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Fußball-Nationalmannschaft : In die Rolle des Außenseiters zurückgeschrumpft

  • -Aktualisiert am

Die eigenen Erwartungen waren groß: Mit dem Remis gegen Serbien ist die deutsche Nationalmannschaft nicht so recht zufrieden. Bild: AFP

Deutschland spielt gegen Serbien nur 1:1. Der ausgerufene Neustart ist damit nicht wirklich gelungen. Die eigenen Ansprüche aber waren groß. Nun wartet in Amsterdam eine schwierige Prüfung, die Folgen haben könnte.

          Der Suche nach der richtigen Spielidee folgte die Suche nach den passenden Erklärungen. War das wirklich schon der Versuch der deutschen Nationalelf, in ein neues, flotteres Zeitalter aufzubrechen? „Die Ansätze waren da“, befand Innenverteidiger Jonathan Tah. „Der Anspruch ist groß. Aber wir brauchen Zeit“, meinte Angreifer Marco Reus. Das magere 1:1 im Testspiel gegen Serbien kann noch kein Aufbruch in eine bessere Zukunft gewesen sein. Die auf Anweisung von Bundestrainer Joachim Löw verjüngte Mannschaft trat zu nervös, ideenlos und mit zu wenig Torgefahr auf. Nach den 90 Minuten in Wolfsburg stand fest: Hier sortiert sich etwas neu, das noch ein paar alte Probleme hinter sich lassen muss.

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          „Wir hatten Abstimmungsprobleme“, erklärte Löw. Dennoch lobte er die Mentalität seiner Mannschaft. In das Gepäck für die erste Auslandsreise in 2019, die die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Kürze antritt, hat sich neuer Ballast gemogelt. Den Test gegen Serbien nicht gewonnen zu haben, erhöht den Druck vor der Partie am Sonntag (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur EM-Qualifikation und bei RTL) gegen die Niederlande.

          „Das Selbstvertrauen dieser Mannschaft ist nicht ganz da“, gestand Ilkay Gündogan. In der Ära nach der Aussortierung verdienter Nationalspieler wie Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng zählt der Mittelfeldspieler im Alter von 28 Jahren zu den Routiniers, er übernahm nach der Auswechslung von Manuel Neuer zur Halbzeit erstmals die Kapitänsbinde. Gündogan gab nach dem Remis in Wolfsburg zu: Wenn es am Sonntag in Amsterdam im ersten Qualifikationsspiel zur Europameisterschaft 2020 ernst wird, sind bessere Ideen in der Offensive gefragt. „Wir müssen in die Räume, in denen es auch für die spielstarken Holländer gefährlich wird“, empfiehlt Gündogan. Im Duell mit Serbien fand nur der eingewechselte Leon Goretzka eine entscheidende Lücke. Ihm gelang nach dem 0:1 (12. Minute) durch Luka Jovic zumindest der Ausgleich (69.).

          Gedankenschneller, mutiger, zielstrebiger: So möchte Löw seine Mannschaft sehen, wenn der Nachwuchs ab sofort stärker in die Verantwortung genommen wird. Aber der Bundestrainer musste in Wolfsburg zur Kenntnis nehmen, dass ihn die erfahrenen Profis vor größerem Ungemach bewahrt haben. Nichts gegen die neuen Nationalspieler Marcel Halstenberg, Lukas Klostermann und Kai Havertz – für echten Schwung sorgte der formstarke Reus. In Wolfsburg war der Tempospieler von Borussia Dortmund nach der Halbzeitpause eingewechselt worden und hatte das Team mitgerissen. Mit Blick auf die Partie in Amsterdam sieht er dringenden Veränderungsbedarf. „Gegen die Niederlande müssen wir ein anderes Gesicht und eine andere Körpersprache zeigen, um da was mitzunehmen“, prophezeite Reus. Er meinte, dass man auf dem Weg zur nächsten EM am Sonntag gleich das schwerste Los vor der Brust habe.

          Vielleicht tut es Löw, Reus und Co. am Ende gut, in die Rolle des Außenseiters zurückgeschrumpft zu sein. In Wolfsburg war die Mannschaft vor 26.101 Zuschauern, von denen die große Mehrheit keine Lust auf lautstarke Anfeuerung verspürte, nach der ersten Halbzeit ausgepfiffen und mit Buhrufen bedacht worden. Mehrere Spieler reagierten darauf irritiert und nehmen deshalb frische Selbstzweifel mit auf die nächste Dienstreise. „Die Pfiffe haben mich schon ein bisschen überrascht“, sagte Joshua Kimmich. „Das hilft einem nicht. Für mich waren die Pfiffe nicht verständlich“, ergänzte Gündogan.

          Das Duo gab gegen Serbien im Mittelfeld den Ton an und wird in der neuen Teamhierarchie weit oben zu finden sein. Kimmich, Gündogan und vor allem Reus hatten es Löw am Ende zu verdanken, dass der angekündigte Start in eine neue Zukunft der Nationalmannschaft nicht gleich durch eine Niederlage und laut formulierte Sehnsucht nach Müller, Hummels oder Boateng belastet wurde. Bis zum Sonntag gibt es für Löw nur wenig Gelegenheiten, seine frische Idee von einer besseren Spielstrategie zu vermitteln. Regeneration am Donnerstag, Sponsorentermin am Freitag, Abflug am Samstag: Das sind die Kerntermine einer Mannschaft, auf die am Sonntag eine Chance zur Wiedergutmachung wartet.

          Am 13. Oktober 2018 hatte die Nationalelf in der Nations League mit 0:3 gegen die Niederlande verloren und sich gedemütigt gefühlt. Dieses Mal soll das Duell mehr Spaß machen und Erfolg bringen, das Spiel ist zudem bereits enorm wichtig für eine mögliche EM-Gruppenauslosung. „Ich will endlich mal wieder gewinnen. Am Sonntag haben wir die Chance dazu“, sagt der ehrgeizige Kimmich über die nächste Aufgabe im Nationaltrikot. Das klingt mutig, passt aber nicht ganz zu den Einschätzungen der Verantwortlichen. „In Holland sind wir nicht der Favorit“, findet Teammanager Oliver Bierhoff. Dass die Nationalspieler am Mittwochabend von einem heimischen Publikum mit Pfiffen bedacht und deshalb mit Selbstzweifeln auf die Reise nach Amsterdam geschickt wurden, lässt ihn eher kalt. „Die Erwartungshaltung ist da. Damit müssen wir umgehen“, sagt Bierhoff.

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