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WM-2006-Bestechungsvorwurf : Keine krummen Dinger!

Blick in den Abgrund: Für Wolfgang Niersbach ist das Vergangene nicht vorbei. Bild: dpa

Schön und einträglich war das Sommermärchen: Aber wer glaubt, man dürfe eine Fußball-WM kaufen, wenn sie nicht sauber zu bekommen sei, der akzeptiert und stärkt kriminelles Handeln.

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          Man könnte es sich leicht machen, so wie Bernie Ecclestone. Der Erfinder der Formel 1, ein Pragmatiker mit starkem Hang zum Zynismus, pries jüngst im russischen Fernsehen die großen Verdienste des suspendierten Präsidenten des Fußball-Weltverbandes, Joseph Blatter. Wenn im Blatter-Reich Korruption im Spiel sei, dann sei das halt eine „Gebühr, die der Fußball zahlen muss“. Ecclestone hat selbst zu spüren bekommen, wie in Deutschland über Korruption gedacht und geurteilt wird: Er musste letztes Jahr 100 Millionen Dollar zahlen, um einen Korruptionsprozess zu beenden, der vom Münchner Landgericht gegen ihn geführt wurde.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Aber angesichts der jüngsten Beschuldigungen, mit denen das Magazin „Der Spiegel“ den deutschen Fußball konfrontiert, könnte er sich in seiner Auffassung doch noch bestätigt fühlen. Danach soll das Recht, die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 auszutragen, die deutschen Werber mit Franz Beckenbauer an der Spitze eine „Gebühr“ von 6,7 Millionen Euro gekostet haben. Mindestens.

          Sieht man es so wie der PS-Despot aus Großbritannien, könnte man zu dem Schluss kommen, der Deal hätte sich gelohnt. Eigentlich ein preiswertes Vergnügen, unser Sommermärchen. Diese inspirierenden Sommernächte. Und die Chance auf ein neues Deutschland-Bild in der Welt. Schön war es ja, oder? Und einträglich auch. 56,5 Millionen Euro Gewinn hat allein der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gemacht. Aber so darf man das nicht sehen. Wer sich an einem korrupten System beteiligt, wird ein Teil davon. Und wer glaubt, man dürfte sich eine Fußball-Weltmeisterschaft kaufen, weil man sie auf anderem Wege nicht bekommt, der akzeptiert und stärkt kriminelle Machenschaften.

          Sommermärchen nur der Anfang?

          Sollte sich bestätigen – was eigentlich nur logisch wäre –, dass Deutschland sich die Fußball-WM mit unsauberen Mitteln gesichert hat, so müsste man eine gerade Verbindungslinie ziehen zwischen dem deutschen Sommermärchen, Russland 2018 und Qatar 2022. Ja, dann müsste man die Deutschen zu denen zählen, die Qatar 2022 möglich gemacht haben. Die unter erschütternden Umständen erfolgte Vergabe der Fußball-WM in ein reiches, ehrgeiziges und völlig ungeeignetes Land, die gerade in Deutschland aufs schärfste verurteilt worden ist. Selbst der vorsichtige Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und jetzt schwer unter Beschuss, hat den Weltverband Fifa dafür kritisiert. Sie hätte, sagte er vor einiger Zeit, die Bewerbung Qatars nicht einmal annehmen dürfen.

          Gerade noch trat Niersbach als eine Art gutes Gewissen des Weltfußballs auf. Für den Präsidenten des größten Nationalverbandes, Vorstandsmitglied der Europäischen Fußball-Union (Uefa) und der Fifa, schien der Aufstieg zum Uefa-Präsidenten nur noch eine Frage des Timings. Er ist der Einzige unter den Werbern, von Beckenbauer über dessen Berater Fedor Radmann bis zum Sportrechte-Händler Günter Netzer, der noch hohe Ämter zu verlieren hat. Nun droht ihm der Absturz. In Deutschland wäre ein mögliches Korruptionsvergehen schon verjährt – womöglich hat der ungenannte „Spiegel“-Informant aus Gründen des Selbstschutzes die Zehn-Jahres-Frist abgewartet.

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