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Weltfußballverband : Die Gelddruckmaschine namens Fifa

  • -Aktualisiert am

Präsident eines nicht gewinnorientierten Vereins: Fifa-Präsident Joseph Blatter Bild: dpa

Die Fifa hat den Weltfußball im Griff. Offiziell immer noch ein Verein, agiert der Verband in den Dimensionen eines Großunternehmens. Steuern zahlt er dennoch nicht.

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          Das „Vereinsheim“ würde einer Konzernzentrale alle Ehre machen, das „Vereinslokal“ gilt als eines der nobelsten Restaurants der Stadt. Das Zentrum des Vereins namens Weltfußballverband Fifa liegt in einer der exklusivsten Lagen von Zürich. Der Blick richtet sich auf die Stadt. Im nahen Wald zwitschern die Vögel, in der Ferne locken die schneebedeckten Alpen. Kein Zweifel, die Fifa hat sich gut eingerichtet. Das hat seinen guten Grund: Steuern sind für den Verein wie für die anderen internationalen Sportverbände in der Schweiz ein Fremdwort; nur lokal fallen Minibeträge an. Die Aufsicht ist lasch, das staatliche Wohlwollen groß. Manche sagen, der am Mittwoch vor der Wiederwahl stehende Fifa-Boss Sepp Blatter genieße einen nahezu extraterritorialen Status.

          Beim Blick in die Bilanz des Milliardenvereins Fifa fehlt denn auch konsequenterweise eine Steuerposition. Größter Aufwandsposten in den vergangenen vier Jahren war die Fußball-WM in Südafrika 2010 mit 1,3 Milliarden Dollar. Dem stand ein Umsatz aus Fernseh- und Marketingrechten von 3,5 Milliarden Dollar gegenüber – ein Riesengeschäft für die Weltkicker in Zürich. Verglichen damit sind die übrigen Erträge Peanuts. Mit dem WM-Gewinn finanzierte die Fifa als größten normalen Ausgabenposten in den Jahren 2007 bis 2010 Fußball-Entwicklungsprojekte von knapp 800 Millionen Dollar. Dies ist auch der Grund, warum sich Blatter gerne als den Mann darstellt, der sich für die Förderung des Weltfußballs geradezu verzehrt, von Jungtalenten auf staubigen Plätzen in Afrika bis zur Stützung notleidender Mitglieder unter den 208 nationalen Verbänden.

          Nur wenige können über die Jahre der Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2007 so nonchalant hinweggehen wie der Weltfußballverband: „Die Fifa hat die Turbulenzen ... unbeschadet überstanden und ist gestärkt daraus hervorgegangen“, heißt es im jüngsten, von der KPMG geprüften Rechenschaftsbericht. Der Gewinn wuchs von 49 Millionen auf 202 Millionen Dollar 2010, lag damit allerdings sichtbar unter den knapp 250 Millionen Dollar im Glanzjahr 2006. Ganz ohne Rückschlag wuchsen die Reserven von 76 Millionen Dollar im Jahr 2003 auf 1,3 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. Die Eigenkapitalquote erreichte zuletzt nahezu 62 Prozent, die flüssigen Mittel summierten sich auf 1,6 Milliarden Dollar. So gesehen, könnte die Fifa auch als Bank agieren.

          Gesamtumsatz von 4,2 Milliarden Dollar

          Als nicht gewinnorientierter Verein ist die Geldanhäufung für den Verband einigermaßen pikant. Die Führung begründet sie mit der „Sicherung der finanziellen Unabhängigkeit“ und begegnet aller Kritik vorsorglich mit dem Hinweis, es könne keine absolute Obergrenze für die Reserven geben. Vielmehr nähmen sie Maß an den Gesamtkosten und den „operativen Risiken“ während der vierjährigen Planungsperioden. Zurzeit deckten sie rund ein Drittel dieser Kosten ab.

          In den vergangenen vier Jahren übertraf die Geldmaschine Fifa mit einem Gesamtumsatz von 4,2 Milliarden Dollar nicht nur den Wert der Vorperiode um mehr als 60 Prozent. Sie übertraf auch das Budget um gut 600 Millionen Dollar. Da sitzen die Mitgliedsverbände gerne in einem Boot mit ihrem Steuermann Blatter, profitieren sie doch direkt von dem Geldsegen. Und so soll es weitergehen. Für die WM 2014 in Brasilien rechnet die Fifa mit Einnahmen aus Fernseh- und Marketingrechten von 3,8 Milliarden Dollar. Das wären noch einmal 300 Millionen Dollar mehr als beim Jubelereignis in Südafrika.

          Ein angebliches Schmiergeldsystem mit Fifa-Funktionären

          Dessen ungeachtet begleitet seit Jahren ein Wust von Korruptionsvorwürfen die Fifa-Macher. Die Ereignisse um die Wahl am Mittwoch und zuvor um die Vergabe der WM-Rechte für 2018 an Russland und 2022 an Qatar bilden dabei den bisherigen Höhepunkt einer an Skandalen reichen Historie. Blatter selbst, der 1998 ins Amt kam, konnte allerdings bisher niemals eine Verfehlung nachgewiesen werden, gleichgültig, wie groß die Verdachtsmomente sein mögen. Die Fifa genügt sich auch in der Kontrolle selbst, wie die verbandseigene Ethikkommission deutlich macht. Das unabhängige Schiedsgericht der Sportverbände in Lausanne spielt nur am Rande mit. Weiter muss man wissen, dass die 50 internationalen Sportverbände in der Schweiz die Korruptionsbekämpfung selbst betreiben – oder auch nicht. Staatsanwälte können seit der Befreiungsregelung 2006 nicht mehr tätig werden. Damit geht es den Sportfunktionären sogar besser als internationalen Organisationen wie den UN-Gremien in Genf. Dort greift im Fall des Falles die normale Gerichtsbarkeit.

          Ein wenig wurde der Schleier gelüftet, als 2008 in Zug sechs Managern der 2001 untergegangenen Sportvermarktungsagentur ISMM/ISL der Prozess gemacht wurde. In dem Strafverfahren ging es vor allem um ein angebliches Schmiergeldsystem mit Fifa-Funktionären. Mehrmals fiel an den Prozesstagen der Name Blatter. Am Schluss standen Ministrafen: kleine Geldbußen auf Bewährung gegen drei der Angeklagten, 141 000 Franken für die Fifa als einst größten ISMM-Partner wegen mangelnder Zusammenarbeit mit der Untersuchungsbehörde und Falschinformationen. Im Juni 2010 zahlten geschmierte Fifa-Funktionäre in einem „Deal“ mit der Staatsanwaltschaft 5,5 Millionen Franken. Dafür durften sie anonym bleiben und sind weiterhin nicht vorbestraft.

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