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Fußballtrainer Peter Hyballa : „Für mich ist das alles ein Komplott“

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Peter Hyballa ist nicht mehr Coach des dänischen Fußball-Zweitligavereins Esbjerg FB. Bild: Picture-Alliance

Während der EM trat er beim ZDF als Taktikexperte auf. Nun ist die Zeit bei einem Klub in Dänemark für Peter Hyballa vorbei. Es gibt schwerwiegende Vorwürfe gegen den Trainer. Der wehrt sich vehement.

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          Wer ein Datum sucht, an dem der Stein endgültig ins Rollen kam, landet beim 26. Juli. An diesem Tag beendete der dänische Fußballverein Esbjerg forenede Boldklubber (EfB) die Zusammenarbeit mit dem Verteidiger Kasper Pedersen. Als Grund gaben Spieler und Klub die große Konkurrenz auf dieser Position an. Doch einige Tage später sagte Pedersen in einem Interview mit der Zeitung B.T., er habe den Vertrag aufgelöst und den Klub verlassen, weil er Trainer Peter Hyballas Führungsstil nicht mehr ertrug: „Es gab so viele Dinge, die grenzübertretend und direkt wahnsinnig waren.“

          Am 29. Juli folgte ein offener Brief, den 21 Profis des Zweitligaklubs unterschrieben und auf den dänische Medien reagierten. Darin wird Hyballa vorgeworfen, ihm fehlten fachliche und menschliche Qualitäten, ein Team zu führen. Spieler hätten täglich Drohungen über Entlassungen, Spott sowie sexistische und erniedrigende Bemerkungen erlebt. Seine harten Trainingsmethoden hätten zu Verletzungen geführt.

          Opfer oder Täter?

          Hyballa selbst, Typ Trainer-Wandervogel, wurde während der EM als ZDF-Experte einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Er sieht sich als Opfer, nicht als Täter: „Ich habe mit Rassismus und Beleidigungen nichts zu tun. Das war Rufmord. Für mich ist das alles ein Komplott.“ Dieser Tage trat der 45 Jahre alte Deutsch-Niederländer zurück. Er hatte erst Ende Mai in Esbjerg begonnen und sollte den Klub zurück in die Superliga führen. So wollten es die Besitzer, zu denen eine amerikanische Investorengruppe gehört. Sie hält die Aktienmehrheit. Der amerikanische Geldgeber stand bis zum Ende hinter Hyballa. Seit Unterzeichnung des Vertrages am 24. Mai hatte es aber so viele Geschichten über Hyballa und seine neue Mannschaft gegeben, dass Esbjerg in diesem Fußballsommer als Chaosklub Dänemarks gebrandmarkt ist.

          Während Hyballa bei seiner Einschätzung blieb, berichten Profis von Alltagssituationen, die unter ihm zu Bodyshaming ausgeartet seien. Er soll Spieler „dick“ genannt, ihnen an den Bauch gefasst haben. Dazu sagte Hyballa der Bild-Zeitung: „Ich werde meinem Spieler doch wohl noch sagen dürfen, wenn er zu viele Kilos auf den Rippen hat. Daran müssen wir dann arbeiten.“ Jeppe Curth von der dänischen Spielergewerkschaft, die die EfB-Profis einschalteten, kommentierte das so: „Das, was in Esbjerg geschehen ist, sollte an keinem Arbeitsplatz in ganz Dänemark stattfinden.“

          Bei den Fans war der deutsche Coach jedenfalls schnell unten durch. „Vi går hvis Hyballa slår“, stand vor einem Spiel auf einem Plakat: „Wir gehen, wenn Hyballa schlägt.“ Gegenüber der Bild-Zeitung berichtete Hyballa nun, dass er von Anhängern in Nachrichten als „Nazi“ beschimpft worden sei. Nur vier Spiele als Cheftrainer verantwortete er im Westen Jütlands. Dass er dort auf eine Mentalität traf, die nur bedingt tauglich für Profifußball ist, verschärfte den Konflikt. Schon zweimaliges Training am Tag habe einige Spieler verwundert, sagte er. Hyballa sagte, er und sein Trainerteam hätten sich nicht gut genug auf den dänischen Fußball vorbereitet. Unterdessen hat der Deutsche Roland Vrabec am Mittwoch als Cheftrainer bei EfB begonnen. Als Assistent steht ihm Rafael van der Vaart zur Seite – ihn hatte noch Hyballa geholt.

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