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Russland 2018 und Qatar 2022 : Endlich Beweise für gekaufte Weltmeisterschaften?

  • -Aktualisiert am

Qatar will glänzen: das Al-Dschanub-Stadion südlich von Doha Bild: dpa

Fünf Jahre ist die spektakuläre Festnahmeaktion im größten Korruptionsskandals in der Geschichte des internationalen Sports schon her. Eine Anklageschrift der amerikanischen Justiz beleuchtet nun die Vergaben der Fifa an Russland und Qatar neu.

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          Fünf Jahre nach der spektakulären Festnahmeaktion in einem Schweizer Luxushotel und zwanzig Monate nach der Verhängung von langjährigen Gefängnisstrafen gegen ehemalige Spitzenfunktionäre arbeiten amerikanische Strafverfolgungsbehörden noch immer die vielen Verzweigungen des größten Korruptionsskandals in der Geschichte des internationalen Sports ab. Das wurde am Montag deutlich, als die Bundesstaatsanwaltschaft in Brooklyn Anklage gegen drei Personen erhob, die bislang noch nicht im Mittelpunkt des Interesses gestanden hatten.

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          Die Vorwürfe, bei denen es um Betrug und Geldwäsche geht, könnten erstmals klare Belege dafür erbringen, dass die schon lange umstrittene Vergabe der Fußballweltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Qatar gekauft wurde. Ein Kreml-Sprecher wies am Dienstag diesen Vorwurf kategorisch zurück. Russland habe ganz legal „die beste Fußball-WM der Geschichte“ veranstaltet. Auch Qatar hat Bestechung im Zusammenhang mit der WM-Vergabe stets bestritten.

          Allein der in Trinidad gegen seine Auslieferung an die Vereinigten Staaten ankämpfende, ehemalige Vizepräsident des Fußball-Weltverbandes Fifa, Jack Warner, soll laut Anklage fünf Millionen Dollar erhalten haben, um für Russland zu stimmen. Beträchtliche Summen gingen demnach auch an Nicolas Leoz, den einstigen Präsidenten der südamerikanischen Konföderation Conmebol und an den Brasilianer Ricardo Teixeira. Leoz war im vergangenen August in seinem Heimatland Paraguay gestorben und hatte sich bis dahin erfolgreich vor den dortigen Gerichten einer Auslieferung widersetzt. Auch Teixeira, der jede Anschuldigung bestreitet, dürfte dem Zugriff der amerikanischen Justiz entkommen, solange er Brasilien nicht verlässt.

          Seit der ersten Anklageerhebung im Mai 2015 haben sich insgesamt 26 Angeklagte für schuldig erklärt, während sich drei weitere Beschuldigte in einem mehrwöchigen Prozess verteidigten. Der ging 2018 mit einem Freispruch und zwei Schuldsprüchen zu Ende. Der ehemalige Funktionär Juan Angel Napout aus Paraguay erhielt mit neun Jahren Gefängnis die bislang höchste Strafe und sitzt derzeit in einer Strafanstalt in Florida. Der Brasilianer Jose Maria Marin wurde zu vier Jahren Haft verurteilt, jedoch in der vergangenen Woche vorzeitig entlassen.

          Die jüngste Anklageschrift rückt mit Hernan Lopez und Carlos Martinez zwei ehemalige Entscheidungsträger im Fernsehsender Fox mit amerikanischen Pässen in den Blickpunkt. Sie sollen Bestechungsgelder gezahlt haben, um dem Unternehmen die amerikanischen Fernsehrechte für die beiden Weltmeisterschaften zu sichern. Ebenfalls beschuldigt: der Spanier Gerard Romy, der in seiner Rolle als Chef des in Barcelona ansässigen Medienunternehmens Imagina Media Audiovisual und einer in Uruguay angesiedelten Sportrechte-Vermarktungsfirma namens Full Play unter anderem Bestechungszahlungen von drei Millionen Dollar an Jeffrey Webb geleistet haben soll. Das Schmiergeld für den ehemaligen Präsidenten der Konföderation Concacaf sollte demnach die Entscheidungen über die Vergabe von Lizenzrechten an Qualifikationsspielen zu den fraglichen WM-Turnieren beeinflussen. Die drei Männer sollen gemeinsam am Donnerstag dem Haftrichter in Brooklyn vorgeführt werden.

          Webb, auf den Cayman Islands zuhause, aber mit einer Amerikanerin verheiratet, gehörte 2016 zum Kreis der in Zürich festgenommenen Funktionäre. Er hatte im Frühjahr 2016 umfassend gestanden und wartet seither auf eine Strafzumessung. Er lebt unter Hausarrest im Bundesstaat Georgia. Wie groß die mildernden Umstände sein könnten, die ihm seine Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft eingebracht hat, dürfte nicht zuletzt vom Ausgang des Verfahrens gegen Romy abhängen, in dem er als Zeuge eine wichtige Rolle spielen wird.

          Die Anklageschrift, die den gesamten Komplex auf der Basis eines auf mafiaartige Bandenkriminalität zugeschnittenen Gesetzes („Racketeer Influenced and Corrupt Organizations Act“) behandelt, erwähnt eine Reihe von namentlich nicht identifizierten Mitverschwörern, die bislang nicht nur Rechenschaft gezogen wurden. Darunter befindet sich unter der laufenden Nummer 4 ein „hochrangiger Fifa-Funktionär“, über dessen Identität nur spekuliert werden kann.

          Die Charakterisierung könnte sowohl auf den früheren Präsidenten Joseph Blatter als auch auf den einstigen Generalsekretär Jérôme Valcke zutreffen, über dessen Rolle bei einer fragwürdigen Überweisung von zehn Millionen Dollar aus dem Budget der WM-Organisatoren des Turniers 2010 in Südafrika an Jack Warner in die Karibik vor einiger Zeit einiges an die Öffentlichkeit kam. Der Anwalt von Hernan Lopez stufte die Anschuldigungen als „dürftigen Fall“ ein. Die Anklageschrift enthalte keinen einzigen konkreten Gesetzesverstoß. Deshalb könne sein Mandant „es gar nicht erwarten, sich in einem Prozess dagegen zu verteidigen“.

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