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Kontakt zu Wettbetrügern? : Weshalb die Uefa gegen Davor Śuker ermittelt

  • Aktualisiert am

Im Zwielicht: Kroatiens Fußballpräsident Davor Suker Bild: Picture-Alliance

Weil er für den verurteilten Wettbetrüger Sapina Geld auf Europapokalspiele gesetzt haben soll, untersucht die Uefa das Treiben des kroatischen WM-Torschützenkönigs von 1998. Zwar bestreitet Davor Suker die Vorwürfe – doch die Hinweise sollen eindeutig sein.

          Die Europäische Fußball-Union (Uefa) ermittelt gegen ihr kroatisches Exekutivmitglied Davor Śuker. Das berichtet der „Deutschlandfunk“. Gegenstand der Untersuchung ist der angebliche Kontakt Śukers, der seit 2013 Präsident des kroatischen Fußballverbandes Hrvatski Nogometni Savez (HNS) ist, zum verurteilten Betrüger Ante Sapina. Der „Deutschlandfunk“ hatte unter Bezug auf Ermittlungsakten der Bochumer Staatsanwaltschaft von regen Kontakten zwischen dem Wettbetrüger Śapina und dem WM-Torschützenkönig von 1998 im Jahr 2009 berichtet, der durch abgehörte Telefonate und SMS dokumentiert sei.

          Demnach sollte Śuker in Śapinas Auftrag Geld auf wenigstens drei Fußballspiele, eine Partie in der Champions League sowie zwei Europa-League-Spiele plazieren. Zudem sollte der prominente frühere Profi von Real Madrid, dem FC Sevilla, dem FC Arsenal und dem TSV 1860 München zwischen Śapina und einem englischen Buchmacher vermitteln, der sich weigerte, Śapina Gewinne auszuzahlen. Śuker bestreitet die Vorwürfe.

          Europaweites Treiben der Betrüger

          Śapina, Sohn kroatischer Eltern aus Berlin-Charlottenburg, war im Zuge des sogenannten „Hoyzer-Skandals“ als Wettbetrüger bekannt geworden. Nachdem er seine Haftstrafe aus jenem Fall verbüßt hatte, war er in noch weit größerem Umfang ins Geschäft mit manipulierten Fußballspielen eingestiegen. Das europaweite Treiben eines Rings von Betrügern um Śapina war Ende 2009 bekanntgeworden, als die Bochumer Staatsanwaltschaft, die bei Ermittlungen im Rotlichtmilieu des Ruhrgebiets auf die Manipulationen gestoßen war, ihre Ermittlungen bekanntmachte und zahlreiche Verdächtige festnahm. 2011 war Śapina zunächst zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden, der Bundesgerichtshof hob das Urteil jedoch auf. Im April 2014 wurde er rechtskräftig zu fünf Jahren Haft verurteilt.

          Heikel ist die Angelegenheit für die Uefa vor allem deshalb, weil sie seit langem in engem Kontakt zu den Bochumer Ermittlern steht, im Besitz der Ermittlungsakten ist und demnach auch über Śukers Kontakte zu Śapina Kenntnis gehabt haben müsste. Erst im März ist der HNS-Präsident ins Exekutivgremium des Kontinentalverbandes gewählt worden. Am Montag und Dienstag tagt die Uefa-Exekutive am Rande der U-21-Europameisterschaft in der tschechischen Hauptstadt Prag; der Fall Śuker dürfte zu einem Thema werden.

          Śuker ist mit 45 Treffern in 69 Länderspielen der Rekordtorschütze der kroatischen Nationalmannschaft. Mit Śuker bezwang das Team bei der Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich im Viertelfinale Deutschland mit 3:0 und belegte Platz drei. Śuker ist inzwischen 47 Jahre alt. Er war vor zwei Jahren zum Präsidenten des kroatischen Fußballverbandes gewählt worden, ohne dass er zuvor eine Funktionärslaufbahn eingeschlagen hatte.

          Sein Verband hatte erst Mitte des Monats für Schlagzeilen gesorgt, weil sich auf dem Rasen des Stadions in Split, wo Kroatien gegen Italien ein Qualifikationsspiel zur EM 2016 (1:1) vor leeren Rängen austrug, ein Hakenkreuz abzeichnete, das offenbar mit Chemikalien ins Gras geätzt worden war. „Bin ich darüber verärgert? Ja“, hatte Śuker gesagt. Die Uefa will den Fall am 16. Juli beraten.

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