https://www.faz.net/-gtl-vduj

Vor dem WM-Halbfinale : Die Torfabrik Prinz & Smisek

Birgit Prinz und Sandra Smisek: „Wir verstehen uns blind” Bild: AP

Birgit Prinz hat in China bisher vier Tore erzielt, Sandra Smisek drei. Aber es sind nicht nur die Tore, die diese einmalige Partnerschaft auszeichnen. „Wir haben uns gesucht und gefunden“, sagt Birgit Prinz über ihre Sturmkollegin.

          Der Pressekonferenzraum im deutschen Mannschaftshotel ist gut gefüllt, so gut wie noch nie bei dieser Weltmeisterschaft. Journalisten und Fernsehteams aus China, England und den Vereinigten Staaten sind gekommen - und natürlich auch aus Norwegen. Es ist der erste Hauch von medialer Internationalität, der die Deutschen bei ihrem Projekt Titelverteidigung in China umweht.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Birgit Prinz beantwortet geduldig Fragen auch auf Englisch, und Bundestrainerin Silvia Neid versucht, angesichts des großen Interesses ein bisschen zu scherzen. Keine Frage, vor dem Halbfinale an diesem Mittwoch gegen Norwegen in Tianjin sind die Weltmeisterinnen endlich angekommen bei der WM. Man merkt, dass ihnen die neue Situation gefällt. „Das sind die Spiele, die Spaß machen“, sagt Silvia Neid vor dem letzten, schwierigen Schritt in Richtung Endspiel. Endlich ist die Angst vor dem Scheitern gewichen und hat Platz gemacht für das Gefühl, dass es jetzt etwas zu gewinnen gibt. Es tut den Deutschen gut vor der schweren Aufgabe.

          Sandra Smisek hat schon gewonnen

          Eine der Gewinnerinnen im deutschen Team bei dieser WM steht schon länger fest. Es ist Sandra Smisek. Sie hat sich im Sturm einen Stammplatz erobert. Sie und Birgit Prinz bilden zusammen ein vielversprechendes Duo: Gegen Norwegen und mit der Titelverteidigung könnte es etwas werden. Das Stürmerpaar Prinz/Smisek ist so etwas wie der Klassiker im deutschen Frauenfußball, aber es hat bis zu dieser WM gedauert, bis die beiden auch in der Nationalmannschaft zueinander fanden.

          Die Torfabrik: zusammen sieben Tore

          Birgit Prinz hat in China bisher vier Tore erzielt, Sandra Smisek drei. Aber es sind nicht die Tore, die diese einmalige Partnerschaft auszeichnen. „Wir haben uns gesucht und gefunden“, sagt Birgit Prinz über eine Fußballbeziehung, die nun schon eine kleine Fußball-Ewigkeit währt.

          „Wer Tore macht, wird registriert“

          Mit 16 Jahren haben die beiden gemeinsam ihre Bundesliga-Karriere beim FSV Frankfurt begonnen, vor rund vierzehn Jahren. Natürlich träumen sie jetzt davon, dass sie am Sonntag auch gemeinsam als Weltmeisterinnen nach Hause fliegen, es wäre der traumhafte Höhepunkt einer Symbiose im Frauen-Fußball. „Sie ist technisch perfekt, läuferisch sehr stark und immer anspielbar“, sagt Birgit Prinz über die Partnerin in ihrem Schatten, die es in der Nationalmannschaft nicht immer leicht hatte. „Jetzt hat sie es endlich geschafft. Sie hat es verdient und sie spielt eine sehr gute WM“, fügt Birgit Prinz hinzu.

          Die ungewöhnlich vielen Tore der eher selbstlos und mannschaftsdienlich spielenden Stürmerin hätten ihr dabei sehr geholfen, erklärt die Torjägerin. „Wer Tore macht, wird registriert“, sagt Birgit Prinz aus eigener Erfahrung. „Aber Sandra arbeitet im Verborgenen und wird daher nicht so wahrgenommen. Das ist nicht fair. Aber nicht sie sollte sich ändern, sondern die Wahrnehmung.“

          „Wir ergänzen uns perfekt“

          Ihre gemeinsame Karriere war zwischenzeitlich für einige Jahre unterbrochen. Birgit Prinz entschied sich, in die Vereinigten Staaten zu gehen und danach zum 1. FFC Frankfurt. Die viel stärker verwurzelte Frankfurterin Sandra Smisek wollte ihren Klub zunächst nicht verlassen. „Ich hätte das früher machen müssen, aber es war eine Herzensangelegenheit“, sagt sie. Irgendwann nach sechs gemeinsamen Jahren hat sie sich dann doch gelöst, spielte in Duisburg. „Es war für unsere Entwicklung wichtig, dass wir zwischenzeitlich unsere eigenen Wege gingen“, sagt Birgit Prinz. Die neuen Erfahrungen mit dem Abschied aus der Heimatstadt hätten sie beide weitergebracht, als Sportlerinnen und als Persönlichkeiten. „Aber umso schöner war das Wiedersehen dann beim FFC und in der Nationalmannschaft. Wir ergänzen uns perfekt“, sagte Sandra Smisek.

          Schon in der Jugend räumten sie gemeinsam alle Torrekorde ab, wie Birgit Prinz erzählt. In der Nationalmannschaft wird die Spielführerin gegen Norwegen schon ihr 170. Länderspiel machen, Sandra Smisek kommt auch schon auf ihren 122. Einsatz, aber der ganz große Unterschied bei den beiden Stürmerinnen wird erst beim Blick auf die Torbilanz offensichtlich. Die dreimalige „Weltfußballerin des Jahres“ hat es auf 114 Treffer gebracht, ihre Partnerin gerade mal auf 31.

          „Wir verstehen uns blind

          Gegen Norwegen soll sich nun für das Langzeit-Duo der Kreis einer erstaunlichen Karriere schließen. 1995 beim WM-Endspiel hieß der Gegner ebenfalls Norwegen, die Deutschen verloren die Partie, und Sandra Smisek weiß noch ganz genau, wie das damals war mit ihrer Einwechslung. Der Bundestrainer rief kurz vor Schluss, sie solle sich fertig machen, aber sie glaubte, die andere Sandra auf der Ersatzbank wäre gemeint - und reagierte nicht. „Willst du etwa nicht spielen?“, raunzte sie der Bundestrainer an. „Da war ich fertig mit der Welt“, sagt sie, „das war dann also mein Finaleinsatz.“

          Jetzt aber ist sie bestens vorbereitet auf die großen Herausforderungen und glaubt an den Titelgewinn. Auch Birgit Prinz hat ihre Erfahrungen mit Norwegen gemacht, es sind nicht die besten. Zum einen eben das Finale von damals und zuletzt in der Vorbereitung das glückliche 2:2 in Mainz. „Das sind genug negative Erinnerungen“, sagt sie, „es wird Zeit, dass eine positive Erfahrung dazukommt. Wenn unser Kollektiv funktioniert, haben wir eine realistische Chance auf das Endspiel.“ Dass das Sturmdoppel Prinz & Smisek dazu seinen Beitrag leisten wird, ist für die Spielführerin überhaupt keine Frage: „Wir verstehen uns blind.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Björn Höcke beim Wahlkampfauftakt der AfD Thüringen

          AfD-Wahlkampf in Thüringen : „Extrem bürgerlich“

          Beim Wahlkampfauftakt der Thüringer AfD in Arnstadt versucht die Partei, sich ein bürgerlich-konservatives Image zu geben. Doch vor allem die Aussagen eines Redners lassen daran Zweifel aufkommen – und es ist nicht Björn Höcke.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.