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Kommentar : Die 180-Grad-Wende des DFB

„Deutschland bekam nach acht Jahren akribischer Arbeit 2000 in einem sauberen Verfahren den Zuschlag“: Wolfgang Niersbach Bild: dpa

Der DFB positioniert sich mit einem offenen Brief klar wie noch nie im Fifa-Skandal. Konsequenterweise müsste sich Präsident Niersbach nun auch von Uefa-Boss Platini lösen – selbst wenn der Preis dafür sehr hoch sein könnte.

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          Spät, aber nicht zu spät hat sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) in der Reformdebatte um den krisengeschüttelten Weltverband Fifa mit konkreten Vorschlägen eingebracht. Während DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hier in der Vergangenheit wie viele andere nur mit einer oberflächlichen Pseudo-Empörung auf die Missstände reagierte, hat er sich nun in der Diskussion um tiefgreifende Veränderungen bei der Fifa mit dem offenen Brief an die eigene DFB-Basis so klar positioniert wie noch nie und damit eine 180-Grad-Wende vollzogen.

          Außenstehende, nicht zuletzt auch Politiker aus Berlin und Brüssel haben immer wieder gefordert, dass der DFB als größter Einzelverband innerhalb der Fifa doch stärkeren Druck auf die anderen Mitglieder der Organisation ausüben müsste. Gerade jene, die den Auftrag seit 2011 hatten, dem obskuren Fifa-System transparente Strukturen zu verpassen, wurden vom DFB enttäuscht, weil sich dieser mehr machtpolitischen statt reformerischen Zielen verschrieb. Das könnte jetzt anders aussehen, wenn Niersbach seine Agenda mit Überzeugung voranbringt.

          Er hat in dem Zehn-Punkte-Papier, das an die fast sieben Millionen Mitglieder des DFB gerichtet ist, die richtigen Grundsätze einer Fifa-Governance aufgegriffen. Diese reichen von der Amtszeitbegrenzung über den zentralen Integritäts-Check bis zu einem neuen System der WM-Vergabe. Niersbach spricht von „tiefgreifenden Veränderungen“.

          Die meisten Thesen sind nicht neu, da hat er sogar Anleihen beim scheidenden Präsidenten Joseph Blatter gemacht. Beim Fifa-Kongress Ende diesen oder Anfang nächsten Jahres müssen dafür die Mehrheiten zur Implementierung her. Wenn das nicht passiert, ist die Fifa so gut wie gescheitert.

          Konsequenterweise müsste sich Niersbach jetzt in einem nächsten Schritt von seinem bisher engen Verbündeten Michel Platini lösen. Der Präsident des europäischen Fußballverbandes eruiert gerade seine Chancen als Blatter-Nachfolger, gehört allerdings zur alten Funktionärs-Garde, die für Patronage und Intransparenz steht, aber in keinem Fall eine neue Fifa repräsentieren könnte. Will der DFB glaubwürdig Veränderungen, gibt es für ihn nur eine Richtung. Auch wenn es seine EM-Bewerbung 2024 kosten könnte.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

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