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Weltfußballer des Jahres 2008 : Ronaldo findet in die Spur - und wird geehrt

Legende hinter Rosen: Pele gratuliert seinen „Enkeln” Marta und Ronaldo Bild: AFP

Das Jahr 2008 war ein triumphales für Cristiano Ronaldo. Nun wurde der Star von Manchester United als „Weltfußballer des Jahres“ ausgezeichnet. Auf dem Platz kommt der Portugiese allerdings besser zurecht als auf der Straße.

          3 Min.

          Man kann ein ruhiges Leben als Fußballprofi führen. Wenn man nur zwei Dinge beachtet: Man fährt ein vernünftiges Auto. Und man gibt den Ball rechtzeitig ab. Beides ist nicht das, was Cristiano Ronaldo will. Das macht seinen Unterhaltungswert aus. Am Donnerstag fuhr er in einer Flughafen-Unterführung in Manchester seinen Ferrari zu Schrott, blieb mit Glück unverletzt. Drei Tage später behandelte er den Ball wieder, als gehöre er nur ihm.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Und am Montag wurde er auch dafür ausgezeichnet. Bei der Gala des Weltverbandes Fifa wurde Ronaldo als „Weltfußballer des Jahres 2008“ geehrt, Die Wahl war Belohnung für ein triumphales Jahr 2008, in dem der 23-jährige Portugiese mit Manchester United die englische Meisterschaft, die Champions League sowie die Klub-WM gewonnen hatte. Ronaldo siegte mit 935 Punkten vor dem Argentinier Lionel Messi (FC Barcelona/678) und Fernando Torres (FC Liverpool/203). Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack hatte es als einziger Deutscher bis auf die 23 Spieler umfassende Vorschlagsliste der Fifa geschafft und kam auf Platz 14.

          Eigene Ronaldo-Tore verhindert das Schiedsrichtergespann

          Am Sonntag hatte sich Ronaldo beim 3:0 gegen den FC Chelsea, mit dem Meister Manchester United den Herausforderer demontierte, noch nicht ganz auf dem Gipfel der Möglichkeiten der Vorsaison gezeigt (siehe auch: Fußball kompakt: Köln feiert Podolski - Ballack geht mit Chelsea unter). Doch die Querelen um den verhinderten Wechsel zu Real Madrid und die Folgen einer Fußoperation sind verblasst. Ronaldo entnervte Gegenspieler - drei bekamen für Fouls an ihm Gelbe Karten - und bereitete zwei Tore vor.

          Nein, keine Boygroup, sondern die Top-Five des Weltfußballs: Xavi, Torres, Ronaldo, Messi und Kaka (v.l.)

          Nur eigene Tore liefert er noch nicht wieder wie gewohnt, das lag aber auch am Schiedsrichtergespann. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit köpfte er ins Netz, doch die Unparteiischen waren davon genauso überfordert wie die Chelsea-Abwehr. United hatte eine neue Eckball-Finte gezeigt: Rooney schritt mit dem Ball zur Ausführung, legte ihn in den Viertelkreis, drehte dann um, als wolle er dem herbeitrabenden Giggs die Ausführung überlassen.

          „Die erste Runde geht an Alex Ferguson“

          Er tippte den Ball dabei aber schon leicht an, ohne dass es jemand beachtete - bis Giggs, der Komplize in diesem Bauern-Trick, unbehindert mit dem Ball Richtung Strafraum lief. Ehe Chelsea etwas bemerkte, hatte er geflankt und Ronaldo eingeköpft. Doch Schiedsrichter Webb ließ die schlaue Ecke nicht gelten. Die Wiederholung führte Giggs ganz konventionell aus, und Vidic köpfte das 1:0. Kurz vor Schluss traf Ronaldo abermals, wurde wieder fälschlich zurückgepfiffen, wegen Abseits.

          „Die erste Runde geht an Alex Ferguson“, bilanzierte die BBC den Start zur heißen Phase des Meisterrennens. Die üblichen Psychospiele der zweiten Saisonhälfte haben in England schon in der Weihnachtszeit begonnen. Nachdem Steven Gerrard, der Kapitän des Tabellenführers Liverpool, seinen Musikgeschmack zu handgreiflich durchgesetzt und Ärger mit der Polizei bekommen hatte, prophezeite der United-Trainer, Liverpool werde an seinen Nerven scheitern.

          Ferguson legt nach, um den Streit am Köcheln zu halten

          Der Altmeister des Psychospiels piekste ein bisschen, schon platzte der Herausforderer. Trainerkollege Rafael Benitez reagierte mit einer Tirade, nannte Ferguson den einzigen Trainer, der für seine Kommentare gegenüber Schiedsrichtern „nicht bestraft werden kann“ - zeigte also die erhoffte Wirkung. Und weil Liverpool nur 0:0 bei Aufsteiger Stoke spielte, hat Manchester nun die Chance, mit Siegen gegen Wigan und Bolton in Führung zu gehen. Ferguson legte nach, um die Sache am Köcheln zu halten: Die Reaktion von Benitez sei „voller Gift“ und „lächerlich“.

          Zwei Fliegen mit einer Klappe: die eine, Liverpool, aufgescheucht, die andere, Chelsea, einfach beiseitegefegt. Die Chelsea-Elf hätte etwas von dem Gift gebraucht, das ihr der andere Meister der „mind games“ jahrelang erfolgreich eingeflößt hatte: José Mourinho, der mit Inter Mailand in der Champions League gegen United antritt und der den aktuellen Zustand seines früheren Teams von der Tribüne des Old Trafford mit verächtlichem Blick beobachtete. Alle Markenzeichen von Chelsea unter Mourinho - Sicherheit bei Standards, physische Wucht, Zug zum Tor, Stärke im Endspurt - sind unter Luis Felipe Scolari derzeit verschüttet, obwohl das Personal fast identisch geblieben ist.

          „Cristiano ist jung. Gott hat ihm eine Lektion erteilt.“

          Chelsea war nur Staffage „bei der Rehabilitierung Ronaldos als gefährlicher Angreifer“, fand der „Guardian“. Das Blatt sah Ronaldo auf gutem Weg, „sein früheres Selbst wiederzuentdecken, den unwiderstehlichen Spieler vor der Verletzung und der Operation im Sommer“. Und vor den Querelen mit dem Boss. Er gehe zu Real, hatte er nach dem Aus bei der EM gegen Deutschland im Keller des Basler Stadions wissen lassen. Doch Ferguson dachte nicht daran, den weltbesten Spieler der vergangenen Saison aus dem Vertrag zu lassen. Ein Klub kann den körperlichen Wechsel eines Profis verhindern, aber es scheint, als habe Ferguson auch das Schwierigere geschafft: dass Ronaldo mit dem Kopf wieder in Manchester ist.

          Auch mit 67 Jahren hat der Maestro alles im Griff. Er erreichte, dass Ronaldo nun Dinge sagt wie: „Ich bin hier glücklich, ich fühle mich hier zu Hause, hier will ich bleiben.“ Vielleicht half der Unfall. Ein paar Chelsea-Fans riefen Ronaldo im Chor zu: „Du hättest sterben sollen im Tunnel.“ Aber wenn man nicht auf die Idioten hört, kann man lernen. Scolari, bis Juni Nationaltrainer Portugals und dort ein Förderer Ronaldos, sah die Fotos vom zerstörten Sportwagen und empfahl Dankbarkeit: „Cristiano ist jung. Gott hat ihm eine Lektion erteilt.“

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