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Im Fußball zählen Siege : Mut zum Volltreffer!

Ein Team findet sich selbst: Beim 3:2 gegen die Niederlande wird der Neuanfang der Nationalelf sichtbar. Bild: GES/Marvin Ibo GŸngšr

Zuletzt gab der deutsche Fußball ein desolates Bild ab. Nun aber meldet er sich mit einem eindrucksvollen Signal zurück auf der Bildfläche. Das zeigt, was es vor allem braucht für eine erfolgreiche Zukunft.

          Mehr Mut! – Das wollte man aus Sicht des deutschen Fußballs vor knapp zwei Wochen dem FC Bayern zurufen, als der sich verzagt gegen den FC Liverpool aus der Champions League verabschiedete. Nun hat sich jener deutsche Fußball, der zuletzt ein so desolates Bild abgegeben hatte, mit einem ziemlich eindrucksvollen Signal auf der Bildfläche zurückgemeldet. Weil am Sonntag in Amsterdam eine Mannschaft vorspielte, die nicht danach schaute, was sie womöglich zu verlieren hatte, sondern den Blick mit wilder Entschlossenheit darauf richtete, was es zu gewinnen gab. Und das war eine ganze Menge.

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          Über die drei Punkte in der Europameisterschafts-Qualifikation hinaus war dieses 3:2 von Amsterdam ein Erlebnis, wie es Mannschaften, gerade junge, in ihrer Entwicklung brauchen. Damit sie Vertrauen gewinnen in sich und in den Weg, den sie vor sich haben. Nichts ersetzt Siege, heißt es oft im Sport, und das stimmt. Deshalb war es keine Überraschung, wie sehr alle diesen verbindenden Aspekt am Sonntagabend hervorhoben. „So was schweißt zusammen“, sagte Leon Goretzka als eine von vielen Stimmen dieser Mannschaft, die bärenstark begonnen hatte, nach dem Anschlusstor ins Wanken geriet, zum Schluss aber die Überzeugung und den kühlen Kopf besaß, den vielleicht letzten Angriff im Stil einer Spitzenmannschaft auszuspielen.

          Mut – das war nicht nur die Art und Weise, wie Serge Gnabry und Leroy Sané sich vom Anpfiff weg mit Tempo und Finesse in die Duelle mit den Verteidigern stürzten. Mutig war es auch, dass ein Mann wie Nico Schulz in der 90. Minute noch im Strafraum des Gegners auftauchte, obwohl das 2:2 ein Ergebnis gewesen wäre, mit dem sich beim reinen Blick auf die Qualifikation gut hätte leben lassen. Und mutig war auch die Entscheidung von Joachim Löw, den angeschlagenen Marco Reus für die letzten Minuten aufs Feld zu schicken, in der Hoffnung, dass der Dortmunder wie so oft noch die entscheidende Lösung finden würde – es wurde zum Volltreffer, womöglich auch mit Langzeitwirkung.

          So war am Ende für fast jeden etwas dabei, und mittendrin ein Bundestrainer, der sich demonstrativ Mühe gab, seine persönlichen Befindlichkeiten außen vor zu lassen. Die heftige Kritik der vergangenen Wochen und Monate schien Löw für sich in einem Akt von sprachlichem Framing wegzaubern zu wollen, indem er sie zu „Meinungen“ umetikettierte. Aber ganz so einfach ist es auch nicht. Das neue Deutschland, das sich am Sonntag von seiner bislang schönsten Seite zeigte, ist schließlich nicht das Ergebnis eines kühnen Plans, den der Bundestrainer nach dem WM-Fiasko nach umfänglicher Analyse gefasst hätte.

          Er brauchte sehr, sehr lange, bis er sich dazu durchringen konnte, sich von manchem weltmeisterlichen Zopf zu trennen, mit dem großen Schnitt vor drei Wochen. Der deshalb so radikal ausfiel, weil Löw selbst spürte, dass er eine neue Freiheit brauchte. Dafür hat er, wenn auch spät, einiges riskiert. Der Sieg von Amsterdam dürfte dem Team und seinem Trainer über längere Zeit „innere Ruhe“ geben, wie Oliver Bierhoff sagte. Was Löw dann daraus macht – damit hat er gerade erst begonnen.

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