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Fußball-EM 2020 : Setzen, stellen, losen

Wie kommt man eigentlich an den Pokal, fragte sich Bundestrainer Joachim Löw schon 2012? Bild: dpa

Eine freie Auslosung für die Gruppeneinteilung bei der Fußball-EM 2020 wird es nicht geben. Aber immerhin muss nicht nachgelost werden. Das Prozedere ist erklärungsbedürftig.

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          Die gute Nachricht vorneweg: Die Auslosung für die Fußball-EM 2020 wird weniger kompliziert als befürchtet. Das hat zumindest die Europäische Fußball-Union (Uefa) an diesem Donnerstag mitgeteilt. Genau genommen wird es allerdings auch gar keine richtige Auslosung, weil schon vor der Prozedur, die am 30. November in Bukarest abgehalten wird – mit Lostöpfen und Videowänden, prominenten Losfeen und noch prominenteren Experten –  fast die Hälfte der Mannschaften in Gruppen verteilt sind, ohne dass ein einziger Finger in einer der Schalen mit Kugeln, die die Namen der teilnehmenden Nationen enthalten, gerührt hätte.

          Da die EM-Endrunde in zwölf verschiedenen Ländern stattfindet, und die ausrichtenden Teilnehmer jeweils Heimrecht in der Vorrunde genießen dürfen, zugleich Russland und die Ukraine nicht in einer Gruppe spielen sollen, sind neun der 24 Mannschaften und ein Platzhalter festen Gruppen zugeordnet:

          Gruppe A in Rom und Baku: Italien.
          Gruppe B in Kopenhagen und St. Petersburg: Belgien, Russland, Dänemark.
          Gruppe C in Amsterdam und Bukarest: Ukraine, Niederlande.
          Gruppe D in London und Glasgow: England.
          Gruppe E in Bilbao und Dublin: Spanien und Playoff-Sieger B.
          Gruppe F in München und Budapest: Deutschland.

          Warum die Belgier schon wissen, Kopf von Gruppe B zu sein, obwohl sie kein Ausrichter sind, liegt daran, dass die Ukraine nicht gegen Russland spielen darf. Um das zu verstehen, muss man in die Töpfe gucken - was in der Küche nicht erlaubt ist - hier aber nötig. Die Aufteilung der nach sportlicher Wertigkeit der Teams bestückten Lostöpfe steht seit Abschluss der Qualifikation fest:

          Topf 1: Belgien, Italien, England, Deutschland, Spanien, Ukraine.
          Topf 2: Frankreich, Polen, Schweiz, Kroatien, Niederlande, Russland.
          Topf 3: Portugal, Türkei, Dänemark, Österreich, Schweden, Tschechien.
          Topf 4: Wales, Finnland, Sieger Playoff A, Sieger Playoff B, Sieger Playoff C, Sieger Playoff D.

          Da aus Topf eins Italien, England, Deutschland und Spanien ebenso Heimrecht bei der paneuropäischen Meisterschaft genießen, wie aus Topf zwei die Niederlande und Russland, und die oben erwähnte Ukraine/Russland-Regel beachtet werden muss, ergibt sich zwangsläufig, dass Belgien als übrig gebliebenes Topteam in der russischen Gruppe spielt. Und weil es Dänemark zwar nur in den dritten Topf schaffte, aber ebenfalls den Status Ausrichter genießt, ist die Gruppe B schon fast vollständig.

          Vier kleinere Mannschaften könnten sich ihren Platz im Tableau im Prinzip ebenfalls schon ausrechnen, da sie ebenfalls zu den Ausrichternationen zählen - doch dummerweise müssen sich die Ko-Gastgeber Ungarn, Rumänien, Irland und Schottland zunächst noch via Playoffs dafür qualifizieren. Diese Playoffs sind dem Gedanken geschuldet, dass auch die „Kleinen“ mitspielen dürfen und ist zudem eine zusätzliche Rechtfertigung für die „Nations League“, mit der zwischen WM 2018 und EM-Qualifikation die fußballfreie Zeit totgeschlagen wurde. Analog zu den damaligen vier Divisionen gibt es nun vier Wege, doch noch die Pan-Euro zu erreichen:

          Weg A: Island - Ungarn/Rumänien/Bulgarien/Israel.
          Weg B: Bosnien-Herzegowina - Nordirland, Slowakei - Irland.
          Weg C: Schottland - Ungarn/Rumänien/Bulgarien/Israel, Norwegen - Serbien
          Weg D: Georgien - Weißrussland, Nordmazedonien - Kosovo.

          Das Problem daran ist, dass Ungarn oder Rumänien sowie Schottland auf dem selben Weg zur EM unterwegs sind - weshalb der Platzhalter für Playoff-Sieger C nicht einfach einer Gruppe zugewiesen werden kann, da bis Ende März nicht klar ist, welcher Gastgeber sich durchsetzt. Doch jetzt kommt die eingangs erwähnte gute Nachricht: Es ist keine gesonderte Veranstaltung nach Abschluss der Playoffs am 31. März 2020 notwendig, teilte die Uefa mit. Alle wesentlichen Entscheidungen für den Spielplan des Turniers könnten demnach am Samstag kommender Woche in Bukarest getroffen werden -  mit einem Trick, der zwei Playoff-Wege zusammenbindet.

          Vorher müssen freilich noch an diesem Freitag die Lose für die Playoff-Gruppen gezogen werden, um Ungarn/Rumänien/Bulgarien/Israel auseinander zu klamüsern. Dabei geht es aus deutscher Sicht vor allem darum, in welchen Playoff-Pfad der mögliche deutsche EM-Gegner Ungarn plaziert wird: A oder C. Neben Ungarn könnten auch die anderen drei Teams noch in den Pool C als Gegner Schottlands bestimmt werden. Oder eben zu Island in den Pool A wandern. Aus jedem der vier Pools qualifiziert sich der Sieger für die EM-Endrunde, die zwischen dem 12. Juni und dem 12. Juli ausgetragen wird. Sollte Ungarn seinen Pfad gewinnen, wäre es deutscher Vorrunden-Gegner in Gruppe F. Wenn nicht, dann würde der Sieger von Pfad D der deutschen Gruppe zugewiesen. Gespielt wird dann trotzdem in Budapest, nur ohne Gastgeber. Nur gut, dass es nicht kompliziert ist.

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