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Rassismus im Stadion : Warum Italiens Fußball seine radikalen Fans nicht stoppt

„Der italienische Fußball hat sich nicht verändert“: Mauro Icardi und der rassistisch beleidigte Kalidou Koulibaly (rechts). Bild: Reuters

Seit Jahren sind diskriminierende und rassistische Beleidigungen an der Tagesordnung im italienischen Fußball. Doch es ändert sich wenig. Warum nur? Die Antwort macht das erschreckende Dilemma deutlich.

  • -Aktualisiert am
          4 Min.

          Es war der Abend des 13. Mai 2018, ein Sonntag. Sampdoria Genua spielte in der italienischen Serie A gegen den SSC Neapel. Weil die Sampdoria-Anhänger minutenlange Sprechgesänge anstimmten, mit dem Wunsch, der Vesuv möge die Neapolitaner mit Lava überschütten, fasste sich Schiedsrichter Claudio Gavillucci ein Herz. Erst ließ er die Tifosi vom Stadionsprecher verwarnen. Als das auch nichts half, pfiff Gavillucci ab und versammelte drei Minuten lang beide Mannschaften im Mittelkreis. Das Eingreifen hatte Erfolg. Augenzeugen berichten, das Spiel sei in einer friedlichen Atmosphäre zu Ende gegangen.

          Gavillucci wurde bekannt, weil er als einer der ersten Schiedsrichter überhaupt das Anti-Diskriminierungs-Reglement des italienischen Fußballverbands anwendete. Sein Pflichtbewusstsein bezahlte der 39-Jährige allerdings mit einem Karriereknick, er wurde zum Ende der vergangenen Spielzeit ausgesondert. Die zuständige Kommission begründete ihre Entscheidung mit „technischen Motiven“. Gavillucci, der aus Latina bei Rom stammt, klagte. Zweimal wurde sein Rauswurf gerichtlich bestätigt. Dieser Tage wird das letztinstanzliche Urteil erwartet. „Wer weiß, warum seine Entscheidung, das Spiel zu unterbrechen, sich nicht positiv auf das Urteil der Schiedsrichterbeobachter ausgewirkt hat?“, fragt Gavilluccis Anwalt Gianluca Ciotti.

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