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Nationalteam in Leipzig : Warum der DFB auf Bierwerbung verzichten muss

So wie auf diesem Bild (Bundestrainer Joachim Löw, links, neben Manager Oliver Bierhoff im August 2018) wird die Werbetafel bei der Pressekonferenz in Leipzig wohl nicht aussehen. Bild: Picture-Alliance

Ab auf die Schulbank: Die Nationalmannschaft mit Manager Oliver Bierhoff will Nähe zu den jüngsten Fans herstellen und gibt eine Pressekonferenz in einer Schule. Doch im Vorfeld kommt es gleich zu mehreren Kuriositäten.

          Die „94. Schule – Oberschule der Stadt Leipzig“ liegt im Stadtteil Grünau, sie gilt als Brennpunktschule. Etwa 400 Schülerinnen und Schüler machen dort den Haupt- oder Realschulabschluss. An diesem Dienstag (ca. 13.45 Uhr im FAZ.NET-Livestream) bekommen sie Besuch von einer Abordnung der Fußball-Nationalmannschaft, die dort zwei Tage vor dem Länderspiel in Leipzig gegen Russland eine Pressekonferenz geben wird. Es ist eine Veranstaltung, die sich einreiht in die jüngsten Bemühungen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wieder mehr Nähe zu den Fans herzustellen. Die Idee dazu hatte Oliver Bierhoff, der Manager der Nationalmannschaft.

          „Ein Herr vom DFB hat bei uns angerufen und fragte, ob sie zu uns kommen dürfen. Da habe ich natürlich sofort zugesagt“, erzählte Schulleiter Bernd Liebau am vergangenen Mittwoch der F.A.Z. Ob, wie bei Pressekonferenzen des DFB üblich, Werbetafeln mit den Logos der DFB-Sponsoren aufgestellt werden, weiß Liebau nicht. Einzelheiten seien nicht besprochen worden. Dabei herrscht an Sachsens Schulen ein striktes Werbeverbot, das bestätigt Matthias Hasberg, Pressesprecher der Stadt Leipzig, des zuständigen Schulträgers, der F.A.Z. am Donnerstag. Von der Pressekonferenz des DFB weiß er da noch nichts und reagiert entsprechend überrascht: „Ich hätte gern erst einmal gewusst, ob diese Schule saniert ist oder nicht“, sagt er.

          „Zwei Tage Arbeit für nicht einmal 20 Euro“

          Noch am selben Donnerstagnachmittag nimmt er Kontakt mit dem DFB auf. Einer der Partner des Verbandes ist ein Bierbrauer, ein anderer eine Fast-Food-Kette. „Beides geht gar nicht“, sagt Hasberg. Die Verantwortlichen des DFB sehen bis dato offenbar keine Schwierigkeiten, informieren aber noch an diesem Tag ihre Sponsoren darüber, dass bei der Pressekonferenz in der 94. Schule auf Werbelogos verzichtet werden müsse. Auch wird ein Vertrag zwischen DFB und der Stadt Leipzig für die Nutzung der Räumlichkeiten aufgesetzt, am Freitagmittag haben ihn beide Seiten unterschrieben – zwei Tage nach der offiziellen Einladung des DFB zur Pressekonferenz. Zudem greift die Gebührenordnung der Stadt Leipzig, es wird also eine Miete fällig. 8,45 Euro pro Stunde, die Veranstaltung soll zwei Stunden dauern– macht 16,90 Euro.

          Auf Anfrage der F.A.Z. antwortet der DFB: „Es trifft zu, dass die Idee, an der Schule eine Fragerunde mit Schülerinnen und Schülern in ein übliches Pressegespräch einzubinden, kurzfristig und spontan entstanden ist.“ Und weiter: „Die Idee stieß auf spontane Zustimmung der Schulleitung. Klar war auch, dass hierfür nicht das für Pressekonferenzen der Nationalmannschaft übliche Set-up zum Einsatz kommen wird.“ Hasberg lacht, als er am Freitag noch einmal über den Fall spricht. „Zwei Tage Arbeit für nicht einmal 20 Euro“, sagt er. „Aber immerhin haben wir so noch mal die Bierwerbung an der Schule verhindert, das wäre wirklich ein Problem gewesen.“

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