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Vizepräsident Koch bestätigt : DFB hatte Vorrunden-Aus schon vor der WM einkalkuliert

  • Aktualisiert am

Gibt bemerkenswerte Details bekannt: Rainer Koch, Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes. Bild: dpa

Joachim Löw ist für die DFB-Spitze trotz des desaströsen Jahres weiterhin der „bestmögliche“ Bundestrainer. Nun wird bekannt: Bereits vor der Weltmeisterschaft in Russland war klar, dass er weitermachen darf.

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          DFB-Vizepräsident Rainer Koch hat zum Ende des desaströsen WM-Jahres das konsequente Festhalten des Fußball-Verbandes an Joachim Löw verteidigt und bemerkenswerte Details enthüllt. Demnach hatte die Führung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) um Präsident Reinhard Grindel bei der vorzeitigen Vertragsverlängerung mit dem Bundestrainer kurz vor der Weltmeisterschaft in Russland ein frühes Scheitern des Titelverteidigers durchaus einkalkuliert.

          Die Entscheidung, nach dem ersten WM-Vorrunden-K.o. der deutschen Nationalelf an der Sportlichen Leitung um Löw und Teammanager Oliver Bierhoff festzuhalten, sei im Sommer auch deswegen „so zügig“ erfolgt, „weil wir uns schon vor der Weltmeisterschaft über die Zeit danach Gedanken gemacht hatten“, sagte Koch vor seinem 60. Geburtstag an diesem Dienstag.

          „Alles andere wäre fahrlässig gewesen“

          „Wir wussten, dass es einen Umbruch im Team braucht. Wir haben bei der Vertragsverlängerung auch durchgespielt, dass wir in der Vorrunde ausscheiden. Alles andere wäre fahrlässig gewesen“, berichtete der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes. „Es gehört zur Führungsverantwortung, dass man sich mit allen Szenarien auseinandersetzt. Wir sind schließlich nicht der erste Weltmeister, der in der Vorrunde ausgeschieden ist.“ In der Tat: 2002 war das Frankreich passiert, 2010 Italien und 2014 Spanien.

          Niemand in der DFB-Spitze habe angezweifelt, „dass es der beste Weg ist, den Umbruch mit Joachim Löw und Oliver Bierhoff zu bewältigen“, sagte Koch. Persönlich fühle er sich durch die letzten Länderspiele des Jahres in dieser Einschätzung bestätigt: „Unser Bundestrainer ist der bestmögliche, um den Umbruch hinzubekommen. Dazu bekenne ich mich.“

          Dass Löw (rechts) selbst bei einem frühen WM-Aus Bundestrainer bleibt, war wohl schon vor dem Turnier auch mit DFB-Präsident Grindel (links) besprochen.
          Dass Löw (rechts) selbst bei einem frühen WM-Aus Bundestrainer bleibt, war wohl schon vor dem Turnier auch mit DFB-Präsident Grindel (links) besprochen. : Bild: dpa

          Koch stellt nach dem „sehr unerfreulichen Jahr“ 2018 jedoch einige Forderungen an Löw. „Das Vorrunden-Aus bei der WM war desaströs. Auch die anschließenden Niederlagen in der Nations League waren nicht geeignet, um sofort den Eindruck der Besserung entstehen zu lassen. Was mir aber Hoffnung und Mut macht, sind die letzten Länderspiele sowie die vielen jungen und talentierten Spieler, mit denen Joachim Löw 2019 den Generationenumbruch hinbringen muss.“

          Das Ziel müsse die Qualifikation für die Europameisterschaft 2020 sein, sagte Koch beim Ausblick auf 2019. „Ich wünsche mir vor allem gleich im ersten Spiel in Holland einen Sieg, am besten einen überzeugenden. Die Niederländer haben jetzt genug Punkte gegen uns gemacht“, sagte der DFB-Vize mit Blick auf den Start in die EM-Ausscheidung am 24. März 2019. Weitere Gruppengegner sind Nordirland, Weißrussland und Estland. Der Erste und Zweite qualifizieren sich für die EM-Endrunde 2020, bei der München einer der insgesamt zwölf Austragungsorte sein wird.

          „Wir waren bei allen Wettbewerben nur Statisten“

          Doch auch der Bundestrainer selbst schlägt in diese Kerbe: „Wir wollen natürlich besser sein, dieses Jahr waren wir bei allen Wettbewerben nur Statisten“, sagte der Bundestrainer am Rande der Gala „Sportler des Jahres“ in Baden-Baden: „Das muss sich natürlich im nächsten Jahr wieder verbessern.“

          Nach dem historischen WM-Desaster und dem Abstieg in der Nations League habe er sich mit seinem Team „genug Gedanken gemacht, dafür muss nicht unbedingt Weihnachten oder Silvester her“, sagte Löw: „Die letzten zwei, drei Spiele war wieder eine klare Steigerung, neue Energie und neue Dynamik zu erkennen.“ 2018 sei „ein anstrengendes Jahr mit Enttäuschungen“ gewesen, betonte Löw (58). Bilder wie nach dem Vorrunden-Aus in Russland „vergisst man nicht. Solche Niederlagen sind schwer zu ertragen, schwer zu verkraften. Man weiß, die ganze Nation ist enttäuscht, man hat viele Fehler gemacht. Das ist geblieben.“

          Aber, fügte der Bundestrainer zuversichtlich an: „Aus Niederlagen lernt man ja manchmal am meisten. Ich glaube, wir haben unsere Lehren gezogen und können uns auf das nächste und übernächste Jahr wieder freuen.“

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