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Wittershagens Wochenschau : 40 Millionen sind nicht alles

Der britische Fußballspieler Wayne Rooney zeigt: Ein hohes Gehalt kann nicht über alles hinwegtäuschen. Bild: dpa

Es ist das liebe Geld, das viele Fußballspieler neuerdings nach China lockt. Aber nicht alle! Gerade ein Millionär stellt unter Beweis, dass ein noch höheres Gehalt eben doch nicht alles ist.

          Chapeau: Vierzig! Millionen! Euro! Im Jahr! Wirklich! Das soll die Summe sein, mit der Wayne Rooney in die chinesische Super League gelockt werden sollte. Wer kann da noch widerstehen? Carlos Tévez, die Brasilianer Oscar, Hulk und Ramires, Jackson Martínez, sogar der Ungar Szabolcs Huszti von Eintracht Frankfurt wurden zuletzt schwach, sie leben und spielen nun in der Fußball-Diaspora.

          Chapeau – wir ziehen den Hut!

          Rooney hat darauf keine Lust - und meldete sich deshalb mit einem Treuebekenntnis zu Wort: „Ich will, dass die Gerüchte ein Ende haben, und erkläre, dass ich bei Manchester United bleiben werde.“ Sicher, auch dort wird er mit Millionen für seine Dienste bezahlt, aber der Mann hat offenbar noch mehr im Sinne als nur das Geld.

          Ein China-Wechsel hätte seine Nationalmannschafts-Karriere vermutlich auf einen Schlag beendet, Rooney wäre durch die Hintertür von der Rasenfläche verschwunden - mitten hinein in die Bedeutungslosigkeit. Darauf hat er keine Lust. Und damit ist ausgerechnet ein Millionär der Beweis dafür, dass Geld eben doch nicht alles ist.

          Attaque – hier wird angegriffen!

          Attaque: Es ist an der Zeit, in die Niederungen zu blicken, nach Frankfurt an den Bornheimer Hang. Fußball, dritte Liga, Abstiegskampf, das ist dort derzeit die Realität - und für uns an dieser Stelle eigentlich kein Grund, dorthin zu blicken. Aber: Es geht um Steuergeld! Rund dreißig Millionen Euro sind seit Ende 2007 in den Um- und Ausbau des Stadions geflossen - für ein Minderheiten-Publikum, das muss man so deutlich sagen.

          In dieser Saison kamen bisher durchschnittlich 3465 Zuschauer zu den zwölf Heimspielen, was einer Auslastung von lediglich 27,62 Prozent entspricht. Mit den dreißig Millionen hätte man also auch andere Sachen anstellen können. Schulden tilgen zum Beispiel - das Land Hessen steht derzeit mit rund 46 Milliarden Euro in der Kreide.

          Oder kluge Investitionen tätigen - nicht nur in Frankfurt klagen Eltern über unhygienische Toilettenanlagen an Schulen, über zu wenige Turnhallen und schlecht ausgestattete Klassenräume. Mit dreißig Millionen Euro kann man da viel anstellen. Und davon würden weit mehr Leute profitieren als 3465 Tribünengäste im Drittliga-Abstiegskampf und ein kleiner Stadtteilverein.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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