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Theater um Barcelona-Wechsel : Die nächste Telenovela des Antoine Griezmann

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Glücklich endlich in Barcelona zu sein: Antoine Griezmann – bei Barças Anhängerschaft jedoch hält sich der Jubel über den Transfer in Grenzen. Bild: dpa

Im dritten Anlauf wechselt Antoine Griezmann von Atlético zu Barça. Doch noch streiten die Klubs um weitere 80 Millionen Euro Ablöse. Der Ruf des Franzosen hat unter den ständigen Spekulationen jedenfalls merklich gelitten.

          „Melodramatische und enorm lange Telenovela“: Mit diesen Worten beschreibt die Königliche Spanische Akademie den Begriff „culebrón“. Im spanischen Fußball gibt es jeden Sommer einen „culebrón“, ein Thema, das in der Spielpause die Seiten der Sportpresse füllt. Vom Thema Antoine Griezmann gibt es jetzt sogar eine dritte Staffel. Nachdem der französische Stürmer schon 2017 über einen Wechsel nach Barcelona nachgedacht hatte und in der zweiten Folge im vergangenen Sommer in einer von Barças Innenverteidiger und erfolgreichem Geschäftsmann Gerard Piqué produzierten Doku verkündete, doch bei Atlético Madrid zu bleiben, erklärt er jetzt ebenfalls in einem Video: „Mein Vater hat mir erklärt, dass die Züge im Leben nicht nur einmal in dieselbe Richtung abfahren.“ Von Madrid aus fahren jeden Tag sogar 17 Züge nach Barcelona. Einen davon hat Griezmann jetzt genommen.

          Allerdings findet sich im Wörterbuch der Königlichen Spanischen Akademie noch eine zweite Definition für „culebrón: „Listiger und verschlagener Mann.“ So sehen sie ihn inzwischen nicht nur bei Atlético, sondern immer noch in Barcelona. Immerhin konnte er beim Vertragspoker vor einem Jahr nicht nur sein Gehalt von 12 Millionen Euro verdoppeln, er erreichte damals auch, dass seine Ablösesumme nach der Saison sank. Dies nutzte der Franzose nun aus.

          Im Mai nahm Griezmann mal wieder ein kleines Video auf. Er habe mit Trainer Cholo Simeone und dem Vorstand gesprochen. Das Ergebnis: Er brauche neue Herausforderungen. Die Entscheidung sei ihm angeblich nicht leichtgefallen. Schließlich habe er bei Atlético seine ersten Titel gewonnen, es seien fünf unglaubliche Jahre gewesen, aber er habe die Entscheidung getroffen, den Verein zu verlassen. Miguel Ángel Gil Marín, Atléticos Geschäftsführer, sagte darauf, er wisse seit März, dass Griezmann zum FC Barcelona wechsele. Doch dann wurde es lange Zeit still um den Franzosen. Atlético schickte Griezmann zuletzt sogar noch eine Aufforderung, zum Training zu erscheinen. Schließlich war er da ja noch offiziell beim Madrider Klub beschäftigt.

          Erst am Wochenende hat der FC Barcelona nun den Wechsel offiziell bestätigt, bis 2023 hat Griezmann unterschrieben. Die späte Bekanntgabe der Nachricht, die eigentlich ein offenes Geheimnis war, hat einen einfachen Grund: Mit dem 1. Juli reduzierte sich die festgeschriebene Ablösesumme von 200 auf 120 Millionen Euro. Darum will Atlético nun gegen den FC Barcelona klagen. Die Katalanen seien sich mit den Franzosen längst einig gewesen, weshalb noch 80 Millionen Euro nachzuzahlen seien, findet Ángel Marín.

          So sehen sie es auch auf den Rängen. Griezmann war nie der ganz große Liebling. Zu lange brauchte er stets, die in jeder Sommerpause aufkommenden Spekulationen um seine Zukunft aufzuklären. Zu groß war aber vor allem die Enttäuschung über seine Leistungen. 21 Tore erzielte er zuletzt, acht weniger als in der Vorsaison. Vor allem in den Topspielen hatten sie von ihm mehr erwartet. Beim letzten Aufeinandertreffen gegen den FC Barcelona, das die Katalanen 2:0 gewannen, erzielte Messi beide Treffer, schoss 21 Mal aufs Tor. Griezmann kam hingegen nicht über neun Torschüsse hinaus, die entweder ins Aus gingen oder eine leichte Beute für Torwart Ter Stegen waren. In der Champions League schied Atlético im Achtelfinale gegen Juventus Turin sang- und klanglos 0:3 aus, Griezmann ging zusammen mit seinem Klub unter. Da habe er schon mit Barça verhandelt, wirft ihm die Klubführung vor.

          Dennoch ist der Wechsel zu einem Verein mit größeren Titelchancen in den internationalen Wettbewerben aus Sicht des Franzosen ein folgerichtiger Schritt. Bei Barça kann er ein taktisches Schema erwarten, bei dem die Offensivkräfte mehr glänzen können als unter dem Defensivspezialisten Simeone. Doch auch bei seinem neuen Klub ist nicht jeder glücklich über die neue Verpflichtung. Spanische Medien berichten sogar von Vereinsaustritten aus Protest. Er habe die „culés“ in seinem Dokumentarfilm ausgelacht, als er vor einem Jahr verkündet hatte, nun doch nicht zu wechseln, meinen viele Fans in Umfragen. Andere verzeihen Griezmann zwar seine Inszenierungen, sind aber skeptisch, ob er ins Konzept von Ernesto Valverde passt. Immerhin hat der Trainer ja mit Messi, Suarez und Dembélé schon drei Topstürmer im Kader. Zumal der Verein auch noch versucht, Neymar zurückzulocken – und auch dabei auf Widerstand der Fans stößt. Die Sportzeitung „El Mundo Deportivo“ befragte Ende Juni 250 Vereinsmitglieder, zwei Drittel davon lehnten eine Rückkehr des Brasilianers ab. Neymar müsste also Buße tun, zum Beispiel auf einen Teil der 32 Millionen Euro verzichten, die er pro Jahr in Paris verdient. Barça ist der Zeitung zufolge nicht bereit, dem Brasilianer mehr als die 22 Millionen Euro zu zahlen, die er vor seinem Wechsel 2017 von Barcelona an die Seine bekam.

          Auch Griezmann wird in Barcelona wohl weniger verdienen. Er muss künftig nur noch mit 18 Millionen Euro auskommen statt der 23, die er bei Atlético verdient haben soll. Doch es bleibt fraglich, ob das seinen Ruf verbessert. Jeden Torerfolg feiert er mit einem mit Daumen und Zeigefinger auf die Stirn gezeichneten „L“. Das steht für Loser. Inzwischen kommt der verschlagene Stürmer in den Ruf, dass das nicht nur den gegnerischen Spielern gilt, sondern auch den Klubs.

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