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Pokal-Spektakel in Bremen : Warum für den FC Bayern so viel auf dem Spiel steht

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Will mit seinem Team unbedingt den DFB-Pokal gewinnen: Bayern-Trainer Niko Kovac Bild: EPA

100 Stunden nach dem Liga-Duell geht der Klassiker in Runde zwei. Münchens Trainer Kovac könnte dabei eine beeindruckende Pokal-Bestmarke glücken. Die Partie ist aber noch aus einem anderen Grund äußerst wichtig.

          Der FC Bayern kämpft ums Double, Niko Kovac um den Final-Hattrick – und Werder Bremen um den ersten Titel seit zehn Jahren. Vor dem Halbfinale des DFB-Pokals packt dieser legendäre Nord-Süd-Klassiker beide Vereine emotional so stark wie schon lange nicht mehr. „Werder Bremen kann nach langer Zeit mal wieder ein Finale erreichen. Ich glaube, dass die ganze Stadt und das Publikum elektrisiert sind“, umschrieb Bayern-Coach Kovac die Bedeutung der letzten Hürde vor dem Finale am 25. Mai in Berlin. „Das ganze Land, die ganze Welt schaut auf das Pokalfinale. Ein Teil dessen zu sein, ist schon etwas Tolles.“

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          Vier Siege bis zur Meisterschale und zwei Erfolge bis zum Pott, lautet die Münchner Mia-san-Mia-Hochrechnung. „Ich will nicht zusätzlich Druck ausüben. Wir haben schon genug Druck“, sagte Präsident Uli Hoeneß nach dem 1:0-Erfolg über Werder in der Liga. Nur 100 Stunden liegen zwischen diesem Duell und dem an diesem Mittwoch (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal sowie in der ARD und bei Sky). „Ich hätte mir nicht unbedingt ein Halbfinale in Bremen gewünscht, weil die wieder richtig stark geworden sind“, warnte Hoeneß. Im Pokal sind sie das zu Hause sowieso: 37 Heimspiele und 31 Jahre gab es im Weser-Stadion keinen Auswärtssieg in dem Wettbewerb mehr.

          Werder erlebt unter Trainer Florian Kohfeldt eine wahre Renaissance und hat nach frustrierenden Jahren auch in der Bundesliga wieder den Anschluss zu den Spitzenklubs hergestellt. Das erste Endspiel seit 2010 lockt, der erste Titel seit dem Pokalsieg 2009 ist der hanseatische Traum. „Die Art und Weise, wie man über Werder Bremen spricht, hat sich in den letzten 12 bis 15 Monaten verändert. Aber das Pokalfinale wäre noch einmal ein Ausrufezeichen“, sagte Sportchef Frank Baumann am Dienstag. „Ich glaube, dass wir wieder deutlich näher an die Bayern herangerückt sind.“

          Rückschlüsse vom Liga-Duell für das „Tod-oder-Gladiolen“-Spiel, wie es Hoeneß an Anlehnung an den früheren Coach Louis van Gaal nannte, zieht keiner. „Das wird eine andere Geschichte“, prognostizierte der 40-jährige Claudio Pizarro. Für den ewigen Torjäger soll das vielleicht letzte Duell seiner zwei Klubs, aber nicht das letzte große Spiel werden.

          18-Mal gewann der FC Bayern in 22 Endspielen den Pokal, Bremen glückte das in zehn Finals sechsmal. Kovac könnte der erste Bundesliga-Trainer sein, der in seinen ersten drei Pokal-Spielzeiten dreimal das Endspiel erreicht. „Es ist der kürzeste Weg zum Titel. Nicht der leichteste, aber der kürzeste“, sagte der Kroate, der im Vorjahresendspiel mit Eintracht Frankfurt die Münchner düpierte.

          In dieser Saison muss Kovac in München Erfolge vorweisen – und er ist auf dem besten Weg. „Es gibt keine Jobgarantie beim FC Bayern – für Niemanden. Das ist auch gut so, jeder muss beim FC Bayern liefern“, stellte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge kürzlich noch einmal fest. Kovac befasst sich nicht mit einem Scheitern. „Wir und ich möchten alle beide Titel gewinnen. Das Was-ist-wenn interessiert mich nicht“, erklärte der Coach zwei Tage vor dem Pokalduell.

          Bayern wartet schon seit 2016 auf den Pott, muss aber erst einmal das Finalticket buchen. „Wir wollen die Bremer genauso in der Defensive bearbeiten, dass die Kreativspieler um Max Kruse gar nicht in ihr Spiel finden“, sagte Kapitän Thomas Müller. Wobei sich der Einsatz des am Oberschenkel verletzten Kruse erst am Spieltag entscheidet.

          Zum neunten Mal gibt es das bayerisch-hanseatische Kräftemessen im Pokal. Achtmal kam der Sieger von der Isar, nur einmal von der Weser – im Elfmeterschießen des Finales 1999. „Wir werden alles raushauen und mutig auftreten“, sagte Baumann, dessen Team im Achtelfinale bereits beim großen Favoriten in Dortmund triumphierte. „Wir haben in dieser Pokalsaison auch schon schwere Momente gehabt, die Auslosung der Spiele in Dortmund und Schalke zum Beispiel“, sagte Kohfeldt. „Aber es schwang auch schon immer mit: Das wird zwar schwer, aber wir haben ein Ziel. Wir wollen nach Berlin ins Finale!“

          Das betonte auch Kovac, der den Knisterfaktor des Flutlichtspiels hervorhob. „Abendspiele haben immer eine ganz anderer Wirkung. Sie sind für mich immer das Beste und das Schönste gewesen“, sagte der 47-Jährige. Nach der Roten Karte beim irrwitzigen 5:4 im Viertelfinale gegen Heidenheim muss Kovac auf den gesperrten Niklas Süle verzichten. Mats Hummels meldete sich nach einer Zerrung fit.

          Im Tor steht beim Tabellenführer abermals Sven Ulreich anstelle des verletzten Manuel Neuer – und er verspürt schon eine besondere Atmosphäre: „Es ist ein Abendspiel, ein Flutlichtspiel. Da ist das Kribbeln noch etwas größer.“

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