : Zwei Kunstschüsse führen Bremen ins Halbfinale

  • -Aktualisiert am

Der Traum vom Finale in Berlin lebt: Milot Rashica und Bremen stehen in der Vorschlussrunde. Bild: AP

Nach dem HSV, Leipzig und den Bayern sichert sich auch Werder den Platz im Halbfinale des DFB-Pokals. Die Bremer setzen sich im Duell mit Schalke durch – weil zwei Spieler besondere Treffer erzielen.

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          Die Bremer Fans formulierten einen klaren Wunsch, als ihr Sieg auf Schalke Formen annahm. „Über Hamburg fahr’n wir nach Berlin“, sangen sie, in der Hoffnung, im Halbfinale den Hamburger SV als Gegner zugelost zu bekommen. Durch Treffer von Milot Rashica (65. Minute) und Davy Klaassen (72.) gewann der SV Werder 2:0 beim FC Schalke 04 und hat nun die wunderbare Möglichkeit, eine starke Saison mit einem großen Abschluss zu krönen – während die Schalker sich ganz dem grauen Alltag im Abstiegskampf widmen können. „Wir haben zu viele Fehler gemacht, von denen eine gute Mannschaft profitiert. Und das darf uns nicht passieren“, sagte Schalke-Trainer Huub Stevens.

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          Allerdings hatte auch das Team von Stevens ein ordentliches Spiel gemacht. Der Trainer arbeitet ja akribisch an der Stabilisierung der unter dem im März entlassenen Domenico Tedesco so fragil gewordenen Mannschaft. Wie schon beim glücklichen 1:0-Erfolg in Hannover kam Sebastian Rudy, der üblicherweise im Zentrum spielt, rechts in der Viererkette zum Einsatz, und auf der Position hinter der Doppelspitze, in der Breel Embolo und Guido Burgstaller den Vorzug vor Mark Uth erhielten, stand erstmals Nassim Boujellab in einer Pflichtspiel-Startelf. Das 19 Jahre alte Eigengewächs, das im vorigen Sommer von der U19 in die U23 des Revierklubs befördert wurde, gilt als Hoffnung für die Zukunft.

          In dieser überraschenden Formation waren die Schalker lange ebenbürtig. Gleich nach zwei Minuten rettete Jiri Pavlenka am Ende eines schönen Spielzugs in höchster Not vor Embolo, der nach einem Kontakt mit dem Bremer Torhüter Elfmeter forderte – ihn aber nicht bekam. Verglichen mit den Krisenwochen zuvor lief der Ball ordentlich, nur durchschlagende Aktionen blieben bei beiden Teams lange selten. Salif Sané hatte noch eine ganz gute Kopfballmöglichkeit nach einem Freistoß, traf den Ball aber nicht sauber (27.), ärgern mussten sich in der Pause aber vor allem die Bremer, die ihre Möglichkeiten zu Gegenangriffen nicht sauber genug zu Ende spielten.

          „Ich glaube, dass sich die Sicherheit, die wir uns in den vergangenen Wochen geholt haben, auszahlen wird“, hatte Werder-Trainer Florian Kohfeldt vor der Partie erklärt, doch diese Prognose bewahrheitete sich erst kurz vor der Pause. In der 42. Minute gelang den Bremern ihr erster richtig guter Angriff, an dessen Ende Maximilian Eggestein einen wunderbaren Ball auf seinen Bruder Jonhannes zentral an die Strafraumkante spielte. Der Schuss des jungen Stürmers strich knapp am Pfosten des Schalker Tores vorbei. Das 0:0 zur Pause passte aber zum Spielverlauf. Der Zauber eines großen Pokalabends fehlte in dieser recht biederen ersten Hälfte, die von Pragmatismus geprägt war.

          Auf die Krise in der Bundesliga folgt für Schalke des Pokal-Aus.

          „Wir würden gerne nach Berlin, auch dreckige Siege geben dir Selbstvertrauen dafür“, hatte Stevens in Anspielung auf den glücklichen Sieg am vorigen Bundesligaspieltag in Hannover erklärt. Gegen Bremen wurde nach der Pause erkennbar, dass die Schalker nicht nur mit Glück und einer Portion individueller Klasse gewinnen wollten, sondern auch mit viel Leidenschaft. Zwischen der 46. und der 50. Minute kamen Boujellab, Sané und Embolo zu gefährlichen Abschlüssen, Burgstaller traf sogar den Pfosten. Auf eine Phase mit so viel Schwung hatte das leidgeplagte Publikum in der Gelsenkirchener Arena seit langem warten müssen. Was fehlte, waren Glück und Effizienz, aber zwischenzeitlich wirkten die Bremer regelrecht überrascht von diesem Sturmlauf in königsblau.

          Deutlicher als in den zurückliegenden Partien zeigte sich, dass Stevens den Profis neues Selbstvertrauen vermittelt hat, das den Krisenklub mit neuem Leben erfüllt, während die Bremer nicht so gut klarkamen mit dem Gefühl, nach zwei Siegen gegen die Schalker in der Bundesliga hier irgendwie als Favorit zu gelten, aber auf heftige Widerstände zu treffen. Allerdings haben die Bremer derzeit einen Lauf, und der setzte sich auch an diesem Abend fort.

          Sie brauchten nicht einmal eine richtige Chance, um in Führung zu gehen, als Milot Rashica aus 20 Metern den Ball perfekt traf und nach seinem wuchtigen Schuss das 1:0 bejubeln durfte (65.). Und als Davy Klaassen aus spitzem Winkel volley zum 2:0 getroffen hatte (72.), war der Schalker Widerstand gebrochen. Ein Wermutstropfen für Werder war die Gelb-Rote Karte gegen Nuri Sahin kurz vor Schluss. Nun aber schaut Bremen auf die Auslosung am Sonntag – und dann vielleicht in Richtung Hamburg.

          „Wir sind natürlich sehr froh, dass wir den Einzug ins Halbfinale geschafft haben. Das hatten wir uns vorgenommen“, sagte Werder-Kapitän Max Kruse bei Sky: „Das gute Spiel habe ich von uns nicht gesehen, aber wir haben eine Qualität im Moment,  die es uns erlaubt, auch solche Partien zu gewinnen. Wir haben noch ein Spiel vor der Brust, um unseren Traum zu leben.“ Auch sein Trainer war glücklich. „Über das Jahr 2019 können wir uns wirklich nicht beschweren, aber Party ist deshalb heute Abend nicht angesagt“, sagte Kohfeldt. „Wir haben uns gefreut, weil wir ein schweres Auswärtsspiel auf Schalke gewonnen haben.“ Und Torschütze Klaassen sagte: „Es war ein schwieriges Spiel und auch nicht gut. Aber wir haben hart gearbeitet und sind verdient weiter.“

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