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Zukunft der Bundesliga : Wer braucht denn noch Fußballfans?

Steigende Eintrittspreise: Einzelne Gruppen steigen aus, das Geschäft brummt trotzdem. Bild: Imago

Die Fußballklubs bedienen im Stadion Familien und VIPS und ansonsten das Fernsehen. Und Randalierer stören nur. Die Fans sind Auslaufmodelle in den Kurven und können ihre Fahnen einrollen.

          Von Empörung war auf den üblichen Erregungskanälen der sozialen Netzwerke in den Tagen des Transfer-Wettrüstens zuletzt kaum etwas zu spüren. „Zack - 75 Mios. Die Bänder im VW-Werk haben abrupt gestoppt. Sonderurlaub für die Belegschaft?“ twitterte der Spielerberater Jörg Neblung, einst auch Manager von Robert Enke, nach dem Rekord-Deal spöttisch. Aber auch ganz normale Anhänger, die von den Wahnsinnssummen nicht wie Berater oder Spieler profitieren, die aber mit ihrer Fußball-Begeisterung den Boden für den ungeheuren Fußballboom bereitet haben, schüttelten nur noch ungläubig den Kopf über die neuesten Entwicklungen.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Maradona für 5,5 Mio zu Barça und für 12 (!!!) nach Napoli - Kinder, das waren noch Zeiten #DeBruyne“, schrieb ein Anhänger des Wolfsburger Erzkonkurrenten Hannover 96. Aber nicht einmal in Wolfsburg selbst, dem Epizentrum der finanziellen Verwerfungen, machte sich im Stadion oder in Fan-Foren Wut breit. Auch keine herzzerreißende Trauer. Oder gar Tränen. Bei einer Ablöse, die bis vor kurzem in der Bundesliga jenseits der Vorstellungskraft lag, sagte der gesunde Menschenverstand auch den glühendsten Fans, dass jeder Widerstand zwecklos ist.

          Vor der geballten Macht des englischen Geldes, vor der sogar der Volkswagen-Konzern kapitulierte, geben in diesen Tagen auch viele Anhänger emotional klein bei. Die Fans aus den Kurven, die sich seit Jahren gegen alle möglichen Formen der Kommerzialisierung wehren, stellen ernüchtert fest: Sie haben das Spiel verloren.

          „Große Teile der Fanszene verfolgen diese Entwicklung mit Fatalismus, manche mit Zynismus. Sie sind aber nicht wirklich überrascht. Vieles ist so gekommen, wie sie es befürchtet und vorher gesagt haben. Die Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen Fans und den Akteuren des Spiels sind aber offensichtlich. Heute verliert doch kein siebzehnjähriger Fußballfan sein Herz noch an einzelne Spieler. In der nächsten Transferperiode kann der nämlich schon wieder bei einem anderen Klub sein. Die Entwicklung führt zwangsläufig zu einer sich weiter verschärfenden Entfremdung zwischen dem Spiel und seinen Zuschauern. Wer kann denn noch diese obszönen Ablösesummen mit den eigenen realen Lebensverhältnissen in Übereinstimmung bringen?“, sagt Michael Gabriel, als Leiter der Koordinierungsstelle Fanprojekte einer der besten Szenekenner.

          Die irrwitzigen Beträge, mit denen die Klubs um sich werfen, sind das stärkste Symbol für eine den Kurvenfans verhasste und von ihnen bekämpfte Entwicklung, die gleichwohl nicht aufzuhalten ist. Die Kommerzialisierung erscheint mittlerweile auch vielen ihrer schärfsten Gegner alternativlos. Und die Milliarden, die auf dem Transfer- und Fernsehmarkt nur so hin und her wandern, lassen dabei ungerührt ihre Fußballwelt verschwinden. Jene alte Fußballwelt, die diesen Fans so ungeheuer wichtig ist, die sie unbedingt bewahren wollen.

          Tatsächlich aber stehen sie in den Kurven auf verlorenem Posten. „Wir Fans sitzen am kürzeren Hebel. Die Leute von der Deutschen Fußball-Liga haben uns auch glaubwürdig versichert, dass sie an die Fans denken. Aber sie denken an die Fans an allerletzter Stelle. Alle anderen Interessen sind wichtiger“, sagt Sig Zelt, der Sprecher der bundesweiten Fanbündnisses „Profans“.

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