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Die nächste HSV-Anleihe : Ein pikantes 17-Millionen-Projekt

  • -Aktualisiert am

Werden abermals zur Kasse gebeten: Anhänger des Hamburger SV können über eine Fananleihe Geld in ihren Verein investieren. Bild: Picture-Alliance

Der Finanzvorstand des Fußballklubs sagt: „Wir sind ausreichend stabil.“ Dennoch braucht der Hamburger SV eine neue Fananleihe. Das klingt nach Schulnote vier. Tatsächlich ist die Lage ernst.

          Die Überschrift der 144 Seiten langen Broschüre klingt sachlich: „Wertpapierprospekt HSV-Anleihe 2019/26“. Wer will, kann dann regelrecht stöbern im Hamburger SV, seinen Erfolgen, Misserfolgen und Finanzen. Dieser „Beipackzettel“, wie der Aufsichtsrats-Chef Max-Arnold Köttgen ihn nannte, informiert über ein neues Finanzvorhaben, mit dem die HSV Fußball AG bis September möglichst 17,5 Millionen Euro einnehmen will. Es ist die zweite „Fananleihe“ des HSV. Wobei der Begriff irreführend ist. Denn nicht nur Fans sollen angesprochen werden und möglichst viele Anleihen in Höhe von einzeln 100 oder 250 Euro kaufen, sondern auch andere Anleger, die vielleicht nichts mit dem HSV zu tun haben, aber sechs Prozent Verzinsung schätzen.

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          Der Hintergrund der Anleihe ist aus HSV-Sicht pikant. Bekanntlich hatte der Verein 2012 die sogenannte Jubiläumsanleihe in Höhe von 17,5 Millionen Euro aufgelegt. Mit diesem Geld der Fans sollte das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) am Volkspark gebaut werden. Letztlich aber nutzte der HSV die Einnahmen damals, um Löcher im laufenden Etat zu stopfen. Das NLZ wurde nur gebaut, weil der Hamburger Sport-Gönner Alexander Otto bereit war, zehn Millionen aus seiner Stiftung zu spendieren. Das Geld aus der Anleihe ist weg, trotzdem muss sie in diesem September ausgezahlt werden. Diesem Zweck dient nun die neue Anleihe. Beim HSV geht man davon aus, abermals 17,5 Millionen Euro einzusammeln. Das Geld muss verzinst in sieben Jahren zurückgezahlt werden.

          Wer die 144 Seiten liest, stößt mehrfach auf das Wort „Insolvenz“. Aus Sicht des Vereins hat das nichts mit einer tatsächlichen Nähe des HSV zur Zahlungsunfähigkeit zu tun. Frank Wettstein, der Finanzvorstand des HSV, sagt: „Als Emittent von Wertpapieren erfüllen wir die rechtlichen Anforderungen an Prospekte und weisen auch auf solche Risiken hin, die in Extremfällen eintreten können.“ Das sei ein Muss. Wettstein kennt die spezielle Lage des hoch verschuldeten HSV, mit den Abhängigkeiten vom Hauptanteilseigner Klaus-Michael Kühne und den roten Zahlen der vergangenen acht Geschäftsjahre seit 2010/11.

          Ein Minus von 5,8 Millionen Euro war es im Geschäftsjahr 2017/18, ein noch höheres Minus wird es wegen des Abstiegs aus der Fußball-Bundesliga im laufenden Geschäftsjahr sein. Wettstein verdeutlicht, dass ihm ein prall gefülltes Festgeldkonto lieber wäre, was auch sonst. Zur allgemeinen Finanzlage der HSV Fußball AG sagt er: „Wir sind ausreichend stabil.“ Das klingt nach Schulnote vier. Und so ist es dann wohl auch. An der neuen „Fananleihe“, einem transparenten Investment zur Umfinanzierung, kann Wettstein nichts Negatives erkennen.

          Sieht die Finanzlage des Vereins stabil: Frank Wettstein, Finanzvorstand der HSV.

          Auch in zwei anderen Bereichen ist von guten Gesprächen die Rede. Zum einen geht es um die mögliche Rückzahlung eines Darlehens an Kühne in Höhe von 13,7 Millionen Euro plus möglicher Zinsen. Davon ist ebenfalls im Wertpapierprospekt die Rede. Aber nur im Sinne einer Warnung. Kühne und der HSV behaupten, in ordentlicher Weise zu kommunizieren. Das betrifft auch das auslaufende Namensrecht am Stadion. Das hatte Kühne für vier Millionen Euro pro Jahr erworben und aus der Arena wieder das Volksparkstadion gemacht.

          Zum einen möchte HSV-Vorstand Bernd Hoffmann, dass der Verein unabhängig von Kühne geführt wird. Zum anderen soll der Kontakt zum Milliardär bestehen bleiben, um die vielfältigen Verflechtungen zwischen ihm und dem Verein im Sinne des HSV zu nutzen. Daran arbeiten Hoffmann, Wettstein und auch die sportliche Führung um Trainer Hannes Wolf und Sportchef Ralf Becker. Dazu wird gerade diskutiert, ob der am Saisonende auslaufende Vertrag mit dem Hauptsponsor verlängert werden könne.

          Man bekommt eine Vorstellung, wie intensiv beim HSV am Thema Finanzierung gearbeitet werden muss. Kein Wunder, wenn ein Verein jahrelang über seine Verhältnisse gelebt hat. An diesem Dienstag (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal und bei Sky) gibt es eine vergleichsweise einfache Möglichkeit, mit dem Fußball Geld zu verdienen: durch einen Sieg im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen den 1. FC Nürnberg.

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