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Fußball-Vorbereitung : Schwere Vorwürfe gegen Manchester City in China

  • -Aktualisiert am

Ärger auf der Asien-Tour: Manchester City macht sich nicht überall Freunde. Bild: AFP

Manchester City ist auf Asien-Tour. Dabei sorgt der Tross für einigen Ärger bei den Chinesen. Trainer Pep Guardiola und die Stars sollen sich arrogant verhalten haben. Andere Vorwürfe aber wiegen noch schwerer.

          Der Ärger ging schon los, da hatte die Mannschaft von Manchester City noch nicht einmal das Flugzeug in Richtung Schanghai bestiegen. Zweimal wurde der Flug des englischen Fußballmeisters kurzfristig abgesagt – schuld daran soll die Reiseagentur gewesen sein –, weshalb der Tross um Trainer Pep Guardiola erst mit zwei Tagen Verspätung zur Vorbereitungs- und Promotion-Tour in China eintraf.

          Bei der sogenannten Premier League Asia Trophy, einem Mini-Turnier mit vier englischen Klubs, gewann die Mannschaft dann trotz Jetlags zunächst 4:1 gegen West Ham United, bevor sie im Finale gegen die Wolverhampton Wanderers im Elfmeterschießen verlor. Guardiola und seine Spieler dürfte die Niederlage nicht sonderlich belasten. Zum Problem könnte dagegen etwas anderes werden. Denn das Verhalten der City-Delegation vor Ort scheint chinesische Medienvertreter verärgert und Fans enttäuscht zu haben.

          Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua hat auf ihrer Internetpräsenz einen ausführlichen Kommentar in englischer Sprache veröffentlicht. Die Liebe der chinesischen City-Fans sei nicht erwidert worden, heißt es in der Überschrift. Demnach soll Guardiola etwa an zum Teil seit Stunden wartenden Fans vorbeimarschiert sein, flankiert von zwei Sicherheitsmännern, den Blick stur geradeaus. „Es sollte nur ein Beispiel unter vielen für die vollkommene Respektlosigkeit sein, mit der Manchester City den Gastgebern während der Tour in China begegnet ist“, heißt es in dem Text weiter. Nur Fans mit teuren VIP-Tickets seien in die Nähe der Spieler gekommen, um Fotos mit ihnen zu machen oder Autogramme zu ergattern. Es sei daher offensichtlich, dass die Reise für City bloß eine kommerzielle Verpflichtung darstelle – das augenscheinliche „Fehlen von Enthusiasmus“ sei dafür nur ein Beleg.

          Andere Vorwürfe wiegen noch schwerer. So sei chinesischen Medien der Zugang zum Team und zum Trainer oft erschwert oder sogar verweigert worden, wohingegen Vertreter englischer und anderer ausländischer Medien bevorzugt behandelt worden seien. Als britische Journalisten etwa mit dem 70-Millionen-Euro-Zugang Rodri sprechen durften, seien chinesische Reporter aus dem Raum gebeten worden, um in einem Bus zu warten. Bei vergleichbaren Interviewgelegenheiten mit anderen City-Profis sei es ähnlich abgelaufen. Xinhua spricht vor diesem Hintergrund von einer „Behandlung zweiter Klasse“, „Arroganz“ und „Diskriminierung“.

          Manchester City weist die Vorwürfe zurück. Guardiola bezeichnete Berichte, wonach der Klub chinesische Fans ignoriere und Journalisten ausschließe, bei einer Pressekonferenz als „weit weg von der Realität“. Er könne nicht verstehen, wie es zu diesen Meldungen gekommen sei, sagte der Trainer weiter: „Vielleicht ist ein Journalist ein bisschen verärgert – ich weiß nicht, warum.“ Die Zeit in Schanghai aber sei „unglaublich“ gewesen, und man habe erfolgreich demonstriert, was für ein „großartiger Klub“ Manchester City sei.

          Der Stürmer Raheem Sterling äußerte sich ähnlich wie sein Trainer. Nach dem Training und nach den Spielen habe sich die Mannschaft Zeit für die chinesischen Fans genommen: „Ich fand, wir hatten eine echt gute Beziehung.“ Auf Twitter hat der Klub ein Video veröffentlicht, in dem zu sehen ist, wie der belgische Mittelfeldstar Kevin De Bruyne vor nervös wartenden Fans Autogramme schreibt.

          An diesem Mittwoch (14.00 Uhr MESZ) spielt Manchester City im Rahmen der Asien-Tour in Hongkong gegen den dort ansässigen Klub Kitchee FC, bevor am Samstag in Japan der letzte Test gegen die Yokohama F. Marinos ansteht – ein Klub, der wie Manchester zur City Football Group gehört. Zwei Gelegenheiten für Guardiola und seine Spieler, um den Vorwurf von Xinhua zu widerlegen, wonach es Manchester City bei der Tour nicht darum gehe, die Herzen der asiatischen Fans zu gewinnen – sondern nur an deren Portemonnaies zu kommen.

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