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Vor dem Spiel gegen Uruguay : Für viele winkt eine letzte Belohnung

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Chance auf einen Eintrag in der Fußballhistorie: Klose fehlt ein Tor, Ronaldos WM-Rekord einzustellen Bild: dpa

Das Spiel um Platz drei ist eine besondere Herausforderung: Die noch traurigen Halbfinal-Verlierer müssen von 20.30 Uhr an das Gefühl verdrängen, etwas ganz Großes verpasst zu haben. Für Müller und Klose geht es aber noch um mehr: Den Titel des Torschützenkönigs.

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          Auf die Leitung der Nationalmannschaft kommt zum Ende des Turniers eine ganz neue Herausforderung zu. Während sich sonst über die vergangenen Wochen alles auf die vermeintlich beste Personallösung für die elf Positionen auf dem Platz konzentrierte, gilt es jetzt, im Hinblick auf das abschließende Spiel um Platz drei eine Art Mittelweg zu bestreiten. Das ist nicht einfach, denn zum einen soll die letzte Aufgabe an diesem Samstag gegen Uruguay voll motiviert absolviert und mit einem Sieg abgeschlossen werden.

          Andererseits wollen der Bundestrainer und seine Leute auch all jenen in der letzten Partie der deutschen Fußballelf in Südafrika eine Chance bieten, die bislang mit Spieleinsätzen zu kurz gekommen sind oder noch gar nicht berücksichtigt wurden. Das stellt neue Anforderungen an das ganze Team. Für Joachim Löw, der am Freitag wegen eines grippalen Infekts die letzte Trainingseinheit nicht mehr leiten konnte, erläuterte Manager Oliver Bierhoff die Überlegungen vor der Uruguay-Partie in Port Elizabeth. „Wir wollen zeigen, dass wir das Spiel ernsthaft angehen, aber uns auch bei den Ersatzspielern bedanken, die in der Zeit kein einziges Mal nachgelassen haben“, sagte der Manager.

          Die gute Mitarbeit der Bank in den vielen, vielen Trainingseinheiten vor und während eines langen Turniers ist eine der Voraussetzungen des sportlichen Erfolgs. Die Motivationsbereitschaft auch des allerletzten Ersatzspielers ist einer der Indikatoren für das Leistungspotential einer ganzen Mannschaft. Der Bundestrainer hat hier zuletzt stets seine volle Zufriedenheit geäußert. „Da zieht jeder voll mit und fordert die Stammspieler“, sagte Löw.

          Da ist er wieder: Thomas Müller kann mitspielen und hat von der WM noch nicht genug
          Da ist er wieder: Thomas Müller kann mitspielen und hat von der WM noch nicht genug : Bild: dpa

          So ist nun am heutigen Samstag die Zeit für eine Belohnung gekommen, doch welche neuen Kräfte sich gegen Uruguay vor einem Millionen-Publikum in der Heimat beweisen werden können, ist noch nicht klar. Normalerweise käme der zweite Torwart Tim Wiese im Tausch für Manuel Neuer in Frage, doch plagt den Bremer, dem über alle Wochen eine eifrige Trainingsteilnahme attestiert wurde, eine unangenehme Schleimbeutelentzündung. Wieses erster Einsatz im Turnier ist gefährdet. Ob der spät zur WM berufene Oldie Hans-Jörg Butt dafür gleich beginnen wird, ist unwahrscheinlich.

          Die olympische Sicht aufs Turnier

          Hoffnungen kann sich Serdar Tasci machen, der als Innenverteidiger für den müde und ausgelaugt wirkenden Per Mertesacker kommen könnte. Vielleicht ist Marcell Jansen einer für die linke Außenbahn für Jerome Boateng oder auch Toni Kroos im linken Mittelfeld für Lukas Podolski, den wie Löw und Kapitän Philipp Lahm eine Erkältung erwischt hat. „Alles ist möglich“, sagte Bierhoff vor der Abreise am frühen Freitagabend Richtung Port Elizabeth.

          Zu viele Veränderungen in der Stammelf wird der Bundestrainer dennoch nicht vornehmen wollen, um nicht das sportliche Ziel eines letzten Sieges zu riskieren. Das Spiel der beiden Halbfinalverlierer ist stets für beide Mannschaften eine Überwindung. Mit der Erfahrung der deutschen Elf von vor vier Jahren, als der dritte Platz bei der Heim-WM von den Fans im großen Stil gefeiert worden war, steht die Motivation aber auch diesmal fest. „Für uns hat dieses Spiel eine besondere Bedeutung. Es gibt sogar für jeden eine Medaille“, sagte Bierhoff. Das ist die olympische Sicht auf das wichtigste Fußballturnier der Welt.

          „Wir müssen uns strecken“

          Neben einem guten Gefühl gibt es für den einen oder anderen weitere triftige Argumente, dass sich die Mannschaft voll ins Zeug legt. Thomas Müller und Miroslav Klose haben mit ihren bisher jeweils vier Turniertoren noch die Chance, WM-Torschützenkönige zu werden. Klose, der seit dem Spanien-Spiel allerdings über Rückenprobleme klagt, könnte mit einem weiteren Treffer zudem in die Ewigkeit der Fußballhistorie eingehen, weil er dann mit insgesamt 15 Toren an der Seite des Brasilianers Ronaldo die meisten Tore bei Weltmeisterschaften geschossen hätte.

          Vielleicht gelingt es ihm sogar, den früheren Stürmerstar zu übertrumpfen. Auch hierfür will sich die gesamte Mannschaft einsetzen. „Wir müssen jetzt im Kopf umschalten und die Halbfinalniederlage für einen Augenblick verdrängen. Wir müssen uns strecken und da nicht mit einer Larifari-Einstellung reingehen. Es gibt da noch was zu tun“, sagte Müller. Der 20 Jahre alte Münchner ist nach seiner Sperre gegen Spanien nun wieder zurück auf dem Platz - und er ist fit.

          Schweinsteiger und Özil für Goldenen Ball nominiert

          Den Gegner schätzt er auf seine eigene, unbekümmerte Art ein, warnt aber auch vor dessen Stärken: „Ich glaube, Uruguay hat früher zwei Mal nacheinander den WM-Titel gewonnen. Die stehen hinten geordnet, haben aggressive Mittelfeldspieler und mit Forlán und Suarez gefährliche Angreifer.“ Auch für Bastian Schweinsteiger und Mesut Özil könnte das letzte Spiel noch von Bedeutung sein, sie wurden beide vom Internationalen Fußball-Verband für den „Goldenen Ball“ nominiert. Diesen Individualpokal erhält am Ende der beste Spieler des Turniers.

          Das große Finale werden die deutschen Spieler diesmal in jedem Fall verpassen. Nicht mal im Fernsehen werden sie es sehen können. Während die Niederländer und Spanien in Johannesburg am Sonntag aufeinandertreffen, befinden sich die Deutschen auf dem Rückflug in die Heimat. „Ich glaube, es wird keinem schwerfallen, das Endspiel nicht zu sehen“, sagte Bierhoff. „Da ist schon noch ein kleiner Schmerz.“

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