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Pokalduell beim BVB : Mönchengladbacher Leichtigkeit

  • -Aktualisiert am

Gute Laune: Marcus Thuram hat nach der Partie gegen Frankfurt das Trikot von Mitspieler Stindl über eine Eckfahne gezogen. Bild: dpa

Erstmals seit legendären Tagen der „Fohlen-Elf“ in den Siebzigern ist die Borussia drei Spieltage lang Spitzenreiter. Die Leichtigkeit, die alle Klubs suchen, hat sie derzeit. Auch im DFB-Pokalduell beim BVB ist damit was möglich.

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          Es ist so eine Sache mit den Traditionsvereinen und den großen Erinnerungen, die in Geschichtsbüchern festgehalten oder in Form von verklärten Schilderungen an Kinder und Enkel weitergereicht werden. In Mönchengladbach haben sie vor einigen Wochen endlich ein Museum eröffnet, das neue Hotel bietet Themenzimmer zu legendären Vorkommnissen wie etwa dem Büchsenwurf, der zur Annullierung des unvergessenen 7:1 gegen Inter Mailand führte.

          DFB-Pokal

          Nun ist die Borussia zum ersten Mal seit 1977, als der Klub seinen bislang letzten Meistertitel feierte, an drei Spieltagen nacheinander Tabellenführer der Bundesliga. Die Fans sangen nach dem mitreißenden 4:2 gegen Eintracht Frankfurt Lieder von der Meisterschaft. Sogar Max Eberl ließ sich zu einem Moment des Überschwangs hinreißen, die erste Halbzeit sei „eine Demonstration“ gewesen, meinte der Sportdirektor, um sich sogleich zu zügeln: „Das ist vielleicht doch zu viel gesagt.“

          In einer Liga der Unentspannten ist Borussia Mönchengladbach eine Oase der Gelassenheit geworden. Bayern München und der BVB, den die Borussia am Abend (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal, in der ARD und bei Sky) in dessen Westfalenstadion im Zweitrundenspiel des nationalen Pokalwettbewerbs herausfordert, balancieren am Rande schwerwiegender Krisen entlang, und der SC Freiburg überperformt zwar, ist dabei aber bis aufs Äußerste angestrengt. Leipzig, Leverkusen, Schalke und Wolfsburg warten seit mehreren Wochen auf Siege – die Chance, Tabellenerster zu werden, scheint Teams eher zu bedrücken, als zu beflügeln. An zu vielen Standorten der Liga sind die Saisonprojekte überfrachtet mit Ambitionen und Erwartungen.

          Kein Wunder, dass die Leichtigkeit, die alle so gerne im eigenen Kluballtag empfangen würden, nach Mönchengladbach geflüchtet ist. Niederlagen wie in Dortmund vor zehn Tagen werden dort genauso wenig zum großen Drama wie Verletzungen von wichtigen Spielern oder schwächere Darbietungen. Und wenn es läuft, finden sie eine gute Balance zwischen Demut und Selbstvertrauen. All das erinnert tatsächlich an jenen Geist, der – zumindest aus heutiger Sicht – dem legendären Fohlen-Team der siebziger Jahre zugesprochen wird.

          Der aktuelle Kader wurde im Sommer klug verstärkt und hat so viel Lust auf die Impulse des neuen Trainers Marco Rose, dass eine hoch interessante fußballerische Substanz entstehen konnte. Elf Treffer hat das Team in den jüngsten drei Heimpartien erzielt, das passt zu den historischen Analogien. Rose sagt: Vor eigenem Publikum werde die Borussia „gerade wieder eine Macht“. Das wirklich Aufregende ist der historische Moment, in dem dieses Aufblühen stattfindet. Diese Saison entwickelt sich bislang mit erstaunlicher Beharrlichkeit zu einem jener immer seltener werdenden Spezialjahre, in denen die ganz große Überraschung möglich ist – wie beim Wolfsburger Bundesligatitel von 2009. Ebenso interessant wie die Schwierigkeiten der Titelfavoriten ist daher längst die Frage, was der Rest der Liga mit dieser Situation anzufangen weiß.

          RB Leipzig spielt seltsam unkonstant, Schalke stellt sich gut an, hat aber wohl zu große Schwächen im Kader, und die Leverkusener tragen die Unfähigkeit, Momente zum großen Coup zu nutzen, in der eigenen DNA. Es bleiben Freiburg, Wolfsburg und: Borussia Mönchengladbach. Nach neun Spieltagen deutet vieles darauf hin, dass die Gladbacher sich zwar nicht zum aussichtsreichsten Titelkandidaten entwickelt haben, aber zum Favoriten auf die Pole Position, wenn es um die Suche nach jener Mannschaft geht, die die Besonderheit dieser Saison am besten für eigene Interessen nutzen könnte.

          Der Mann hinter dem Erfolg: Marco Rose hat Schwung nach Mönchengladbach gebracht.
          Der Mann hinter dem Erfolg: Marco Rose hat Schwung nach Mönchengladbach gebracht. : Bild: dpa

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