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Fußball-EM 2020 : Warum Deutschland eine Hammergruppe droht

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Werden in der EM-Qualifikation voll gefordert sein: Bundestrainer Joachim Löw (links) und Nationalspieler Leroy Sané. Bild: dpa

24 Mannschaften, 51 Spiele, 12 Ausrichter-Nationen: In dieser Woche startet die Qualifikation für die Fußball-Europameisterschaft 2020. FAZ.NET gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Turnier. Denn die DFB-Elf steht prompt unter Druck.

          Joachim Löw rechnet fest mit einer Teilnahme an der EM 2020. Den Gruppensieg in der diese Woche beginnenden Qualifikation hat der Bundestrainer allerdings bei den Kontrahenten Niederlande, Nordirland, Weißrussland und Estland nicht als Ziel ausgegeben. Auch als Gruppenzweiter wäre die deutsche Fußball-Nationalmannschaft sicher bei der Endrunde des Pan-Europa-Turniers im Sommer kommenden Jahres dabei. Allerdings würde der Löw-Auswahl dann bei der Auslosung am 30. November eine sehr schwere EM-Gruppe drohen.

          Denn das Turnier ist nichts für Fußball-Romantiker. Schon die Qualifikation mutet mit Gruppenspielen und anschließenden Playoffs für die Staffelsieger der Nations League kompliziert an. Vier der 24 Teilnehmer werden erst gut zehn Wochen vor dem Turnierstart feststehen. Die Endrunde vom 12. Juni bis 12. Juli funktioniert so wie die EM 2016 in Frankreich – nur diesmal in gleich zwölf Ländern. FAZ.NET gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen:

          Wieso findet die EM 2020 in zwölf Ländern statt?

          Das Pan-Europa-Turnier ist das letzte Erbe des wegen Ethik-Vergehen gesperrten ehemaligen Präsidenten der Uefa, Michel Platini. Am Finaltag der EM 2012 verkündete der Franzose seinen Plan, zum 60. Geburtstag der Turnierpremiere eine symbolbeladene Veranstaltung in vielen Ländern auszurichten.

          Kritiker äußerten schnell den Verdacht, dass Platini vor allem seine Wähler in Osteuropa mit der Aussicht auf eine lukrative Gastgeberrolle glücklich machen wollte. Bei der Uefa ist man jedenfalls nicht mehr froh über das Riesenevent, das teuer ist und logistisch eine große Herausforderung darstellt.

          Viele Mannschaften, ein Ziel: Die Qualifikation für die Fußball-Europameisterschaft 2020 beginnt.

          Wer qualifiziert sich für das Turnier?

          Alle 55 Uefa-Mitglieder gehen in der Qualifikation an den Start. Auch die zwölf Ausrichter – darunter Deutschland – müssen ihr Ticket lösen. In zehn Gruppen spielen fünf oder sechs Mannschaften bis November 20 EM-Starter aus. Alle Gruppensieger und Gruppenzweiten sind 2020 dabei.

          Die verbliebenen vier Teams werden in Playoffs im März 2020 ermittelt. Startberechtigt sind die je vier Gruppensieger aus den vier Staffeln der Nations League. Waren diese Mannschaften schon in der regulären Qualifikation erfolgreich, rückt das nächstbeste Team aus der Staffel oder sogar aus der nächst tieferen Staffel der Nations League nach.

          Ist der Gruppensieg in der Quali-Runde wichtig?

          Auch der Gruppenzweite bekommt ein EM-Ticket, aber nur die sechs besten Gruppensieger aus den zehn Qualigruppen werden bei der Los-Zeremonie in Bukarest am 30. November im Topf der besten Teams gesetzt sein. Die vier weiteren Ersten kommen mit den zwei besten Gruppenzweiten in Topf zwei. Die sechs nächstbesten Gruppenzweiten bilden den Topf drei und die beiden schlechtesten Gruppenzweiten wandern mit den vier Teams, die sich erst in den Playoffs qualifizieren in Topf vier. Also: Den Zweiten droht bei der Endrunde eine echte Hammergruppe.

          Wer das deutsche Tor hüten wird, ist eine der großen Fragen: Manuel Neuer (vorne) ist derzeit die Nummer eins, doch auch Marc-André ter Stegen (rechts) macht sich Hoffnungen.

          Wie stehen die Chancen für die deutsche Mannschaft?

          Trotz der großen Krise mit WM-Desaster und Abstieg in der Nations League: Das EM-Ticket hat Bundestrainer Joachim Löw fix eingeplant. Außer Auftaktgegner Niederlande am Sonntag (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur EM-Qualifikation und bei RTL) in Amsterdam gehören noch Nordirland, Weißrussland und Estland zu den Kontrahenten in der Gruppe C. Schwer vorstellbar, dass zwei dieser Teams vor Deutschland landen und die DFB-Auswahl erstmals seit 1968 eine EM-Endrunde verpasst.

          Wie funktioniert die Endrunde?

          24 Mannschaften in sechs Gruppen. Der Turniermodus ist so umständlich wie vier Jahre zuvor in Frankreich. Mathe-Experten werden wieder gefragt sein, wenn es gilt, die vier besten Gruppendritten zu ermitteln, die wie alle Gruppensieger und Gruppenzweiten ins Achtelfinale kommen. Dann geht es bis zum Endspiel im K.o.-Modus weiter.

          In allen zwölf Spielorten Rom, Baku, Kopenhagen, St. Petersburg, Amsterdam, Bukarest, London, Glasgow, Bilbao, Dublin, München und Budapest finden je drei Gruppenspiele und ein Achtel- oder Viertelfinale statt. Beide Halbfinals und das Endspiel wurden an London vergeben, das mit sieben von 51 Spielen das Herz des Turniers ist.

          Wo spielt Deutschland seine EM-Spiele?

          Mindestens zwei Gruppenspiele finden in München statt, wenn sich Ungarn nicht oder erst in den Playoffs qualifiziert sogar sicher alle drei Partien in der Gruppe F. Schaffen das DFB-Team und die Ungarn die direkte Quali, entscheidet das Los über München oder Budapest als Ort des direkten Duells.

          Anschließend geht die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw im Erfolgsfall auf Europa-Tournee. Als Gruppensieger wären Bukarest und St. Petersburg die Spielorte für Achtel- und Viertelfinale, als Gruppenzweiter ginge es nach Dublin und dann nach Rom. Kommt Deutschland nur als Gruppendritter weiter, sind die Konstellationen für die K.o.-Runde Bilbao/München oder Budapest/Baku vor dem Turnier-Showdown in London.

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