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2:2 gegen Australien : Weltmeister nicht besser als der Asienmeister

  • -Aktualisiert am

Gewinner des Abends: Lukas Podolski bewahrt Weltmeister Deutschland vor einer Niederlage Bild: dpa

Podolski bewahrt Deutschland vor einer Heimniederlage: Beim Remis gegen Australien weist die Nationalelf Schwächen in der Defensive auf. Das Experiment Dreier-Abwehrkette bringt Risiken mit sich.

          3 Min.

          Um Geduld hat Joachim Löw vorsorglich schon einmal  geworben. Bis ein neues Produkt fertig sei, so der Bundestrainer, dauere es nun  einmal ein bisschen. Und so konnte man am Mittwochabend in Kaiserslautern zwar  sagen, dass das Labor Löw seine Arbeit aufgenommen hat - bis zur Marktreife des  Weltmeisters 2.0 wird es allerdings tatsächlich noch eine Weile dauern. Viel  mehr als Ansätze, wohin der Weg führen könnte, waren nicht zu sehen beim 2:2  gegen Australien in Kaiserslautern.

          Unterhaltsam und in der Offensive bisweilen ansprechend - das war es schon, was die Deutschen gegen den Asienmeister  fabrizierten, aber leider eben auch ziemlich störanfällig. So war es kein  Wunder, dass die deutsche Führung durch Marco Reus (17. Minute) eine  vergängliche Freude war. Nach den australischen Toren durch James Troisi (40.)  und Mile Jedinak (50.) sorgte der eingewechselte Lukas Podolski zumindest noch  dafür, dass das Länderspieljahr 2015 nicht gleich mit einer Pleite begann  (81.). „Wir haben in der zweiten Halbzeit die Struktur nicht so gefunden. Es war keine Klarheit im Spiel“, sagte Bundestrainer Joachim Löw, der aber Personal-Experimente als Erklärung für den schwachen Auftritt anführte.

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          Stille vor dem Spiel: Gedenkminute für die Opfer des Flugzeugabsturzes :

          Zu den positiven Erkenntnissen gehörte, dass das von Löw angestrebte Plus an Offensivkraft durchaus erreicht wurde. Die Deutschen brachten ziemlich oft eine  stattliche Zahl von Spielern in die gefährliche Zone und schufen sich damit  viele Optionen. Im Mittelfeld war es zudem eine Freude, dass Ilkay Gündogan  sein besonderes Talent, ein Spiel schnell machen zu können, nach langer Pause  wieder im Nationaltrikot zeigen durfte.

          Unsicherheit in der Dreierkette

          Doch auf der anderen Seite stand eben auch manch beunruhigende Orientierungslosigkeit in der Defensive, wodurch die Australier ein paar Mal zu oft zu guten Möglichkeiten kamen. Wenn es am Sonntag  in der EM-Qualifikation in Tiflis gegen Georgien, das am Mittwoch gegen Malta ein Testspiel mit 2:0 gewann, geht, sollte die  Experimentierfreude doch einer klaren Ergebnisorientierung weichen, um auf dem  Weg zur EM 2016 in Frankreich nicht in eine kitzlige Lage zu geraten. Schon der Beginn offenbarten sich einige der deutschen Probleme an diesem  Abend.

          In der ersten Viertelstunde waren es die Australier, die für mehr  Betrieb und vor allem für mehr Torgefahr sorgten. Löw hatte sich für eine so  noch nicht in der Praxis erprobte Formation entschieden: eine  3-1-4-2-Grundordnung, die auch in dieser personellen Zusammensetzung Neuland bedeutete. Wie angekündigt waren Badstuber und Gündogan nach langer Leidens-  und Fehlzeit wieder von Beginn an dabei, aber auch Hector durfte sein Startelf-Debüt geben. „Unser Ziel ist mehr Flexibilität zu erlangen in den nächsten anderthalb Jahren“, sagte Löw zu dem nach der Badstuber-Auswechslung in der Halbzeit abgebrochenen Experiment. Mit der Hereinnahme von Sebastian Rudy stellte Löw wieder auf die gewohnte Viererkette um.

          Wenn ein Raunen durch das Publikum auf dem Betzenberg  ging, deutete das aber zumeist darauf hin, dass australische Angriffe am Rollen  waren - vor allem wenn Leckie beteiligt war, der Zweitliga-Stürmer aus  Ingolstadt. Nach drei ziemlich guten australischen und ein bis zwei ordentlichen deutschen Tormöglichkeiten war es ein typischer Khedira-Moment, der Löws Team auf die  Spur brachte.

          Gute Antizipation, ein kraftvoller Antritt über dreißig Meter,  und dann noch das Zuspiel im perfekten Augenblick auf Reus - fertig war das 1: 0. Khediras Einsatz in dieser Szene passte zu der exponierten Rolle, die ihm an  diesem Tag zukam. Weil Löw den meisten seiner Profis, die noch am Sonntag im  Liga-Einsatz gewesen waren, eine Verschnaufpause gönnte, verbrachte auch  Schweinsteiger seinen ersten Abend mit offiziellem Kapitänspatent auf der Bank  - die Binde trug Khedira.

          Khedira verlässt Real

          Zudem war noch vor Anpfiff bekannt geworden, dass er  am Ende des Jahres Real Madrid den Rücken kehren wird. Das hatte Khedira dem „Kicker“ verraten, nicht allerdings, wohin die Reise gehen wird. Das, so sagte er, sei noch völlig offen. Khedira war am Mittwoch ein kraftvoller Stabilisator, den man sich, sobald er  auch seine alte Dynamik zurückgewinnt, in vielen guten Mannschaften vorstellen  kann.

          Doch dass die Deutschen nach einer eigentlich vielversprechenden Phase,  in der Reus das 2:0 hätte folgen lassen müssen, noch den Ausgleich hinnehmen  mussten, konnte auch er nicht verhindern. Burns kam auf der rechten deutschen  Abwehrseite zum Flanken, und in der Mitte setzte sich Troisi gegen Hector  durch. Es war ein weiterer Beleg dafür, dass die Defensive nicht schnell genug  zur Ordnung fand, wenn die Australier aufs Tempo drückten. Nach der Pause kam Rudy für Badstuber.

          Doch nach nur fünf Minuten hatte der  Bundestrainer einen weiteren Grund, sich grimmig in seinem Sitz zu  vergraben. Der australische Kapitän Jedinak verwandelte einen Freistoß aus rund  20 Metern direkt. Es war nicht die einzige Szene, in der man bei Torwart  Zieler, der den angeschlagenen Neuer vertrat, kein hundertprozentiges Vertrauen  entwickelte. Später kamen noch Kramer und Schürrle (für Khedira und Bellarabi)  sowie Podolski und Kruse (für Reus und Götze) ins Spiel. Es ging nun hin und  her, am Ende aber brachte Löws Team noch einmal den Willen auf, die Niederlage  mit aller Macht zu verhindern. Schürrle legte auf, Podolski traf - und das  Publikum feierte ihn wie keinen anderen zuvor.

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