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Wahl zum Weltfußballer : Das Ende einer Ära steht bevor

Cristiano Ronaldo, mittlerweile bei Juventus Turin unter Vertrag, ist abermals nominiert, Favorit auf die Trophäe ist in diesem Jahr aber ein anderer. Bild: dpa

Wenige Tage nach seinem Platzverweis droht Cristiano Ronaldo der nächste schmerzhafte Karriere-Moment. Bei der Kür zum Weltfußballer spricht vieles für einen anderen Spieler. Ronaldo kommt gar nicht erst zur Gala.

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          Kein Messi – und auch kein Ronaldo? Die Ehrung des Weltfußballers könnte in diesem Jahr eine Ära beenden. Bei der Fifa-Gala am Montagabend in London spricht viel für einen großen Abend des kroatischen Weltmeisterschaftszweiten Luka Modric. Ein Sieg des 33-Jährigen von Real Madrid würde bedeuten, dass zum ersten Mal seit 2007 ein anderer Star als Cristiano Ronaldo und Lionel Messi mit der bedeutsamsten individuellen Auszeichnung bedacht wird.

          Fünf Tage nach seinem ersten Champions-League-Platzverweis und einem tränenreichen Abgang würde sich der Portugiese Ronaldo gerne den nächsten traurigen Abend ersparen. Vielleicht auch deshalb wird er der Verleihung fernbleiben. Aufgrund des vollen Terminplans sei es „unmöglich“ anzunehmen, dass auch nur irgendjemand von Juventus Turin an der Gala teilnehme, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Kreisen des italienischen Spitzenklubs. Nach dem Auswärtsspiel gegen Frosinone Calcio am Sonntagabend sei die Juve-Mannschaft erst mitten in der Nacht nach Turin zurückgekehrt, hieß es. Am Dienstag beginnen die Vorbereitungen für das Liga-Spiel gegen Bologna am Mittwoch, Samstag steht für Ronaldo und seine Kollegen das Spitzenspiel gegen den SSC Neapel an.

          Warum die Absage des fünffachen Weltfußballers trotz des seit langem feststehenden Juve-Terminkalenders so kurzfristig erfolgte, war unklar. Das Fehlen des 33-Jährigen legt den Schluss nahe, dass nicht er sondern Modric am Abend mit der Trophäe des weltbesten Fußballers des Jahres gekürt wird. Ende August war Ronaldo der Ehrung Modrics als Europas bester Spieler kurzfristig fern geblieben, nachdem er erfahren hatte, dass er in Monaco nicht zum Sieger gekürt wird. In der Vergangenheit hatte der Portugiese auch schon Gala-Teilnahmen abgesagt, wenn sein langjähriger Rivale Lionel Messi ihn auf den zweiten Rang verwiesen hatte.

          Kennen sich gut aus ihren gemeinsamen Zeiten bei Real Madrid: Cristiano Ronaldo (rechts) und Luka Modric (links).

          Champions-League-Dauertriumphator Ronaldo schaffte es im Jahr seines Wechsels von Real Madrid zu Juventus Turin ebenso wie Premier-League-Torschützenkönig Mohamed Salah vom FC Liverpool in die Top drei. Dagegen fehlt der Argentinier Messi erstmals seit 2006 in diesem Kreis, er wird aus familiären Gründen auch nicht nach London reisen. Ein deutscher Spieler schaffte es im Jahr des großen WM-Debakels ebenfalls nicht in die engere Auswahl. „Die WM spielt natürlich eine wichtige Rolle bei der Wahl. Das war bei mir 2014 auch so“, sagte DFB- und Bayern-Kapitän Manuel Neuer, der es damals in die Top drei geschafft hatte.

          Wem sein Klub-Coach Niko Kovac die Auszeichnung wünscht, ist klar. Sollte Landsmann Modric gewinnen, wäre das „fantastisch“, sagte Kovac. „Er hat über Jahre richtig gute Arbeit geleistet. Es ernten immer die die Lorbeeren, die viele Tore schießen, das ist das Salz in der Suppe. Es gibt auch die, die viel für die Mannschaft tun, die sehr fleißig sind, die immer wieder Bälle vorlegen.“

          Ebenfalls nominiert für die Wahl zum Weltfußballer: Mohamed Salah vom FC Liverpool.

          Die „The Best Fifa Football Awards“ werden in der Royal Festival Hall der britischen Hauptstadt vergeben. Bis zum 10. August hatten Kapitäne und Trainer aller Nationalteams sowie Fans und Medienvertreter abgestimmt. Auf der ursprünglichen Auswahlliste von zehn Stars stand kein deutscher Profi.

          Seit zehn Jahren ging die Trophäe jeweils fünfmal an Ronaldo und an Messi. Im Jahr 2007 war es der Brasilianer Kaká, der als letzter vor den beiden Superstars der vergangenen Jahre als Bester geehrt wurde. Nun gilt vor allem Modric als aussichtsreichster Herausforderer des Portugiesen, der die Weltfußballer-Ehre in den vergangenen vier von fünf Jahren abräumte. Modric hatte schon die Uefa-Auszeichnung für Europas besten Fußballer 2018 erhalten und war zum besten Spieler der WM gekürt worden.

          Als einzige deutsche Vertreterin darf in Großbritanniens Hauptstadt Nationalspielerin Dzsenifer Marozsan auf eine Ehrung hoffen. Die Fußballerin von Olympique Lyon, die nach einer Lungenembolie lange ausfällt, konkurriert mit ihrer Vereinskollegin Ada Hegerberg (Norwegen) und der Brasilianerin Marta (Orlando Pride). Marozsan und Hegerberg hatten im Sommer die französische Meisterschaft und die Champions League gewonnen.

          Dazu werden die Welttrainer im Männer- und Frauenfußball und der beste Torhüter geehrt. Kandidaten für die Wahl des Welttrainers sind wie erwartet der französische Weltmeister-Nationalcoach Didier Deschamps, Nationaltrainer Zlatko Dalic vom Weltmeisterschaftszweiten Kroatien und der Franzose Zinedine Zidane. Mit Real Madrid hatte er im Mai zum dritten Mal in Serie die Champions League gewonnen. Wie Juve-Mann Ronaldo ist Zidane ebenfalls nicht mehr bei den Königlichen.

          Weltmeister Benjamin Pavard vom VfB Stuttgart darf auf den „Puskas Award“ für das schönste Tor hoffen. Der Verteidiger muss sich mit seinem WM-Treffer allerdings gegen neun weitere Traumtore behaupten, unter anderen von Gareth Bale (Real Madrid), Ronaldo und Salah.

          Ballon d’Or künftig auch für Frauen

          Das französische Fachmagazin „France Football“ krönt bei seiner Weltfußballer-Auszeichnung künftig auch die Fußballerin des Jahres. Der Ballon d'Or der Frauen werde die beste Spielerin der Welt belohnen, teilte die Zeitschrift am Montag mit. Die Siegerin wird von einer Jury aus Journalisten gewählt, die auf Frauenfußball spezialisiert sind. „France Football“ vergibt den Ballon d'Or (französisch für Goldener Ball) bereits seit 1956, bislang nur an Männer. Die Auszeichnung ist unabhängig vom Weltfußballverband FIFA – seit 2016 veranstaltet der Weltverband wieder eine eigene Wahl zum Weltfußballer des Jahres. Neben dem besten Spieler und der besten Spielerin des Jahres will „France Football“ künftig den besten U21-Nachwuchsspieler mit der „Kopa Trophy“ auszeichnen. (dpa)

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