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Real Madrids Gareth Bale : Beine aus Glas

  • -Aktualisiert am

Im Pokalhinspiel gegen den FC Barcelona wurde Gareth Bale erst in der zweiten Hälfte eingewechselt. Bild: AFP

Gareth Bale zeigt offen seinen Frust. Der Großverdiener von Real Madrid verlangt einen Stammplatz. Doch während seiner vielen Verletzungspausen profilieren sich andere.

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          Die sollen ihre Tore feiern, wie sie wollen. Mir ist wichtig, dass sie welche machen.“ Santiago Solari lässt sich von Journalisten keinen Nebensatz entreißen, den er nicht gedruckt sehen möchte, in seinem eiskalten Blick sind weder Verärgerung noch Lächeln zu erkennen. Am Wochenende gegen Levante war dem Trainer von Real Madrid nur wichtig, dass Gareth Bale den entscheidenden Elfmeter zum 1:2 verwandelt hat, nicht, dass er sich darüber nicht mit seinen Mitspielern freuen wollte. Stattdessen löste sich Bale mit ernster Miene aus der Umarmung seines Stürmerkollegen Lucas Vázquez. Der deutliche Frust des Walisers hat einen Grund: Wieder hatte er nicht in der Startelf gestanden, sondern wurde erst eine Viertelstunde vor Schluss eingewechselt.

          Ausgerechnet vor der wichtigsten Woche in der ganzen Saison mit gleich zwei Spielen gegen den FC Barcelona in Liga (Samstag, 02. März 2019 um 20.45 Uhr live auf DAZN) und Copa – das erste davon an diesem Mittwoch im Pokal (um 21 Uhr live auf DAZN) – und vor dem Achtelfinale in der Champions League gegen Ajax Amsterdam nächste Woche sorge Bale für schlechte Stimmung im Kader, beschreibt „El País“ die Situation. Selbst auf der Bank fühlt sich der Waliser Bale nicht mehr ernst genommen. Lange wärmte er sich gegen Levante an der Bande zusammen mit Asensio und Valverde auf. Doch als Solari wechselte, brachte er in der 70. Minute zunächst den Mittelfeldspieler Valverde für Toni Kroos ins Spiel, nicht Bale, der sich wütend zurück auf die Bank setzte. Auch die Aufforderungen des Konditionstrainers Pintus und seiner Mitspieler auf der Bank, sich weiter fit zu machen, animierten ihn nicht. Mit finsterer Miene überkreuzte er die Beine und blickte ins Leere. Solari brachte ihn fünf Minuten später dennoch ins Spiel.

          2013 war Bale von Tottenham nach Madrid gekommen, 24 Jahre war er da alt, und die Erwartungen waren enorm. Immerhin hatte er den Verein mehr als 100 Millionen Euro gekostet, damals war das der teuerste Transfer in der Geschichte des bezahlten Fußballs. Nach den Vorstellungen des Präsidenten Florentino Pérez sollte er schrittweise in die Rolle des vier Jahre älteren Cristiano Ronaldo hineinwachsen. Doch dazu ist es nie gekommen.

          Der Topverdiener bleibt nur zweite Wahl

          „Ich muss jede Woche spielen, und das ist nicht passiert. Ich muss mich mit meinem Berater zusammensetzen und mich mit ihm über meine Zukunft beraten“, sagte Bale nach dem Champions-League-Finale gegen den FC Liverpool im vergangenen Jahr. Da hatte er zum 3:1-Sieg, dem dritten Triumph in der Champions League nacheinander, gerade zwei Tore beigesteuert, darunter einen spektakulären Fallrückzieher. Hinterher war Bale noch zum besten Spieler gewählt worden. Doch wieder hatte er sich den größten Teil des Finales nur von der Bank ansehen müssen, durfte nur eine knappe halbe Stunde mitspielen. Dabei ist er mit einem Jahreseinkommen von 15 Millionen Euro netto im Jahr laut der Tageszeitung „El País“ nach dem Abschied von Ronaldo zu Juventus Turin der Bestverdiener im ganzen Kader. Schon Zinédine Zidane bemängelte, dass sich diese „Gehaltshierarchie“ nicht auch in den Leistungen auf dem Platz spiegele.

          Zu Beginn der Saison schienen sich Bales Stammplatzambitionen doch noch zu verwirklichen. Endlich durfte Linksfuß Bale auch auf der bis dahin von Ronaldo besetzten linken Seite stürmen. Der neue Trainer Lopetegui zählte auf ihn, er dankte ihm mit drei Toren in den ersten drei Spielen. Doch dann rutschte die ganze Mannschaft in die Krise, auch Bale traf nicht mehr. Dennoch stellte ihn auch Santiago Solari anfangs noch von Beginn an auf, als er im Oktober Lopetegui ablöste. Doch im Dezember verletzte sich Bale, wie schon so oft, erst am Knöchel und dann abermals an der Wade. Fünf Spiele fiel er aus.

          Ist er gesund, ist Bale schnell, wuchtig und präzise im Abschluss, so wie zuletzt beim dritten Treffer seines Teams zum 3:1 gegen Atlético im Stadtderby. Doch seine athletische Spielanlage macht ihn auch extrem verletzungsanfällig. Die Madrider Sportpresse nennt ihn schon lange „den Spieler mit den Beinen aus Glas“. Seit seiner Verpflichtung hat er sich nun schon 23 Mal verletzt, hat „El Mundo Deportivo“ nachgerechnet, in 87 Pflichtspielen stand er aus diesem Grund nicht im Kader. Und in dieser Zeit spielen sich immer wieder andere in den Vordergrund. Inzwischen kommt er an keinem der Außenstürmer, dem erst 18-jährigen Brasilianer Vinicius auf links und Lucas Vázquez auf rechts, vorbei. Insbesondere Vázquez spielt zwar wenig spektakulär, sucht aber mehr als Bale das Zusammenspiel mit seinen Nebenleuten und verteidigt auch effektiv. Beim 1:1-Hinspiel in der Copa gegen Barça machte der 27-jährige Galicier ein Tor und im Anschluss seine Seite dicht.

          Bale hingegen wurde wieder einmal nur für die letzte halbe Stunde eingewechselt. Und alles deutet darauf hin, dass der Topverdiener im Kader auch im Rückspiel an diesem Mittwoch nur zweite Wahl sein wird.

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