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Fußballerin Nadine Keßler : Zwei Jahre wie im Traum

Zwei Jahre voller Titel: Nadine Keßler stemmt im Bild als VfL-Spielführerin die Meisterschale Bild: Picture-Alliance

Nadine Keßler beugt sich den anhaltenden Kniebeschwerden: Die Weltfußballerin des Jahres 2014 muss ihre Karriere beenden, ohne jemals als gekrönte Spitzenkönnerin ihres Sports aufgelaufen zu sein.

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          Als Nadine Keßler Mitte dieser Woche die fertige Pressemitteilung ihres Klubs VfL Wolfsburg zur Freigabe in die Hand nahm, da wurde ihr erst richtig bewusst, welchen Entschluss sie in den vergangenen Wochen gefasst hatte. „Als ich das gelesen habe, tat es schon noch einmal weh“, sagt die 28 Jahre alte Fußballspielerin. Allzu früh musste sie nun einen Schlussstrich ziehen unter ihre Karriere, die von einem Europameistertitel, drei Champions-League-Erfolgen und der persönlichen Ehrung zur Weltfußballerin des Jahres 2014 gekrönt wurde.

          Im Januar 2015 erhielt sie die Auszeichnung in Zürich. Zu jenem Zeitpunkt hatte sie schon über drei Monate lang nicht mehr in der Bundesliga gespielt. Und sie sollte als beste Spielerin der Welt auch nicht mehr auf den Platz zurückkehren. So bleibt ein 30-Minuten-Einsatz als Einwechselspielerin beim 3:0-Sieg ihres Teams bei Bayer Leverkusen am 21. September 2014 als letztes Spiel in ihrer persönlichen Statistik.

          Alltagstauglichkeit des Knies

          „Jegliche weitere Versuche danach sind leider gescheitert. Das Knie hat nicht mehr standgehalten“, sagt Keßler. Weitere Operationen folgten, zuletzt im März. Mittlerweile geht es laut der Sportlerin nur darum, die Alltagstauglichkeit des Gelenks wieder herzustellen. Gedanken an ein mögliches Abschiedsspiel verbieten sich deshalb von selbst. Irgendwann, so hofft Keßler, will sie zumindest zum Spaß wieder ein wenig kicken können.

          „Deshalb habe ich mich natürlich mit der Zeit darauf eingestellt, dass das Karriereende kommt. Aber trotzdem fiel der Entschluss schwer.“ Ein paar Tage „wehmütig sein“ will sich Nadine Keßler noch zugestehen. „Aber dann richte ich den Blick wieder nach vorne.“

          2017 will sie ihren Master-Studiengang in General Management mit Schwerpunkt Sport Business beenden. Eine Tätigkeit im Fußball kann sie sich vorstellen. Womöglich kommt sie auch in Frage für vakanten Posten der Frauenfußballexpertin bei den Übertragungen im ZDF. Vor kurzem musste schließlich erst Kim Kulig, die wie Keßler wegen Kniebeschwerden allzu früh ihre Laufbahn beenden musste, wegen des Beginns einer Festanstallung beim DFB ihre Expertentätigkeit beenden. Die eloquente Keßler hat bei der WM 2015 in Kanada erste Erfahrungen vor der Kamera sammeln können im Auftrag eines Sponsors des Nationalteams.

          Frühstarterin und Spätzünderin

          Mit dem Abschied von ihrem Sport beendet die im pfälzischen Landau geborene und entsprechend seit Kindertagen in den 1. FC Kaiserslautern vernarrte Keßler eine Karriere, in der sie sowohl Frühstarterin als auch Spätzünderin war. Schon mit 16 Jahren war sie die Spielgestalterin und Torjägerin beim damaligen Zweitligaklub 1. FC Saarbrücken, den sie in die Erstklassigkeit führte. Eine schwere Knieverletzung in jungen Jahren, aber auch weitere gesundheitliche Probleme hemmten ihre Entwicklung immer wieder. Bei Turbine Potsdam, wo Keßler erstmals die Champions League gewann, und vor allem beim VfL Wolfsburg reifte sie schließlich zur besten deutschen Feldspielerin. Mit dem VfL stürmte sie aus dem Bundesligamittelmaß zum Triple aus Champions-League-Sieg, Meisterschaft und Pokalsieg im Jahr 2013.

          Im Nationalteam war Keßler derweil eine Spätstarterin. Sie brauchte erstaunlich lange, um Bundestrainerin Silvia Neid von ihren Qualitäten zu überzeugen, weil die Bundestrainerin sie allzu lange auf ihre filigrane Spielweise reduziert hat und seit jeher von einer Skepsis gegenüber körperlich eher zarten Spielerinnen geprägt war. Im deutschen Frauenfußball raunten Experten lange, dass eine Spielerin erst ab 1,70 Meter Körpergröße überhaupt eine Chance auf eine Nominierung durch Neid habe.

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