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DFB und die Funiño-Reform : Ein Kinderspiel sorgt für Diskussionen

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Der ehemalige Hockey-Bundestrainer Horst Wein (Bild rechts) hatte nach seinem Wechsel in die Fußball-Ausbildung schon in den Achtzigerjahren ein Funiño-Konzept entwickelt. Bild: Picture-Alliance

Auf der Agenda des DFB-Präsidiums steht die Kinder-Spielform Funiño. Damit soll der Nachwuchs besser werden. Das Konzept ist eigentlich ganz einfach, sorgt aber nicht bei allen für Begeisterung.

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          Was ist eigentlich Funiño? Am besten nähert man sich über den Begriff an. Das Wort setzt sich zusammen aus dem englischen Wort für Spaß und dem spanischen für Kind. Tatsächlich handelt es sich dabei um eine Fußball-Spielform für die Jüngsten, grob beschreiben könnte man es so: Drei gegen Drei auf vier kleine Tore ohne Torhüter. Ein Kinderspiel also, das aber bei manchem Erwachsenen große Sorgenfalten verursacht.

          Denn es könnte in deutschen Fußballvereinen schon bald häufiger zur Anwendung kommen, als es einigen lieb ist. An diesem Freitag tagt das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und dabei wird es auch um Funiño gehen. „Das von Ihnen angesprochene Thema steht als Teil eines Gesamtkomplexes auf der Agenda der Präsidiumssitzung“, teilte der DFB auf Nachfrage mit. Steht die DFB-Spitze Funiño positiv gegenüber, wird der DFB seinen Landesverbänden zur kommenden Saison eine entsprechende Reform empfehlen.

          Demnach könnten dann die Fünf- bis Neunjährigen künftig Funiño spielen, erst ab der D-Jugend würde wieder „normal“ in größeren Teams auf zwei Tore mit Torhütern gekickt. „Wir wollen eine zentrale Kampagne fürs neue Spieljahr“, bestätigte DFB-Vizepräsident Hans-Dieter Drewitz dem „Kicker“ schon im April.

          Meikel Schönweitz, Cheftrainer der U-Nationalmannschaften beim DFB, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Die neuen Spielformen sollen allen Kindern auf dem Platz so häufig wie möglich die Chance geben, Einsatzzeiten zu erhalten, den Ball selbst am Fuß zu haben, eigene Aktionen zu haben, Tore zu erzielen und damit persönliche Erfolgserlebnisse zu haben.“ Das neue Konzept soll zwar keine Anordnung sein, sondern nur eine Empfehlung. Wenn also ein Verein oder Fußballkreis seine Jüngsten gerne weiter im Sieben gegen Sieben auf zwei normalgroße Tore spielen lassen möchte, führt das nicht zu Sanktionen seitens des DFB. Dennoch wird im Amateurlager seit dem Bekanntwerden der Funiño-Pläne teils heftig diskutiert.

          Zunächst mal gibt es die finanzielle Sorge. Viele Vereine fragen sich: Wer bezahlt mir denn die ganzen Mini-Tore, die ich dafür anschaffen müsste? Dann gibt es die sportlichen Fragezeichen. Der frühere Weltmeister-Keeper Bodo Illgner äußerte sich angesichts der DFB-Pläne in einer „Kicker“-Kolumne besorgt über die künftige Ausbildung von Torhütern. „Man sollte sie nicht erst mit 10 oder 11 ins Tor lassen“, schrieb der 52-Jährige. „Es ist schon ein Problem, wenn ein Torwart zwischen 6 und 10 Jahren, der eh noch nicht so oft trainiert, nicht mal seine Grundregeln bekommt oder vertieft.“ Aber sind all diese Sorgen berechtigt? Überwiegen nicht die Vorteile dieser Spielform?

          Der ehemalige Hockey-Bundestrainer Horst Wein hatte nach seinem Wechsel in die Fußball-Ausbildung schon in den Achtzigerjahren ein Funiño-Konzept entwickelt. Seit der DFB spätestens nach der desolaten WM in Russland erkannt hat, dass die Ausbildung technisch starker Individualisten zu kurz kommt, könnte Funiño nach Überzeugung des Verbandes ein Baustein auf dem Weg zur Besserung werden.

          Jedes Kind bekommt die Chance auf deutlich mehr Ballkontakte und Torerfolge, es gibt kaum Wartezeiten, und selbst die zahlreichen Vereine auf dem Land dürften angesichts der geringen Anzahl an Spielern kaum Probleme haben, Mannschaften zu stellen. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass das Feedback der Kinder sehr gut ist und dass diese Spielform Sinn ergibt“, sagt Schönweitz.

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