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Weltfußballer des Jahres : Ribéry fordert Ronaldo

Wer wird Weltfußballer des Jahres 2013? Franck Ribéry, Cristiano Ronaldo und Lionel Messi stehen zur Auswahl Bild: AFP

Wer wird „Weltfußballer des Jahres“? Franck Ribéry, der Kollektivspieler der Bayern, oder Cristiano Ronaldo, der große Individualist aus Madrid? Nur eines scheint sicher: Seriensieger Lionel Messi spielt in diesem Jahr keine Rolle.

          Der Ball ist rund – und einmal im Jahr aus purem Gold. Seit 1956 der „Ballon d’Or“ vom französischen Fachmagazin „France Football“ erstmals verliehen wurde (an den Engländer Stanley Matthews), gilt er als die bedeutendste individuelle Auszeichnung im Weltfußball. Daran konnte auch die vom Internationalen Fußball-Verband (Fifa) seit 1991 ausgerichtete Wahl zum „Weltfußballer“ (erster Sieger: Lothar Matthäus) nichts ändern – und das, obwohl der „Ballon d’Or“ jahrzehntelang lediglich als die Auszeichnung für „Europas Fußballer des Jahres“ galt.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Erst als es der Fifa gelang, ihre Fußballerwahl 2010 mit dem „Ballon d’Or“ zu verschmelzen, kam es erhofften Aufwertung ihrer eigenen Auszeichnung – und zur Inszenierung der jährlichen Fifa-Gala im Zürcher Kongresshaus als eine Art Oscar für Kicker.

          Zum ersten Mal könnte an diesem Montag (18.30 Uhr) dabei ein Spieler aus der Bundesliga als „Weltfußballer“ ausgezeichnet werden. Franck Ribéry galt lange als Favorit, nachdem er im Sommer die Wahl zum „UEFA Best Player in Europe“ gewonnen hatte, die seit 2011 von der Europäischen Fußball-Union veranstaltet und von fünfzig Fachjournalisten getroffen wird. Dieser Titel deckt allerdings nicht das Kalenderjahr, sondern die abgelaufene Fußball-Saison ab. Dabei führte kein Weg vorbei am überragenden Mann der Triple-Saison des FC Bayern. Doch in der zweiten Jahreshälfte hat vor allem der Konkurrent Cristiano Ronaldo punkten können.

          Spieglein, Spieglein, wer ist der Beste auf der Welt: Am Montag in Zürich wird die Entscheidung bekanntgegeben

          Und erfahrungsgemäß ist es schwer, beim Wahlvolk des Weltfußballers – bestehend aus den Nationaltrainern und Nationalmannschaftskapitänen aller 209 Fifa-Mitgliedsländer sowie je einem Journalisten aus diesen Ländern – alte Hierarchien aufzubrechen und als Neuling auf dem Wahlzettel gleich ein Kreuzchen zu bekommen.

          Ronaldo zieht in Nachspielzeit vorbei

          In Europa sind die Leistungen eines Ribéry präsent, doch sind sie das auch bei der Überzahl von Wählern in weit entfernten Weltregionen? Und das in ausreichender Weise, um die seit Jahren von ihren Klubs und Ausrüstern aufgebaute globale Strahlkraft eines Messi oder Ronaldo zu übertreffen? Lionel Messi wurde zuletzt vier Mal hintereinander gewählt, auch vor einem Jahr, als er mit Barcelona nichts gewonnen hatte.

          Weil er 2013, von Verletzungen geplagt, den ersten Knick seiner Weltkarriere erlebte, gilt er aber nur als Außenseiter. Dagegen zog in der Nachspielzeit des Fußballjahres Messis Vorgänger Ronaldo, Weltfußballer 2008, bei den Buchmachern an Ribéry vorbei – vor allem durch die drei spektakulären Tore beim Sieg in Schweden, mit denen er Portugal zur WM und sich in die Favoritenrolle schoss.

          Eigentlich sollte die Abstimmung zum Weltfußballer da schon abgeschlossen sein, also bereits vor den wichtigsten Partien des Jahres im Fifa-Kalender, den Play-off-Spielen für die WM 2014. Doch kurz zuvor hatte die Fifa die Frist für die Stimmabgabe um zwei Wochen vom 15. auf den 29. November verlängert, was nun, je nach Ausgang der Wahl, die üblichen Verschwörungstheorien begünstigen wird.

          War es ein Einknicken von Fifa-Chef Sepp Blatter vor Ronaldo, den er bei einem Vortrag in Oxford imitiert und lächerlich gemacht hatte, was als Wahlbeeinflussung wirkte und Blatter heftige Kritik eintrug? War es, der öffentlichen Fifa-Begründung gemäß, eine Reaktion auf den schleppenden Eingang der Voten aus aller Welt?

          Der Kollektivspieler oder der Individualist?

          Oder doch eine Reaktion auf den Fehler des Vorjahres, als die Fifa die Wahl für den „Ferenc Puskás Award“, das Tor des Jahres, schon geschlossen hatte, ehe Zlatan Ibrahimovic sein Jahrhundert-Tor gegen England schoss? Letztlich ist aber nichts dagegen zu sagen, den Wahlzeitraum so lang wie möglich offenzuhalten. Es heißt ja Weltfußballer 2013 und nicht Weltfußballer der Monate Januar bis Oktober.

          Am Ende läuft es beim Duell Ribéry gegen Ronaldo auf die klassische Fußballfrage hinaus, ob eher der Kollektivspieler oder der Individualist die individuelle Auszeichnung verdient. Eher der Franzose, der auch defensiv alles gibt und seine offensive Brillanz lieber dazu nutzt, anderen Tore vorzulegen als selbst zu erzielen – oder der Portugiese, der mit Dynamik und Athletik, Kopfballstärke und Schusskraft zur nahezu perfekten Tormaschine geworden ist?

          „Montag ist ein Supertag für mich und Bayern“

          Eher Ribéry, der 2013 fünf Titel mit Bayern München gewann – oder Ronaldo, der 2013 für Real und Portugal in 63 Spielen 76 Tore schoss?In jedem Fall spiegelt sich die aktuelle Stärke des deutschen Fußballs auch in der Gästeliste der Zürcher Gala. Zwei der drei Kandidaten für die Wahl zum „Welttrainer 2013“ sind Deutsche, Jupp Heynckes und Jürgen Klopp, dazu der wie Heynckes bereits in den Ruhestand gewechselte Alex Ferguson.

          Torhüterin Nadine Angerer ist eine der drei Kandidatinnen für die „Weltfußballerin 2013“. Und neben Ribéry reisen auch Philipp Lahm und Manuel Neuer vom Bayern-Trainingslager in Qatar aus nach Zürich, weil sie sich Hoffnungen auf einen Platz in der von mehr als 50.000 Berufskollegen gewählten Fifa-Weltelf machen dürfen. „Montag ist ein Supertag für mich, für den ganzen FC Bayern“, sagt Ribéry. Sein Kapitän Lahm sieht auch im Fall, dass ein anderer den „Ballon d’Or“ gewinnt, nicht die Gefahr einer Schaffenskrise oder gar einer Depression beim Franzosen: „Dafür hat er viel zu viel Spaß am Fußball.“

          Die Weltfußballer seit 1991

          1991: Lothar Matthäus (Deutschland/Inter Mailand)
          1992: Marco van Basten (Niederlande/AC Mailand)
          1993: Roberto Baggio (Italien/Juventus Turin)
          1994: Romário (Brasilien/FC Barcelona)
          1995: George Weah (Liberia/AC Mailand)
          1996: Ronaldo (Brasilien/PSV Eindhoven/FC Barcelona)
          1997: Ronaldo (Brasilien/FC Barcelona/Inter Mailand)
          1998: Zinédine Zidane (Frankreich/Juventus Turin)
          1999: Rivaldo (Brasilien/FC Barcelona)
          2000: Zinédine Zidane (Frankreich/Juventus Turin)
          2001: Luís Figo (Portugal/Real Madrid)
          2002: Ronaldo (Brasilien/Inter Mailand/Real Madrid)
          2003: Zinédine Zidane (Frankreich/Real Madrid)
          2004: Ronaldinho (Brasilien/FC Barcelona)
          2005: Ronaldinho (Brasilien/FC Barcelona)
          2006: Fabio Cannavaro (Italien/Juventus Turin/Real Madrid)
          2007: Kaká (Brasilien/AC Mailand)
          2008: Cristiano Ronaldo (Portugal/Manchester United)
          2009: Lionel Messi (Argentinien/FC Barcelona)
          2010: Lionel Messi (Argentinien/FC Barcelona)
          2011: Lionel Messi (Argentinien/FC Barcelona)
          2012: Lionel Messi (Argentinien/FC Barcelona)

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